Wenn Kinder beißen

Junge beisst seine Schwester
Was tun, wenn Kinder beißen? - Foto: © Cherry-Merry


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Beißende Kinder - Was tun?

Stellen Sie sich vor, Sie sind noch nicht ganz zwei Jahre alt und Ihre Lieblingspuppe oder Ihr schickes neues Lastauto wird plötzlich von einem anderen Kind auf dem Spielplatz entführt. Wie reagieren Sie? Ihnen fehlt die Sprache, um dem anderen Kind klar die Besitzverhältnisse aufzuzeigen oder höflich Ihr Spielzeug zurückzuverlangen. Frust und Wut stauen sich auf und machen sich Platz. Sie würden vielleicht auch beißen.

Eltern mit Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr kommen wahrscheinlich mindestens einmal in die Situation, dass ihr Nachwuchs mit Hilfe seiner Zähne Aggressionen abbaut oder sich anderweitig Luft verschafft. Ratlosigkeit und Scham sind dann die Reaktion, hat das Kind doch keinesfalls solch ein Verhalten von Ihnen vorgelebt bekommen. Doch dieses Verhalten ist bis zu einem gewissen Maß "normal". Ihr Kind muss erst lernen, seinen Gefühlen anderweitig Ausdruck zu verleihen. Sie begleiten es auf diesem Weg und leiten es an.

Ursachen für das Beißen

Mangelnde Ausdrucksmöglichkeiten:
Ihrem Kind fehlt bis zu einem gewissen Alter die Sprache, um seinen Bedürfnissen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Oft reagieren sie dann mit Aggressionen. Beißen, aber auch Hauen und Kratzen, sind in der typischen Trotzphase zwischen eineinhalb Jahren und drei Jahren kein seltenes Bild.

Verteidigung:
Wird das heiß geliebte Spielzeug einfach von einem anderen Kind "geklaut", beginnt Ihr Kind, es zu verteidigen. Die Zähne kommen dabei eben auch zum Einsatz.

Überreizung:
Kinder sind einer Flut von Reizen ausgesetzt. Geräusche, Bilder und Menschen um sie herum, fordern sie den ganzen Tag. Manchmal haben Kinder einfach nur Hunger oder Durst, es ist um sie herum zu eng oder voll, Frust staut sich auf. Sie beißen sich quasi daraufhin den Weg frei.

Try and Error:
Versuch macht klug. Kinder lernen durch Erfahrungen. Unter den gegebenen Umständen wollte Ihr Kind womöglich einfach etwas versuchen und herausfinden was passiert, wenn man seine Zähne in den Arm des Nachbarkindes vergräbt.

Abbau von Gefühlen:
Kinder im kritischen Beißalter von zwei bis drei Jahren wollen unabhängig sein. "Alleine machen" ist ein Spruch, den Eltern mehrfach täglich hören in dieser Zeit. Doch Motorik und kognitives Verständnis fehlen für viele Dinge, die das Kind selbst können möchte. Frustration und Aggressivität nehmen ihren Lauf, Gefühle machen sich in dem Kind breit, mit denen es erst lernen muss, umzugehen.

Veränderung:
Manchmal reagieren Kinder auf Veränderungen in ihrem Leben mit beißen. Ein Umzug in eine neue Umgebung, der Tod eines Verwandten oder die Geburt eines Geschwisterkindes und die damit verbundenen neuen Lebensumstände verarbeiten die Kinder nur schwer. Wieder stehen sie vor dem Problem, ihre Gefühle nur schwer äußern zu können.

Wie gehe ich mit beißenden Kindern um?

Die "Null - Toleranz - Politik":
In dieser schwierigen Phase der Entwicklung Ihres Kindes müssen Sie bei dem Thema ein absolutes Tabu aussprechen. Ein klares "Nein, es wird nicht gebissen" ist der Standardsatz. Es ist erforderlich, sofort in der Situation zu reagieren, nicht erst das Gespräch mit der befreundeten Mutter zu Ende führen, sondern direkt eingreifen.

Nicht auf Diskussionen einlassen:
"Der Junge hat aber...!" oder "Sie hat zuerst...!" wird Ihr Kind vorbringen. Eltern werden schnell in die Situation gebracht, Partei für ihr Kind zu ergreifen und sogar noch Mitleid zu empfinden. Auch hier braucht es trotzdem ein klares "Nein". Sprechen Sie mit dem Kind. Kurze klare Sätze mit einer Aussage kann es verstehen: "Beißen tut dem anderen Kind weh" oder "Wir beißen nicht!". Begeben Sie sich bei einem Gespräch immer auf Augenhöhe des Kindes.

Bleiben Sie ruhig:
Es ist keinem geholfen, wenn Sie vor Empörung die Fassung verlieren. Ihr Kind würde dies nicht verarbeiten können. Geben Sie bestimmt, aber nicht laut klare Anweisungen. Ihr Kind weiß es nicht besser, es muss erst durch Erfahrungen und Ihr Anleiten lernen.

Lösungen anbieten:
Ihr Kind weiß oft nicht, wie es aus der Situation herauskommen kann. Bieten Sie ihm eine Lösung an: "Wenn du wütend bist, dann stampfe mit dem Fuß fest auf oder boxe in ein Kissen". Wird Ihr Kind älter und langsam der Sprache mächtig, führen Sie es an eine gewaltfreie Lösung seiner Probleme heran. "Du kannst dem Kind sagen, dass du das Spielzeug bitte wiederhaben möchtest."

Aus der Situation herausnehmen:
Manchmal dauert es einfach, bis sich ein Kind beruhigt hat. Es hilft schon, es einige wenige Minuten aus der Situation herauszunehmen und es neben Ihnen auf der Parkbank nahe dem Spielplatz sitzen zu lassen. Wiederholt sich der Vorfall mehrfach, hilft nur Konsequenz. Das Kind muss den Spielplatz verlassen, wenn es nicht mit den anderen Kindern klar kommt. Oder: das Streitobjekt, zum Beispiel die Handpuppe, muss weg und wird von Ihnen "einkassiert".

Vorsicht vor negativer Aufmerksamkeit:
Getreu dem Motto, was einmal klappt, funktioniert auch wieder, versuchen Kinder mit Beißen die Aufmerksamkeit Ihrer Eltern zu erlangen. Wenn Sie merken, dass es in diese Richtung geht, geben Sie dem Kind abseits von Ihnen eine Auszeit, beispielsweise im Flur auf einer Fußbank oder in der Ecke des Zimmers auf dem Boden.

Loben:
Schimpfen Sie nicht nur mit Ihrem Kind bei dessen Fehlverhalten. Ein Lob für gutes Benehmen, wie Teilen, hilft mehr als zwei Mal schimpfen. Mehr zum Thema Kinder loben

Meistens ist mit der Entwicklung der Sprache auch die Phase des Beißens schnell vorbei. Sollte Ihr Kind in älteren Jahren noch dauerhaft Probleme mit dem Beißen haben, fragen Sie zum Beispiel die Kindergärtnerin oder auch den Kinderarzt um Rat.
Text: C. D. / Stand: 13.12.2018

Sollte man Kinder bestrafen?

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