Verwöhntes Kind?

Warum man seinem Kind mit Verwöhnen nichts Gutes tut

Elternliebe (und nicht nur die) treibt manchmal schon komische Blüten. Da wird dem Kind jeder Wunsch von den Augen abgelesen, jede Aufgabe und Pflicht abgenommen und beim kleinsten Streit zur Hilfe geeilt - alles, weil man den Sprössling so liebt und ihm das Leben leichter machen möchte.

Nur genau das hat dann irgendwann zur Folge, dass da ein völlig lebens- und konfliktunfähiges Etwas sitzt und auf Beistand von außen hofft. Es ist gar nicht so leicht, die richtige Dosis beim Gift "Verwöhnen" zu finden, aber wer sein Kind zu einer starken, selbständigen Persönlichkeit erziehen will, hat keine Wahl.
Wenn Großeltern ihre Enkel verwöhnen

Ich mach das schon für dich...

Natürlich gibt es in jedem Alter Dinge, die Kinder einfach nicht allein bewältigen können. Welcher Zweijährige schafft es schon, Schnürsenkel zu binden? Genau so droht aber mit zunehmendem Alter die Gefahr, dem Nachwuchs Aufgaben abzunehmen, die er ganz hervorragend allein bewältigen kann (und meistens sogar will). Es geht sicher schneller, wenn Mama den Reißverschluss einfädelt, aber Vorschulkinder können das! Je öfter die Eltern aus Zeitnot oder Bequemlichkeit Dinge für ihre Kinder erledigen, die in deren Initiative gehören, desto mehr wird die kindliche Selbständigkeit beschnitten. Das Interesse am Selbstbewältigen und dem anschließenden Stolzgefühl geht damit irgendwann völlig verloren: Die Kinder lernen, sich bedienen zu lassen.

Du warst so brav, wünsch Dir was!

Alle Eltern sind stolz, wenn ihr Nachwuchs im Heranwachsen Situationen besser meistert als erwartet oder sich besonders gut entwickelt. Es stellt für kleine Kinder tatsächlich auch eine große Leistung dar, 20 Minuten an der Kaffeetafel auszuharren ohne zu stören. Und ein Kinderzimmer ist wirklich oft zu groß, um es ganz allein aufzuräumen - toll, wenn es trotzdem geht! Das vor Freude und Begeisterung überquellende Elternherz will die Leistung anerkennen, am besten materiell. Dabei sind Kinder durchaus in der Lage, auch eine liebevolle Umarmung oder deutlich formuliertes Lob als Anerkennung und Belohnung wahrzunehmen. Nichts spricht gegen ein Trostbonbon, wenn die schmerzhafte Impfung endlich vorbei ist. Und auch hart erkämpfte gute Schulnoten verdienen es, honoriert zu werden - vielleicht in Form von Kinokarten. Wer aber denkt, dass er dem Junior durch ein ausgeklügeltes Belohnungssystem beizeiten marktwirtschaftliche Leistungsprinzipien vermittelt und ihn so gut aufs Leben vorbereitet, der irrt gewaltig.

Na, soll ich Dir helfen?

So ein Kinderdasein ist wirklich nicht einfach. Ständig entstehen Wünsche, die man sich selbst einfach (noch) nicht erfüllen kann. Dauernd steht man vor Herausforderungen, muss sich vielleicht einmal was trauen, sich überwinden, sich strecken. Wie gut, dass bei einem hilflosen Augenaufschlag sofort jemand kommt und die "Kastanien aus dem Feuer holt"! Auch wenn es schwer fällt: Eltern, traut Euren Kindern was zu! Lasst sie lernen, dass manches nicht beim ersten Mal, wohl aber beim dritten Versuch klappt! Sonst werden die lieben Kleinen zu abhängigen Nichtskönnern, die sich dafür mit einer ausgeprägten Anspruchshaltung durch Leben lavieren - und wer will das schon?

Das Kind verwöhnen ist nicht gut

Wer viel und oft verwöhnt, sucht dabei vielleicht nur seinen eigenen Vorteil: konfliktfreie Situationen, (zumindest vorübergehend) befriedigte Kinder, Ruhe und Harmonie. Doch der schöne Schein trügt, und der Weg aus der Verwöhnfalle ist für alle hart. Echte, liebevolle Zuwendung, Aufmerksamkeit und persönliche Anerkennung führen langfristig viel eher zu einem ausgeglichenen Familienleben.
Text: C. E. / Stand: 15.11.2018

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