Sollte ich meinem Kind jeden Wunsch erfüllen?

Erfahren Sie in diesem Artikel warum man Kindern nicht jeden Wunsch erfüllen sollte und wie man den Kids das am besten beibringt.

"Dieses Mal nicht" - Wie Eltern Kinderwünsche liebevoll abschlagen können

Tochter fragt Mutter, ob sie ihr einen Wunsch erfüllt
Sollte ich meinem Kind jeden Wunsch erfüllen?
Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS

Vom "Quengelregal" an der Supermarktkasse bis in die Tiefen großer Spielzeuggeschäfte hinein wimmelt es nur so vor Angeboten, die Kinderaugen leuchten lassen. Eltern wissen jedoch, dass die Erfüllung aller Kinderwünsche nicht nur ins Geld gehen, sondern auch die eigene Erziehung belasten könnte. Dem eigenen Kind einen Wunsch abzuschlagen, ist also vollkommen normal und wichtig für die Entwicklung. Eltern sollten dennoch wissen, wie sie großen Streit vermeiden.

Erklärungen sind auch für Kinder wichtig

Schon eine kleine Süßigkeit kann ausreichen, um kindliche Begierde zu wecken. Was folgt, ist meist die Frage: "Kann ich das BITTE haben?" An diesem Punkt jedoch sind Eltern nicht immer der Meinung ihrer Jüngsten und müssen dafür sorgen, dass Spielzeug, Lutscher und Co. ihren Weg zurück ins Regal finden. Wer seinem Kind nicht erklärt, warum es seinen Wunsch gerade nicht erfüllt bekommt, erzeugt Unverständnis. Das wiederum kann zu langwierigen Diskussionen und unangenehmem Streit mitten im Geschäft führen.

Es ist daher vollkommen in Ordnung, wenn sich Mama oder Papa kurz Zeit nehmen, um auch das "Warum" hinter dem "Nein" zu erläutern. Oft genügt schon die Erklärung, dass im Süßigkeitenschrank zuhause noch so viele Bonbons liegen oder dass das gewünschte Spielzeug für einen spontanen Kauf schlicht zu teuer ist. Viele Eltern werden überrascht sein, wie viel Verständnis ihre Kinder dafür haben, wenn es für die Verweigerung eines Wunsches einen Grund gibt. Lesen Sie auch: Vorbild sein für Kinder

Vorsicht laut: Wünsche von Kindern in der Trotzphase

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, also bis zum Eintritt in den Kindergarten, erfahren Kinder ihre eigene Fähigkeit zur Kontrolle. Auch Sigmund Freud wusste das bereits, als er die sogenannte "anale Phase" beschrieb, in der Kinder nicht nur Sauberkeit lernen, sondern auch mit Festhalten und Loslassen experimentieren.

Kontrolle über die eigenen Eltern auszuüben, ist ein Punkt, den Kinder in diesem Alter gerne austesten. Wünsche im Geschäft können hier zum Problem werden. Stößt das Kind nämlich an die Grenzen seiner Autonomie, werden Mama und Papa schnell zu Gegnern, mit denen um Sieg oder Niederlage gerungen werden muss. Lautes Schreien, das typische "Auf-den-Boden-Werfen" oder auch bitterliches Weinen sind dann Taktiken, mit denen die Eltern doch noch umgestimmt werden sollen. Um den eigentlichen Wunsch geht es dabei oft schon gar nicht mehr.

In einer solchen Situation ist es nicht richtig, die einmal gelieferte Erklärung für das Abschlagen des Wunsches mehrmals zu wiederholen. Besser ist es, das Kind wütend sein zu lassen und gegebenenfalls auch kurz mit ihm aus dem Geschäft zu gehen. Auf diese Weise merken Söhne und Töchter, dass ihre Versuche erfolglos sind und werden nach einiger Zeit mit dem Kämpfen um Kinderwünsche aufhören. Das jedoch erfordert in jedem Fall Geduld und starke Nerven.
Lesen Sie mehr über die Trotzphase

Warum sich nicht jeder Wunsch erfüllen sollte

Manche Eltern neigen dazu, ihren Kindern jeden noch so kleinen Wunsch zu erfüllen. Das mag im ersten Moment komfortabel klingen und schützt vor Wutausbrüchen in der Öffentlichkeit. Für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit jedoch ist ständige Wunscherfüllung allerdings nicht förderlich. Im Rahmen der kindlichen Entwicklung spielen Grenzen eine entscheidende Rolle.

Auch ein "Nein" im Supermarkt stellt eine solche Grenze dar und bietet dem Kind im Rahmen seiner Möglichkeiten Sicherheit. So lernt das Kind durch Konsequenz, dass es sich auf seine Eltern verlassen kann. Das wiederum fördert das Selbstbewusstsein, die Selbständigkeit und kann sich positiv auf die Frustrationstoleranz und soziale Umgangsformen auswirken. Wer hierauf verzichtet, bringt das eigene Kind also um einige entscheidende Aspekte seiner Entwicklung und muss früher oder später mit Schwierigkeiten rechnen.

Es ist daher nur richtig, manchmal "Nein" zu sagen und dann auch dabei zu bleiben. Umgekehrt betrachtet fühlt sich das nächste "Ja" dann umso besser an und die Wunscherfüllung wird nicht zur Selbstverständlichkeit.
Text: A. W. / Stand: 29.11.2017

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