Wie Kinder lernen mit Frust umzugehen

Text: A. B. (Medienwissenschaftlerin / Journalistin, Mutter) / Letzte Aktualisierung: 29.01.2022

Mädchen ist frustriert
Wie können Kinder lernen mit Frust umzugehen? - Foto: © lordn - stock.adobe. com

In diesem Artikel erklärt eine Mutter wie Kinder lernen können mit Frust umzugehen.

Frustrationstoleranz bei Kindern steigern

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen! Der Spruch klingt lässig, doch dahinter steckt eine große Herausforderung. Niederlagen gut zu wegzustecken, fällt selbst vielen Erwachsenen schwer. Wie schwer muss es also erst für kleine Kinder sein, negative Gefühle auszuhalten? Die Antwort fällt dabei von Kind zu Kind, von Charakter, zu Charakter, unterschiedlich aus. Eines eint jedoch alle: Frust zu ertragen will gelernt sein und ist nichts, was Mutter Natur uns von Geburt an wie einen Instinkt direkt mit in die Wiege gelegt hat. Eltern können ihr Kind jedoch darin unterstützen, Emotionen zu regulieren und möglichst bis zum Eintritt ins Schulalter eine gewisse Frustrationstoleranz aufzubauen.

Mit altersgerechten Übungen erste Geduldsproben meistern

Doch wie kann das gelingen? Zunächst ist hier ist auf jeden Fall eine altersgerechte Herangehensweise gefragt. Ein Baby unter sechs Monaten braucht immer alles sofort. Hier sollte man noch keine Ambitionen hegen, dem Kind Geduld beizubringen. Wenn es weint, dann nicht, weil es aktiv beschließt, dass es das jetzt tun will, sondern weil es etwas braucht. Dann sollte man zügig hingehen und signalisieren, dass man für es da ist. Das stärkt das für die weitere Entwicklung sehr wichtige Urvertrauen. Überhastetes Rennen ist dabei jedoch auch nicht immer zwingend angemessen.

So etwas wie Geduld können Kinder erst mit Eintritt in die Autonomiephase langsam anfangen zu erlernen. Diese Phase setzt meist etwa in einem Alter rund um den ersten Geburtstag ein. Erst dann beginnen sie zu begreifen, dass Mama und Papa auch dann noch existieren, wenn sie sich gerade nicht innerhalb des eigenen Sichtfeldes befinden. Während für kleine Babys ein nicht sofort befriedigtes Bedürfnis eine existentielle Bedrohung darstellt, können ältere Babys bereits einen kurzen Moment des Wartens ertragen.
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Aus Fehlern wird man klug: Das Kind ab und zu bewusst scheitern lassen

Die für Säuglinge noch essenziell wichtige sofortige Verfügbarkeit der Eltern kann nun Schritt für Schritt ein kleines bisschen reduziert werden. Das bedeutet konkret: Eltern sollten nicht sofort beispringen, wenn ein Kind beispielsweise gerade erfolglos versucht, an etwas hochzuklettern. Scheitern und wieder Aufrappeln gehört auch für Kleinkinder zum Leben dazu. Der Stolz - und damit die Erkenntnis der Selbstwirksamkeit - ist umso größer, wenn das Kind ein Ziel irgendwann selbstständig erreicht. Gefahrensituationen sind hiervon selbstverständlich ausgenommen.

Es bietet sich auch an, das Kind in der ein oder anderen Spielsituation an einer kleinen Aufgabe bewusst scheitern zu lassen. Es ist kein Gewinn für das Selbstwertgefühl des Kindes, wenn die Eltern immer gleich die richtige Lösung vorgeben à la: "So macht man das!". Stattdessen kann das schlimmstenfalls eher zu einer Konzentrationsschwäche führen, denn das Kind lernt dabei, dass es im Zweifel immer sofort Unterstützung erhält. Das Sprichwort "Aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug" kann mitunter sehr zutreffend sein. Ein solides Selbstbewusstsein entwickelt sich auch dadurch, dass das Kind lernt, Aufgaben zu meistern, an denen es zuvor erst einmal gescheitert ist. Das gilt für das Stapeln von Bauklötzen über das Erklimmen eines Klettergerüstes bis hin zu den ersten Hausaufgaben in der Grundschule. Lesen Sie auch: So kann man das Selbstvertrauen bei Kindern stärken

Auf richtig dosiertes Lob kommt es an

Auch richtig dosiertes Lob spielt eine wichtige Rolle. Manche Eltern sind geneigt, ihr Kind permanent zu loben. Unter Experten herrscht jedoch dabei weitestgehend Konsens, dass dies kontraproduktiv ist. Zu viel Lob und Anerkennung kann Kinder eher schwächen als stärken. Also lieber gar nicht loben? Doch. Lob ist sogar sehr wichtig. Aber nicht hochdosiert und nur für das Richtige. Für Dinge, für die das Kind nichts kann, wie etwa Schönheit oder Intelligenz, braucht es kein Lob. Anders für Dinge, für die es sich anstrengen oder überwinden musste wie zum Beispiel Fleiß, Teilen oder eben - Geduld.
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Kaum eine Erziehungsmaßnahme wirkt sofort - auch Eltern müssen Geduld lernen

Es ist völlig normal, dass Kinder im Kleinkindalter ihre Eltern austesten wollen. Das tun sie unter anderem auch, indem sie beispielsweise ständig ein Gespräch ihrer Eltern unterbrechen, um ihnen etwas mitzuteilen, mit heftigen Wutausbrüchen reagieren, wenn sie etwas nicht sofort bekommen oder beim allerersten Versuch aufgeben, wenn etwas nicht gleich gelingt. Alle diese Verhaltensmuster sind klassische Anzeichen einer geringen Frustrationstoleranz. Wer sein Kind dabei unterstützen möchte, Geduld zu erlernen, ist dabei natürlich in Sachen Frust-Ertragen auf eine harte Probe gestellt. Geduld beizubringen erfordert, sich selbst auch in Geduld zu üben. Kaum eine Erziehungsmaßnahme wirkt sofort. Es lohnt sich dennoch, immer wieder zu versuchen, das Kind einen kurzen Moment, in dem man selbst noch mit etwas beschäftigt ist, zu vertrösten mit Sätzen wie: "Ich komme gleich zu dir, wenn ich das Gespräch beendet habe. Such Dir doch schon einmal ein Spiel aus" oder "Ich mache dies hier eben noch kurz zu Ende. Gehe doch schon einmal zur Spielecke und warte dort auf mich".
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Emotionen verstehen und kontrollieren lernen

Das diese Geduldsproben nicht immer gelingen werden, ist klar. Für kleine Kinder sind negative Emotionen ein großer Stress, den sie erst lernen müssen, zu bewältigen. Die Emotionen selbst lassen sich dabei kaum wegtrainieren. Sie sind etwas völlig Normales und gehören zum Menschsein dazu. Doch man kann lernen, mit Gefühlen wie Wut oder Enttäuschung umzugehen und sich durch sie nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Hier können Eltern an zwei Stellschrauben drehen. Erstens: selbst Vorbild in Sachen Stressbewältigung sein und so gut es geht auch in schwierigen Situationen möglichst ruhig und gelassen bleiben - egal wie sehr der kleine Wutzwerg tobt. Wenn Kinder lernen, dass Erwachsene durch entnervtes Gebrüll etwas erreichen wollen, dann lernen sie am negativen Vorbild. Zweitens ist es wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass man seine Emotionen versteht. Wenn der Wutanfall abgeklungen ist, macht es Sinn, in aller Ruhe noch einmal gemeinsam mit dem Kind über die Situation zu sprechen. Mit gezielten Fragen wie "Fühlst Du dich besser, wenn du das Spielbrett vom Tisch wirfst?" oder "Wie fändest Du es, wenn Du gewinnst und jemand rennt schreiend und Türe schlagend davon?" kann man versuchen, gemeinsam die Situation zu bewerten: Ein guter Verlierer kann sympathischer sein als ein ewig triumphierender Gewinner.

Das innere Stehaufmännchen zu trainieren, ist eine Herausforderung, an der Eltern mit ihrem Kind gemeinsam wachsen können - bis irgendwann beide Seiten über den Postkartenspruch lachen können: Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen!

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