Helikopter Eltern

Vater beaufsichtigt Tochter bei den Hausaufgaben
Was sind Helikopter Eltern? - Foto: © kerkezz

Erfahren Sie in diesem Artikel was Helikopter Eltern sind und welche Ursachen und Auswirkungen dieser Erziehungsstil auf Kinder hat.

Helikopter Eltern - Müssen Kinder vor dem Leben abgeschirmt werden?

Seit einigen Jahren macht in den audiovisuellen und den Printmedien ein Begriff die Runde, und zwar Helikopter Eltern. Hierbei handelt es sich um Eltern, die ihre Kinder zu stark behüten. Das heißt übertragen, dass sie wie ein Hubschrauber ständig über ihnen schweben, um die Gefahren des Lebens von ihnen abzuschirmen. Sind Helikopter-Eltern nun dadurch besonders gute Eltern oder greifen sie zu stark in die Selbständigkeit ihres Kindes ein? Wir klären in unserem Ratgeber, woher der Begriff Helikopter-Eltern stammt und welche Folgen die Überbehütung von Kindern haben kann.

Woher stammt der Begriff Helikopter Eltern?

Die Bezeichnung Helikopter Eltern, für Eltern, die das Maß zwischen Fürsorge und Überfürsorge nicht erkennen, ist nicht neu. Der Begriff wurde bereits im Jahr 1990 von den amerikanischen Psychiatern Jim Fray und Foster W. Cline geprägt, die ihn in ihrer Publikation "Parenting with Love and Logic - Teaching Children Responsibility" auf Deutsch "Erziehung mit Liebe und Logik - Kinder Verantwortung lehren" benutzten. Das Phänomen der Überbehütung war zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht neu und wurde als verwöhnender Erziehungsstil unter anderem von dem österreichischen Arzt Alfred Adler bereits 1904 beschrieben. Adler geht dabei von einem Erziehungsstil aus, dem eine überbeschützende Fürsorge in Situationen zugrunde liegt, in denen eigentlich die Selbständigkeit des Kindes und die Kooperation mit anderen Personen im Vordergrund stehen sollten. Beispiele hierfür sind Eltern, die ihre Kinder selbst im Teenager-Alter noch von eigenen Entscheidungen fernhalten und sich konsequent in deren Leben einmischen. So berichtete zum Beispiel "Der Tagesspiegel" im März 2012 davon, dass viele Eltern anstelle ihrer Kinder in den Studienberatungen der Hochschulen sitzen und über die Köpfe ihrer Kinder hinweg über deren zukünftigen Berufsweg entscheiden. Weitere Infos über Erziehungsstile

Helikopter Eltern - Die Ursachen

Die meisten Eltern möchten für ihre Kinder das Beste und schießen dabei leider manchmal über das Ziel hinaus. Niemand kommt als Helikopter Mutter oder Vater zu Welt, aber sicher spielen die eigenen Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend eine wesentliche Rolle bei der Erziehung der eigenen Kinder. Oftmals möchten Eltern, die als Kind stark vernachlässigt worden sind, ihre Kinder besser behüten und sehen dabei nicht, wie sie diese in ihrer Selbständigkeit stark einschränken. (Kindern Selbstständigkeit beibringen) Hinzu kommt aber auch, wie es der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch sieht, dass die meisten Eltern nur noch ein Kind haben, auf das sie ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche projizieren. (Lesen Sie auch: Typisch Einzelkind!) Häufig handelt es sich dabei um Eltern, die sehr engagiert wirken, sodass sich nach außen das Bild der perfekten Familie ergibt. Als weitere Ursache sind sicher auch gesellschaftliche Veränderungen zu sehen, denn in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Unsicherheit steigt der Druck auf Eltern, ihren Kindern eine sichere Zukunft zu bieten. Das führt dazu, dass manche Eltern meinen, jeden Schritt und Tritt ihres Kindes vorplanen und kontrollieren zu müssen.

Welche Auswirkungen haben Helikopter Eltern auf die Kinder?

Dass Eltern ihr Kind nicht vernachlässigen und negative Erlebnisse von ihm fernhalten, sollte bei der Erziehung normal sein. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Erziehung zur Selbständigkeit, die es dem Kind in späteren Jahren ermöglicht, ein frei bestimmtes Leben auch ohne die Eltern zu leben. In jedem Lebensalter sollte das Kind daher etwas mehr Verantwortung übernehmen und viele Tätigkeiten allein ausüben dürfen. Wer beispielsweise ein Schulkind auch in der dritten Klasse noch zur Schule und schlimmstenfalls bis in den Klassenraum begleitet, raubt ihm ein wichtiges Erlebnis, nämlich das gemeinsame Laufen und den Austausch außerhalb der Schule mit Mitschülern. Psychologen und Ärzte, wie Alfred Adler, sehen zum Beispiel ein geringes Selbstvertrauen und eine unterentwickelte Leistungsbereitschaft als Folge der Überbehütung. Außerdem können solche Kinder ständig einen sehr hohen Anspruch an ihre Umgebung stellen, was sich zum Beispiel durch ständiges Quengeln und Unzufriedenheit bemerkbar macht. Manche Therapeuten, wie die Amerikanerin Wendy Mogel, sehen das Überbehüten sogar ursächlich für massive Probleme in der Schule, Essstörungen, ADHS und Bettnässen. Verantwortliche Eltern sollten daher die Selbständigkeit ihres Kindes in den Vordergrund stellen. Dazu gehört auch, dass diese nicht ständig beobachtet werden, sondern Entscheidungen entsprechend ihres Lebensalters auch selbst treffen dürfen. Wer es frühzeitig lernt, selbständig zu denken und zu handeln, wird sich auch später im Leben behaupten.
Text: H. J. / Stand: 19.04.2018

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