Wenn Geschwister sich streiten

Geschsiter streiten sich im Kinderzimmer
Wenn Geschwister sich streiten - Foto: © photophonie


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Krach im Kinderzimmer

Vermutlich gibt es sie nicht, die "goldene Geschwisterregel", die zweifelsfrei besagt, welchen Altersabstand Kinder idealerweise haben sollten und wie sie am besten miteinander und nicht nur nebeneinander aufwachsen. Dennoch gibt es Situationen, in denen Eltern vermutlich gerne eine solche Universalregel bei der Hand hätten, zum Beispiel wenn es darum geht, ab wann die Kinder spätestens voneinander getrennte Kinderzimmer haben sollten.

Es könnte alles so schön sein. Die Kinder haben geräumige hübsche Zimmer, sie besitzen jede Menge Spielzeug, sie werden von ihren Eltern geliebt und geachtet. Doch unter den Geschwistern herrscht dennoch dauernd Streit. Streit, der nicht selten in lautstarke Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten mündet. Es wird gehauen und gebissen, was das Zeug hält. Es wird gekniffen und getreten und vor allem beschuldigt man stets und ständig den anderen, "angefangen" zu haben. Wenn ein geschwisterlicher Konflikt solche Formen annimmt, dann ist es höchste Zeit, dass die Eltern eingreifen. Wie aber sollen sie reagieren, wenn sie alles nicht noch schlimmer machen wollen?

Lassen Sie die Kinder ruhig streiten

Am Anfang jeder Überlegung sollte stehen, dass Streit zwischen Geschwistern etwas ganz Normales, ja sogar etwas Wünschenswertes und Gesundes ist. Im Streit mit dem Bruder oder der Schwester haben Kinder zum ersten Mal die Gelegenheit, sich und ihre Bedürfnisse auszudrücken und gegenüber einem anderen durchzusetzen. Klar, dass das nicht auf Anhieb klappt und jeder erst einmal kräftig übers Ziel hinausschießt! Wer die ersten Kabbeleien im Kinderzimmer mitbekommt, der sollte sich nicht einmischen. Im Idealfall werden die Kinder ihre Zwistigkeiten unter sich abmachen. Da der Idealfall selten etwas mit der Realität zu tun hat, sollten Eltern allerdings aufmerksam lauschen, wie sich der Streit entwickelt.

Es wird nicht lange dauern und die Kinder werden ohnehin zur Mutter oder zum Vater kommen, das Geschwisterchen anschwärzen und Parteinahme verlangen. Genau die aber sollten Eltern verweigern. Die Großen dürfen ruhig einräumen, dass sie nicht wissen, wer angefangen hat. Zudem müssen sie klipp und klar sagen, dass es auch viel wichtiger ist, dass beim Streiten gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen. Wer an den Haaren reißt oder kneift, wer beißt, tritt oder schlägt hat die Grenze eindeutig überschritten - egal, wer mit dem Zanken angefangen hat und wer nicht. Die Kinder müssen lernen, dass sie ihre Konflikte zwar mit Bestimmtheit, aber dennoch gewaltfrei austragen. Faires Streiten unter Geschwistern ist übrigens auch die beste Vorbereitung auf spätere schulische Auseinandersetzungen. Es ist keine Lösung, den Kindern ein "wenn man Dich haut, hau zurück" auf den Weg zu geben. Früher oder später wird dann jemand sie schlagen, der so viel stärker ist, dass das Kind sich nicht körperlich verteidigen kann. Wenn es allerdings in der Lage ist, Grenzen aufzuzeigen, frühzeitig nein zu sagen und sich im äußersten Notfall auch einem Erwachsenen anzuvertrauen, dann stehen die Chancen für eine Konfliktvermeidung deutlich besser.

Krach im Kinderzimmer muss nicht sein

Kinder lernen, indem sie andere imitieren. Wenn der Streit zwischen Geschwistern einfach nicht aufhören will, sondern das geschwisterliche Verhältnis nur noch aus Streit zu bestehen scheint, dann ist Anlass zur Sorge und auch zur Selbstkritik gegeben. Leben die Eltern den Kindern möglicherweise etwas vor, was die Kleinen kritiklos übernehmen? Fliegen beim Streit zwischen Vater und Mutter nicht nur die verbalen Fetzen, sondern ab und an auch Gegenstände? Dann darf sich niemand wundern, wenn auch die Kinder zu mehr als temperamentvollen Ausbrüchen neigen. Sie machen nach, was sie im Alltag bei den Großen beobachten.

Haben sich die Eltern in dieser Hinsicht jedoch nichts vorzuwerfen, dann ist immerwährender Streit zwischen Geschwistern ein Zeichen für tief gehende Probleme wie Eifersucht und mangelndes Selbstwertgefühl. Die Eltern müssen dann unbedingt ein klärendes Gespräch suchen.
Text: St. H. / Stand: 13.12.2018

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