Die Geburt

Schwangere kurz vor der Geburt
Die Geburt steht kurz bevor - Foto: © Robert Wolkaniec

Spätestens nach dem letzten regulären Arztbesuch sieht sich jede werdende Mutter mit der unausweichlichen Geburt in all ihrer Endgültigkeit konfrontiert. Zwar oft sehnlichst heran gewünscht, löst die Vorstellung der kommenden Entbindung durchaus gemischte Gefühle aus. Die Angst vor Schmerz, Komplikationen und dem neuen Leben mit Kind ist ganz normal und teilweise auch berechtigt.
Gerade Erstgebärende gehen mit viel Enthusiasmus, aber auch viel Unsicherheit auf die Geburt zu. Mehrfachmütter empfinden beim Gedanken an Kreißsaal & Co. eher eine gehörige Portion Respekt, aber ebenso eine gewisse souveräne Zuversicht. Auch wenn der Geburtsvorgang faktisch immer der gleiche ist, verläuft doch keine Entbindung wie die andere. Begleiten wir die neuen Erdenbürger auf ihrem Weg ins Leben.

Was passiert während der Entbindung?

Die ersten Anzeichen, dass die Geburt bevorsteht sind meist die Wehen, die oft erstmal wie Rückenschmerzen beginnen oder der Blasensprung, der anzeigt nun gehts los! In der Klinik angekommen werden die Ärzte und Schwestern erstmal eine Untersuchung vornehmen, um zu sehen wie weit das Ganze schon fortgeschritten ist. Und dann kommt es drauf an - wird es eine Spontangeburt oder doch ein Kaiserschnitt?

Die spontane Geburt - jetzt geht's los

Ein neugeborenes Baby
Was passiert bei der Entbindung?
Foto: © cs-photo

Aus medizinischer Sicht wird die natürliche, spontane Geburt als optimal für Mutter und Kind eingestuft. Sie bringt Vorgänge mit sich, die für die weitere gesundheitliche Entwicklung beider bedeutsam ist. Mittlerweile haben Frauen die Chance, selbst aktiv das Geschehen zu bestimmen. Viele empfinden es erleichternd, dabei zu laufen, zu stehen oder zu knien, da ihnen so die Schwerkraft zur Hilfe kommt. Auch Wannengeburten sind sehr beliebt, aber an Voraussetzungen wie Kindsgewicht und perfekte Herztöne gebunden. Oft deutet sich der Beginn des Geburtsprozesses mit dem Platzen der Fruchtblase an. Das Austreten des Fruchtwassers ist ein sicheres Indiz dafür, dass das Kind in den nächsten Stunden kommen wird. Die Fahrt in die Klinik duldet hier keinen Aufschub, da das Baby nunmehr "auf dem Trockenen sitzt", was dem Eindringen unerwünschter Keime Vorschub leistet. Auch regelmäßige, stärker werdende Wehen im 5-Minuten-Takt sind ein untrügliches Zeichen für die bevorstehende Geburt. Im Kranken- oder Geburtshaus wird das Voranschreiten des Geburtsvorganges kontrolliert und gegebenenfalls beeinflusst. Auch schmerzlindernde Methoden werden auf Wunsch der Mutter angewandt. Zwingende Voraussetzung für die Geburt ist ein voll eröffneter Muttermund, der erst bei einem Durchmesser von 10 cm genug Durchlass für Babys Köpfchen gewährt. Hebammen kalkulieren eine Erweiterung um 1 cm pro Stunde, aber gerade bei "Premieren" kann es leicht etwas länger dauern. (Innige Küsse mit dem Kindsvater wirken sich angeblich positiv auf diesen Vorgang aus.) Ist der Muttermund bereit, beginnt die Austreibungsphase. Ein unschönes Wort für ein Stück wirklich harter Arbeit für alle Beteiligten. Per Presswehen wird das Kind förmlich in die richtige Richtung massiert und gedrängt, ein enormer Kraftakt für Mutter und Kind. Sobald der Kopf des Kindes den mütterlichen Körper verlassen hat, ist das Anstrengendste überstanden. Schon bald darauf kann die Mutter ihr Kind halten und sehen - zum allerersten Mal! Es ist kein Wunder, dass viele Frauen und Männer dies als den bewegendsten Moment ihres Lebens bezeichnen. Die Natur zeigt sich gnädig und deckt bald den Schleier des Vergessens über alle schmerzhaften, unschönen Momente. Das neue gemeinsame Leben hat begonnen.

Der etwas andere Weg

Nicht immer lassen die körperlichen Voraussetzungen der Mutter eine spontane Geburt zu, manchmal sind das Leben von Frau und Kind in Gefahr. Zudem fürchten nicht wenige Frauen die Spontangeburt so sehr, dass sie sich von Anfang an dagegen entscheiden. (Viele Krankenhäuser stehen letzterem durchaus offen gegenüber, da Panikattacken während der Entbindung eine tatsächliche Gefahr darstellen.) In diesen Fällen bietet die Medizin die Option des Kaiserschnittes an. Abgesehen von akuten Notsituationen wird der Eingriff rund zwei Wochen vor dem errechneten Termin vorgenommen. Mittels Rückenmarksanästhesie kann die Mutter die ganze Zeit bei Bewusstsein bleiben und so ihr Kind gleich willkommen heißen. Im Bereich der Bikinizone wird ein kleiner Schnitt gesetzt, der neuerdings von den Ärzten per Hand erweitert wird. So reißt das Gewebe an den Sollbruchstellen, was die spätere Wundheilung und Narbenrückbildung erheblich verbessert. Nach nur wenigen Minuten ist das Kind auf der Welt und wird von nun an das Leben seiner Eltern gehörig auf den Kopf stellen. Manchmal ist ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose erforderlich, besonders dann, wenn noch weitere chirurgische Eingriffe an der Mutter vorgenommen werden. Die Narkose wird dann erst ganz kurz vor dem eigentlichen Schnitt verabreicht, um das Kind nicht zu gefährden. Die überaus wichtige Bondingphase - den sofortigen innigen Kontakt zwischen Kind und Mutter - übernimmt in diesen Fällen der Vater. Früher stark unterschätzt, ist der direkte Körperkontakt gleich im Anschluss an die Geburt ein wichtiger Grundstein für das Ausbilden einer starken Bindung zwischen Eltern und Kind.

Nach der Entbindung ist alles anders

Die Strapazen der Geburt sind überstanden, doch wer glaubt, nun zur Tagesordnung zurückkehren zu können, irrt gewaltig. Sowohl Eltern als auch Kind müssen sich erholen, und zwar körperlich und seelisch. Die ersten Wochen nach der Entbindung sollten daher geprägt sein von Ruhe, Geduld und einer großzügigen Nachlässigkeit dem Alltag gegenüber. Obersten Vorrang hat die Versorgung des Babys mit Nahrung, Schlaf und Zuwendung, und dies gilt auch für die Eltern. Besonders die Mutter sollte sich schonen und mit ihren Kräften haushalten. Die Schlafzeiten des Babys sind keinesfalls dazu da, die Wohnung auf Vordermann zu bringen, sondern selbst zur Ruhe zu kommen. Was bedeuten schon ein krümeliger Küchenfußboden, ungeputzte Fenster und Berge von Bügelwäsche, wenn das Geburtserlebnis zu verarbeiten ist und da ein kleiner, unbekannter Mensch kennengelernt werden will?! Es ist keinesfalls verwerflich, drohende Besuche von Verwandten und Freunden höflich, aber bestimmt zu verschieben, wenn einem nicht danach ist. Junge Eltern sollten nachsichtig mit sich umgehen und sich Zeit nehmen, aufeinander einzugehen. Das neue Leben mit Kind will erlernt und geübt sein, alte Prioritäten haben sich ab jetzt für lange Zeit verschoben.
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Text: C. E. / Stand: 10.08.2017

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]