Unterschiedliche Erziehungsstile erklärt

Mutter und Kinder lesen ein Buch
Welche Erziehungsstile gibt es? - Symbolbild: © JenkoAtaman

Wie erziehe ich mein Kind? - Unterschiedliche Erziehungsstile und ihre Bedeutung

Eine glückliche Familie
Erziehungsstile gibt es viele - Mit dem richtigen werden auch
Sie so eine glückliche Familie - Foto: © JENS SCHMIDT

Das Wort Erziehung leitet sich von irziohan ab, das aus dem Althochdeutschen kommt und herausziehen bedeutet. In den Erziehungswissenschaften wird darunter eine gezielte Beeinflussung des Verhaltens jüngerer Menschen durch Ältere verstanden. In Deutschland wird Erziehung im Grundgesetz definiert und als natürliches Recht sowie als Pflicht der Eltern gegenüber ihren Kindern angesehen. Zwar schreibt der Gesetzgeber auch, dass darüber die staatliche Gemeinschaft wacht, aber der Staat nimmt nur dann Einfluss auf die individuelle Erziehung, wenn diese Kinder körperlich, geistig oder seelisch gefährdet sind. Für Eltern bedeutet dies, dass sie erst einmal generell frei in der Wahl ihres Erziehungsstils sind und keine Vorschriften beachten müssen. Erziehungsstile gibt es indessen verschiedene und viele Menschen fragen sich, welcher Stil der richtige ist. Pauschal wird sich diese Frage nicht beantworten lassen, da Menschen ebenso verschieden sind wie die Erziehungsstile. Zudem werden häufig Mischformen aus verschiedenen Stilen angewandt.

Das wird unter dem Begriff Erziehungsstil verstanden

Erziehung gibt es vermutlich, seitdem es Menschen gibt und auch bei Primaten haben Ethologen in Vergleichsstudien eine Steuerung des Verhaltens der Jungen durch die Alten beobachtet. Die Erziehung ist zudem nicht nur die Aufgabe innerhalb einer Familie, sondern erstreckt sich auch auf die gesamte Gesellschaft, insbesondere auf Einrichtungen der Kinderbetreuung und Bildung. Schon aus diesem Grund ist es verständlich, dass es einen reinen Erziehungsstil kaum geben kann, sondern Heranwachsende in der Regel mit verschiedenen Stilen konfrontiert werden.
Der Begriff Erziehungsstil darf nicht mit dem der Erziehungspraktik verwechselt werden. Während es sich bei letzterer um eine spezifische Erziehungsmaßnahme handelt, bezeichnet Erziehungsstil eine übergreifende Grundhaltung des Erziehenden. Der Erziehungswissenschaftler und Psychologe Erich Weber, der unter anderem an der Universität Augsburg lehrte, sieht Erziehungsstile als Gesamtkomplexe einzelner Erziehungspraktiken. Allgemeinhin beruhen Erziehungsstile allerdings auf Verhaltensweisen, Überzeugungen und Meinungen, die auf ein bestimmtes Erziehungsziel ausgerichtet sind. Erziehungsstile entstehen nicht aus dem Nichts, sondern es liegen ihnen insbesondere soziokulturelle Bedingungen wie die soziale Herkunft und die Schulbildung sowie persönlichkeitsspezifische Bedingungen zugrunde. Eine Rolle können zudem die gesamtgesellschaftliche Situation und die Persönlichkeitsstrukturen der einzelnen Familienmitglieder spielen. In der Psychologie und Pädagogik wird zudem unter den Kategorien Führungs- und Unterrichtsstil unterschieden, woraus bereits deutlich wird, dass die Wahl eines Erziehungsstils nicht allein den Eltern vorbehalten bleibt.

Diese Erziehungsstile sind am häufigsten anzutreffen

Die erste Beschäftigung mit unterschiedlichen Erziehungsstilen wird dem österreichischen Arzt und Psychotherapeuten Alfred Adler zugeschrieben, der sich hiermit in seinem "Lehrbuch der Kindererziehung" beschäftigte, das im Jahr 1930 erschien. Die Begründung der Erziehungsstilforschung geht hingegen auf Kurt Tsadek Lewin zurück, der als Jude im Jahr 1933 in die USA emigriert war und hier unter anderem an der Cornell University in Ithaca lehrte. Lewin führte zusammen mit anderen Wissenschaftlern Experimenten zu den Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile auf das Verhalten von Jugendlichen durch und unterschied hierbei zwischen drei Erziehungsstilen:

  • autoritär
  • demokratisch
  • Laissez-faire

Weitere Klassifizierungen von Erziehungsstilen wurden später durch Eduard Spranger, Diana Baumrind und Christian Caselmann vorgenommen. Heute werden in der Regel folgende Erziehungsstile unterschieden:

  • der autoritäre Erziehungsstil
  • der Laissez-faire Erziehungsstil
  • der demokratische Erziehungsstil
  • der autokratische Erziehungsstil
Der autoritäre Erziehungsstil

Mit diesem Erziehungsstil ist eine bedingungslose Unterwerfung des Kindes verbunden, die keinen Widerspruch duldet und die Befolgung von Befehlen voraussetzt. Der Erziehende lässt dem Kind damit wenig Möglichkeit für freie Entfaltung und verlangt in der Regel unbedingten Gehorsam, ohne Verbote oder Anweisungen zu erklären oder zu begründen.
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Der Laissez-faire Erziehungsstil

Bei diesem Erziehungsstil, auch vernachlässigend genannt, gibt es keinerlei Vorgaben und Regeln, sondern das Kind wird in seiner Entwicklung weitestgehend sich selbst überlassen. Im Mittelpunkt dieses Stils soll eigentlich die freie Entfaltung der Persönlichkeit stehen. In der Regel lernen Kinder dabei aber nicht, sich an gesellschaftliche Normen anzupassen und ihre eigenen Bedürfnisse auch einmal zurückzustellen.
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Der demokratische Erziehungsstil

Auch als kooperativer oder sozial-integrativer Erziehungsstil bekannt, zeichnet sich der demokratische Erziehungsstil durch einen partnerschaftlichen Umgang des Erziehenden mit dem Kind aus. Das Verhalten des Kindes wird durch Vorschläge gesteuert. Das Kind lernt auf diese Weise selbst Entscheidungen zu treffen und trainiert sein Verhalten für andere Situationen. Gibt es Verbote, werden die Gründe hierfür erläutert und begründet.
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Der autokratische Erziehungsstil

Dieser Erziehungsstil beruht auf der Autorität des Erziehenden gegenüber seines Zöglings, hebt sich aber vom autoritären Erziehungsstil dadurch ab, dass Anweisungen oder Verbote erklärt und begründet werden. Das Kind wird durch die Autoritätsperson in seinen Entscheidungen gelenkt, diese behält aber die Kontrolle.
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Die Grundsatzfrage: Welcher Erziehungsstil ist am besten für meine Familie geeignet?

In der Realität wird es heute kaum eine Familie geben, in der einer dieser Erziehungsstile konsequent verfolgt wird. Tatsächlich gibt es hier eher Mischformen oder gemäßigte Auslegungen. Die meisten Eltern heutzutage wünschen sich, dass ihr Kind sich frei entfalten und sich eine eigene Meinung bilden kann. Ein rein autoritärer Erziehungsstil dürfte daher von vornherein ausgeschlossen sein. Eltern, die sich für diesen dennoch entscheiden, sollten wissen, dass in Studien in Israel und Deutschland ein Zusammenhang zwischen der autoritären Erziehung und der Selbstmordrate sowie Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen erkannt wurde. Auch Kinder, die Laissez-faire erzogen wurden, zeigten später auffälliges Verhalten bis hin zu Suizidversuchen. Erfuhren Kinder hingegen einen liberal-demokratischen Erziehungsstil, entwickelten sie zumeist eine große Selbständigkeit verbunden mit Selbstbewusstsein und eigenständiger Meinungsbildung.
Text: H. J. (Pädagogin) / Stand: 12.10.2019

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