Überfordert mit zweitem Kind

Überforderte Mutter mit zwei Kindern
Was tun, wenn man mit dem zweiten Kind überfordert ist?
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Was tun, wenn man mit dem zweiten Kind überfordert ist?

Noch einmal schwanger sein, noch einmal das Baby an der Brust haben, noch einmal die ersten Schritte bewundern.

Wie das statistische Bundesamt ermittelte, entscheiden sich 43 % aller Familien für ein zweites Kind. Neben Glück und Freude kann der Nachwuchs aber auch die Nerven der Eltern und des Geschwisterkindes auf eine harte Zerreißprobe stellen. Mit dem zweiten Kind wird noch einmal alles anders und die neue Lebenssituation ist nicht selten auch begleitet von Überforderungsgefühlen, vor allem bei der Mutter. Wenn das zweite Kind geboren wird

Prioritäten setzen

Mit der Geburt des zweiten Kindes verändert sich vieles und jeder in der Familie muss seinen Platz neu definieren. Anders als mit dem ersten Baby können sich die Eltern nicht nur allein um den Familienzuwachs kümmern, sondern das Geschwisterkind ist auch noch da und fordert sein Recht. Die Kombination aus zu wenig Schlaf, schreiendem Baby und um Aufmerksamkeit heischendem Erstgeborenen ist für viele Mütter einfach zu viel. Hinzu kommt der Haushalt, der sich ja bekanntlich auch nicht von alleine macht. In erster Linie sollte es nun darum gehen, Entlastung zu finden. Diese wird unter anderem erreicht, in dem man Prioritäten setzt. Dabei kann ein einfacher Grundsatz hilfreich sein: Menschen vor Dingen. Das heißt, dass die Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder über der Haus- und Gartenarbeit stehen sollten. Den Abwasch mal Abwasch sein lassen, durch schmutzige Fensterscheiben schauen, dem Unkraut im Gemüsebeet Freiraum geben - es lohnt sich, diese Gelassenheit zu erlernen.

Aufgaben delegieren

Eine überlastete Mutter kann ihre Aufgaben nicht mehr in der Art und Weise erfüllen, wie sie es eigentlich möchte. Symptome wie depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Ungeduld und Aggressivität machen es schwer, ein harmonisches Familienleben zu führen. Priorität hat hier die Entlastung der Mutter. "Erledige zuerst immer die Dinge, welche nur Du allein kannst." - wer sich daran hält, der wird sich mit der Zeit schon viel weniger überfordert fühlen. Aufgaben, welche auch von anderen Familienmitgliedern erledigt werden können, stehen auf der To-do-Liste weiter hinten. So können beispielsweise auch der Mann oder das große Kind den Müll runterbringen, die Spülmaschine ausräumen oder den Einkauf erledigen, während die Mutter entspannt am Rückbildungskurs oder am Elterngespräch in der Schule teilnimmt.
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Auszeiten nehmen

Eine Überforderung macht sich meist schleichend bemerkbar. Doch reagieren die betroffenen Eltern nicht frühzeitig darauf, so können sich ernste gesundheitliche Störungen entwickeln. Daher ist es so wichtig, bereits bei den ersten Anzeichen einer Überforderung die Reißleine zu ziehen. Schaffen Sie sich jeden Tag kleine Oasen der Ruhe - und wenn es nur ein paar Minuten sind. Schläft das Baby, so legen Sie sich mit dazu. Sind die Kids im Kindergarten, dann gönnen Sie sich eine halbe Stunde Lesezeit. Abends wenn der Partner zuhause ist, kann ein schönes Bad Entspannung schenken. Und auch ein Abend mit der besten Freundin kann dazu beitragen, wieder gelöster und ausgeglichener zu werden.
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Beratungsangebote nutzen

Das eine Kind schreit, weil es in der Trotzphase ist, das andere lässt die pubertären Stimmungsschwankungen gnadenlos an den Eltern aus. Nicht nur die ersten Monate mit einem zweiten Kind können sehr anstrengend sein, sondern auch die folgenden Jahre. Manchmal spitzt sich die Situation so zu, dass man als Eltern einfach nur noch völlig verzweifelt das Handtuch werfen möchte. Die Nerven liegen blank und in solchen Momenten fällt es extrem schwer, strategisch günstige Erziehungsmethoden aus dem Gedächtnis zu holen. Doch für überforderte Eltern gibt es Hilfe - beispielsweise unter der Nummer gegen Kummer des Elterntelefons (0800-1110550). Auch caritative Einrichtungen bieten Unterstützung an. Nach einer telefonischen Anmeldung bekommen Eltern hier einen Beratungstermin, an den sich bei Bedarf weitere anschließen.
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Mutter-Kind-Kur / Vater-Kind-Kur

Der Alltag mit zwei Kindern fordert Eltern ganz schön heraus. Gefangen in den täglichen Aufgaben bleibt leider wenig Zeit für die eigenen Bedürfnisse und häufig kommt auch das größere Kind etwas zu kurz, weil das "Nesthäkchen" der Familie extrem viel Aufmerksamkeit einfordert. In einer Mutter-Kind-Kur oder einer Vater-Kind-Kur können erschöpfte Eltern zusammen mit ihrem Nachwuchs wieder Kraft tanken und neue Anregungen für den Familienalltag erhalten. Neben physiotherapeutischen Anwendungen, sportlichen Aktivitäten und dem Erlernen oder Vertiefen einer Entspannungstechnik stehen hier auch Einzel- und Gruppengespräche auf dem Programm. Die Kinder erhalten ebenfalls Anwendungen und zur Verbesserung der Mutter/Vater-Kind-Beziehung bieten Kurkliniken gemeinsame Unternehmungen zwischen dem Elternteil und dem Nachwuchs an. So gestärkt kann es nach der Kur wieder nach Hause gehen - mit vielen schönen Erinnerungen, guten Denkanstößen und der einen oder anderen bereits umgesetzten Idee im Gepäck.
Weitere Infos zur Mutter-Kind-Kur

Elternsein ist nicht immer leicht. Der Spagat zwischen den eigenen Bedürfnissen, den Ansprüchen des Partners und der Kinder sowie beruflichen Verpflichtungen lässt schnell ein Gefühl der Überforderung aufkommen. Doch schon der Austausch mit anderen Eltern oder die Inanspruchnahme einer guten Erziehungs- oder Familienberatung kann helfen, im Alltag wieder einen klaren Kopf zu bekommen und mit neuer Zuversicht die anstehenden Aufgaben zu meistern.
Text: K. L. / Stand: 18.09.2018

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