Wenn Eltern streiten

Eltern streiten sich
Wenn Eltern streiten sollten sie auch an die Kinder denken
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Kindgerechte Streitkultur

"Schadet es unserem Kind, wenn wir in seiner Gegenwart miteinander streiten" - das ist wohl eine der größten Unsicherheiten von Eltern.

Wichtig ist zunächst der Grund des Streits. Dass ein Indikator in guten Beziehungen unter anderem die gemeinsame Überwindung von Problemen ist, gilt als Binsenweisheit. Und Probleme gibt es überall. Vor allem wenn sich Paare im Streit trennen.

Was ist kindgerecht?

Eine gute Orientierung könnte zunächst sein: Was sind kindgerechte Themen? Antwort: Zum Beispiel der Einkauf. Man einigt sich zum Beispiel darauf, was wer am Wochenende essen oder trinken möchte. Klar, dass da Meinungen aufeinanderprallen. Das ist eine Auseinandersetzung, an der das Kind teilnehmen, sich beteiligen kann. Dabei gibt es neben der individuellen Lautstärke des jeweiligen Haushalts nur die Regeln, dass eine normale Spreche herrscht ohne Beschimpfungen und dergleichen. Sehr wichtig: Es ist dabei egal, welche Position das Kind bezieht. Auf die lustige Art eingeschnappt zu tun, ist nicht nur für das "unterlegene" Elternteil eine Möglichkeit, den Familienfrieden beizubehalten, das Sich-Selbst-Nicht-So-Ernst-Nehmen mal wieder üben... - das Wichtigste dabei ist, dem Kind das Gefühl vermitteln, dass es trotzdem geliebt wird. Klingt banal, ist jedoch im schnöden Alltag gar nicht so einfach. In Sachen "kindgerechte Streitkultur" sollten simple Regeln abgesprochen werden: Je nach persönlichem Reifegrad des Kindes ist das "Einstiegsalter" von zwei oder drei Jahren zu empfehlen.

Beziehungsprobleme und Kindergarten-Vergleiche

Weiterhin sollten Beziehungsprobleme zwischen den Eltern, aber auch die im Verwandten- oder Freundeskreis nicht vor oder mit dem Kind besprochen werden. Falls es einige Missstimmungen z.B. bei einer Familienfeier zufällig mitbekommen haben sollte, ist es passender, man beschränkt sich auf allgemeine Aussagen wie: "Ja, Tante X und Onkel Y verstehen sich im Moment nicht so gut..." Ein Ablenken löst die Situation vollständig auf: "Das ist wie bei dir und deinem Freund Z im Kindergarten---" Und das gilt selbstverständlich in allererster Linie für die Eltern selbst, wenn gerade mal der Haussegen schief hängt. Bei größeren Konflikten - Beziehungsprobleme oder Existenzängste wegen finanzieller Schieflage - nutzen die Eltern die Möglichkeit zur Problemlösung, wenn das Kind woanders übernachtet. Nun befinden sich Kinder ja in einem permanenten Lernzustand. Auch das Funktionieren von Entscheidungsfindungen will gelernt sein. Dabei ist wichtig: Diskussionen gibt es nur jenseits der bestehenden Regeln. Alle müssen ihren Kram aufräumen, also auch das Kind. Hier schreit geradezu das Lieblingsplüschtier danach, zum Verbündeten der Eltern zu werden, nach dem Motto: "Teddy fühlt sich in deinem Zimmer auch nicht mehr wohl. Komm, wir räumen mal auf, das dauert nicht lange." Und jedes Ding kommt an einen festen Platz, so dass das Aufräumen sich im Ablauf automatisieren kann und wirklich schnell geht, je häufiger man es macht... Ebenso verhält es sich mit dem Einbinden in die allgemeine Hausarbeit. Der Schlüssel zu allem heißt in der Welt eines Kindes "Spaß".

Das A und O sind Phantasie und Einfühlungsvermögen

Kurz und gut: Grundlegend sollten Eltern sich im Klaren über die Werte sein, die sie ihrem Kind mitgeben wollen. Hier ist Phantasie und Einfühlungsvermögen gefragt. Der Job der Eltern ist es, dem Kind zu einem Erwachsenenleben zu verhelfen, dessen Herausforderungen es besteht. Es gibt kein Leben ohne Streit, es ist nur entscheidend, wie man damit umgeht. Dazu gehört auch, dass man Fehler macht und - sich selbst und anderen - verzeihen kann. Zu einem Hemmschuh werden Fehler jedoch erst dann, wenn man den Umgang mit ihnen nicht erlernt hat. Deshalb: Streit ist etwas Emotionales. Da geht trotz aller hehren Vorhaben im Eifer des Gefechts mal etwas schief, unter anderem im Umgang mit Kindern. Entscheidend ist nur, dass das Kind von seinen Eltern aufgefangen wird. Es wird nicht lernen, sich ehrlichen Herzens für eigene Fehltritte zu entschuldigen, wenn es das daheim nicht erlernt hat. Die Streitkultur von und mit Kindern ist eine Herausforderung an Eltern und Kinder, weil es schlichtweg der Job von Eltern ist, Werte und Regeln zu vermitteln. In der Natur der Sache liegt es, dass Kinder auf der gegenüberliegenden Seite stehen und ihren eigenen Job haben: ihre individuellen Grenzen zu finden und abzustecken. Beide Positionen sind gut und wichtig für alle Beteiligten. Streit ist also unvermeidbar, weil vorprogrammiert.
Text: kas / Stand: 13.12.2018

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