Wenn Eltern überfordert sind

Überforderte Eltern mit Tochter
Was tun, wenn die Eltern überfodert sind? - Foto: © goodluz


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Elternsein hat auch Schattenseiten

Mama! Mama!! Maaaaama!!!!! - permanent schallt dieser Ruf durch das Haus. Die Kleine möchte unbedingt ungeteilte Aufmerksamkeit und sucht dringend einen Spielgefährten. Das Baby schreit und will schon wieder zum Stillen an die Brust. Endlich sitzt die gesamte Familie am Tisch - doch von Ruhe und Erholung keine Spur. Ein heftiger Streit zwischen den Geschwistern entfacht und es wird sich lautstark um die gerechte Aufteilung der Würstchen gestritten. Endlich ist Schlafenszeit, doch das sehen die lieben Kids anscheinend anders. Gefühlte 1000-mal kommen sie wieder aus ihren Zimmern; haben entweder Durst oder Hunger, müssen auf die Toilette oder vermissen ihr Kuscheltier.

Überforderte Mutter

Der Alltag mit Kindern kann mehr als anstrengend sein. Eine berufstätige Mutter ist dabei genauso gefordert wie eine Hausfrau - und natürlich auch die Väter können an einen Punkt kommen, an dem sie einfach nicht mehr können und ihnen alles über den Kopf wächst. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Je nach Alter der Kinder und der momentanen Familiensituation sind es ganz unterschiedliche Dinge, die Eltern das Gefühl geben, völlig überfordert zu sein. Häufig jedoch geht es um den ganz normalen Alltag, dem sich die Eltern nicht mehr gewachsen fühlen.

Hat die junge Familie gerade Nachwuchs bekommen, so ist die Aufmerksamkeit in den ersten Wochen fast ausschließlich auf das Baby ausgerichtet. Die Nachtruhe kann empfindlich gestört sein und auch am Tag sind Ruhepausen nur schwer möglich. Chronischer Schlafmangel führt zu Unkonzentriertheit und Gereiztheit und nicht selten verspüren die Eltern infolge dessen alles andere als liebevolle Gefühle für ihr Baby. Kleininder in der Trotzphase können mindestens genauso anstrengend sein wie Neugeborene und wehe dem, der Nachwuchs kommt in die Pubertät - dann brauchen die Eltern ganz starke Nerven, um den Alltag zu stemmen. Vorrangig sind es Erziehungsschwierigkeiten, an denen Eltern zu kauen haben - gepaart mit dem eigenen Berufsstress und privaten Problemen.

Überforderter Vater

Das Gefühl, dass einen die Kinder überfordern, beschleicht wohl alle Eltern von Zeit zu Zeit. Statt verständnisvoller Gespräche gibt es schreiende Mütter und Väter. Genervten Eltern rutscht auch schon mal die Hand aus, weil sie sich einfach nur noch ohnmächtig fühlen. Das ganze Familienleben macht keinen Spaß mehr und niemand fühlt sich in dieser Situation noch richtig wohl. In der Tretmühle Alltag gefangen ist es gar nicht so leicht, die anstehenden Probleme objektiv zu betrachten. Und doch ist gerade das notwendig, um Lösungsansätze zu suchen und eine Entspannung der vertrackten Situation zu erreichen. Zuerst einmal sollte analysiert werden, was wirklich hinter der Überforderung steckt. Sind es wirklich die fordernden Kinder, die einem den letzten Nerv rauben? Oder verhalten sie sich eigentlich ganz normal, nur wir selbst sind gereizt und können sie deshalb nicht ertragen? Gibt es berufliche Probleme die hier mit hineinspielen? Oder kriselt es in der Beziehung und private Probleme stehen im Vordergrund? Je nachdem, wo die Ursachen für die Überforderung liegen, kann nun begonnen werden, an Veränderungen zu arbeiten.

Tipps für überforderte Eltern

Die gestressten Eltern brauchen natürlich in erster Linie einmal eine Auszeit, um wieder zu sich selbst zu finden. Schon eine halbe Stunde ohne die Kinder kann helfen, dem Alltag zu entfliehen. Besonders Ausdauersport besitzt einen positiven Einfluss auf die Psyche. Beim Joggen oder Walken kann man den Problemen im wahrsten Sinne des Wortes davonlaufen. In dieser Zeit betreut der andere Elternteil oder die Großeltern die Kinder. Auch ein Babysitter kann engagiert werden, um sich selbst etwas Freiraum zu verschaffen. Langfristig gesehen wirkt sich das Erlernen einer Entspannungsmethode positiv auf die Psyche aus und lässt Eltern besonnener in Stresssituationen reagieren. Ob Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung - finden Sie die Methode heraus, welche für Sie am besten passt.

Doch was tun, wenn es gerade akut ist und man das Gefühl hat, gleich zu explodieren? Dann ist es besser, die Stresssituation kurz zu verlassen. Gehen Sie in einen anderen Raum, öffnen Sie das Fenster und atmen Sie ganz ruhig durch. Zählen Sie langsam bis 10 und denken Sie an etwas Schönes. Ist Ihr Partner zu Hause, so ziehen Sie sich allein zurück. Wenn nicht, so kann es auch helfen, gemeinsam mit den Kindern die Situation zu verlassen. Einfach raus aus der Wohnung und ab auf den Spielplatz oder eine Freundin besuchen. Bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee sich auszuweinen kann sehr gut tun und entlastend wirken. Genauso hilfreich ist es, mit jemandem Vertrauten zu telefonieren. Sie werden sehen, danach geht es Ihnen schon wieder besser.

Wie bereits erwähnt sind Erziehungsschwierigkeiten häufig die Ursache für eine Überforderung. Klare Regeln, viel Konsequenz und viel Liebe sind die Dinge, welche Kindern Halt und Orientierung geben. Kommen die Eltern jedoch allein nicht mehr zurecht, so sollten sie über Hilfe von Außen nachdenken. In jeder größeren Stadt gibt es Erziehungsberatungsstellen, deren Mitarbeiter gemeinsam mit den Eltern an der Lösung der Probleme arbeiten. Auch das Jugendamt kann Ansprechpartner für Eltern sein, welche sich mit ihren Kindern völlig überfordert fühlen. Viele Familien jedoch haben eine unbegründete Scheu vor diesem Amt und getrauen sich nicht, dort Hilfe zu suchen. Das ist falsch. Denn reicht eine Erziehungsberatung nicht aus, so kann das Jugendamt den ratsuchenden Eltern auch eine Familienhelferin an die Seite stellen, welche ganz konkret Unterstützung im Alltag gibt und die Eltern dabei anleitet, ihre Kinder zu erziehen und so wieder einen besseren Umgang miteinander zu erreichen.

Wie bei allen Dingen ist es auch bei der Überforderung durch die Kinder und den Alltag wichtig, rechtzeitig zu reagieren. Manches Problem kann so im Keim erstickt werden und ufert nicht erst aus. Geduld, eine gute Portion Zutrauen in die eigene Fähigkeit als Eltern und viele gemeinsame Erlebnisse fördern den Familienzusammenhalt und geben Kraft für das tägliche Einerlei.
Text: K. L. / Stand: 08.12.2018

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