Hilfe, ich bin sitzen geblieben!

Mädchen ist traurig, weil sie sitzen geblieben ist
Sitzen geblieben - nur nicht gleich verzweifeln
Foto: © gabbo


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Was tun, wenn das Kind das Schuljahr wiederholen muss?

Immer wenn die Sommerferien bevorstehen, gibt es Zeugnisse. Für manche Kinder bedeutet dies, dass sie die Versetzung nicht schaffen und ein Schuljahr wiederholen müssen.

Auch wenn die Nachricht, dass Ihr Kind sitzen geblieben ist und die Klasse wiederholen muss, wie ein Schock wirken mag, lassen Sie Ihr Kind nicht im Stich! Das Wichtigste in einer derartigen Situation ist Unterstützung. Selbstverständlich sollten Sie Ihrem Kind klarmachen, dass Sie nicht erfreut über die Situation sind, aber helfen Sie ihm, motiviert ins neue Schuljahr zu gehen. Nur so kann es besser laufen und ein erfolgreicher Schulabschluss angestrebt werden.
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Gründe für das Sitzen bleiben suchen

Am Besten setzen Sie sich während der Sommerferien zusammen und versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Gründe für das Sitzenbleiben herauszufinden. Gibt es bestimmte Fächer, in denen die Leistung besonders schlecht war, oder liegt es allgemein an schlechten Noten? Liegen die Probleme an mangelnder Motivation und zu wenig Einsatz bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten oder gibt es Ärger mit einem Lehrer oder den Mitschülern? Auch außerschulische Probleme, wie zum Beispiel eine Trennung der Eltern, ein Todesfall in der Verwandtschaft oder ein Umzug in eine neue Stadt, können schlechte schulische Leistungen hervorrufen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über diese Dinge und versuchen Sie, ihm Hilfe anzubieten. Fühlen Sie sich von der Situation überfordert oder kommen nicht an Ihren Sohn oder Ihre Tochter heran, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. An fast jeder Schule gibt es einen Vertrauenslehrer, der spezielle Fortbildungen besucht hat und dementsprechend gut mit solchen Situationen umgehen kann. Es gibt darüber hinaus Schulpsychologen oder andere Psychotherapeuten in Ihrer Nähe, die eine kompetente Anlaufstelle sind. Ganz wichtig ist, dass Sie auf keinen Fall über den Kopf Ihres Kindes hinweg entscheiden. Nur wenn Sie gemeinsam einen Lösungsweg suchen, kann dieser auch erfolgreich umgesetzt werden. Es liegt schließlich zu einem großen Teil am Leistungswillen des Kindes, ob das nächste Schuljahr erfolgreicher gestaltet werden kann als das vorangegangene. Sie sollten allerdings nicht darauf verzichten, Ihrem Kind die Bedeutung der Schulbildung bzw. des Abschlusses deutlich zu machen. Dabei kann es helfen, ihm Perspektiven aufzuzeigen, den Berufswunsch zu ergründen und dementsprechend den besten Weg für die schulische Laufbahn festzulegen.

Vonseiten der Schule wird in der Regel ein Gespräch mit den Erziehungsberechtigten angestrebt, sollte die Versetzung in Gefahr sein. In den meisten Fällen zeichnet sich bereits zum Schulhalbjahr ab, ob es Probleme mit der Versetzung geben könnte oder nicht. Wenn der Klassenlehrer zu einem Gespräch bittet, sollte dieser Termin unbedingt wahrgenommen werden, denn häufig hat der Lehrer einen ganz anderen Blick auf seine Schüler und erkennt Probleme, wo Eltern sie nicht sehen. Außerdem kann es helfen, wenn Sie sich mit dem Lehrer über Ihre Sichtweise der Dinge austauschen. Oft kann so eine gemeinsame Strategie entwickelt werden, wie Ihrem Kind am besten geholfen werden kann, die Versetzung doch noch zu schaffen. Stehen die Noten fest und an der Tatsache, dass Ihr Kind das Schuljahr wiederholen muss, ist nichts mehr zu ändern, sollte dennoch das Gespräch mit der Schule gesucht werden. Vor allem an weiterführenden Schulen wird vonseiten der Schule auf ein solches Gespräch gedrängt, schließlich besteht hier auch die Möglichkeit, die Schulform zu wechseln, anstatt das Schuljahr zu wiederholen. Im gemeinsamen Gespräch, am besten bei Anwesenheit des Kindes, kann geklärt werden, welche Variante die beste ist.

Vorbereitung auf das neue Schuljahr

Wenn Ihr Kind wegen des Sitzenbleibens so entmutigt ist, dass es im Lernen überhaupt keinen Sinn mehr sieht, sollten Sie nach Alternativen suchen. Dies muss nicht heißen, dass die Schullaufbahn definitiv beendet ist. Oft kann ein Praktikum dabei helfen wieder klarer zu sehen und neue Kraft und Motivation für den Schulalltag zu schöpfen. 14 Tage Arbeit in einem Betrieb können einem Teenager schnell klar machen, wie angenehm das Leben als Schüler doch eigentlich ist. Gleichzeitig können Sie aber auch Ansporn sein, einen entsprechenden Schulabschluss anzustreben, schließlich setzen einige Berufe bestimmte Abschlüsse voraus. Wenden Sie sich an den Klassenlehrer oder den Vertrauenslehrer, vereinbaren Sie einen Termin beim Arbeitsamt und bleiben Sie vor allem hartnäckig, sollte die Schule nicht gleich in diesen Vorschlag einwilligen.

Es kann aber auch sein, dass Ihr Kind durch das Sitzenbleiben einen Motivationsschub erhält. Häufig erweist sich das Wiederholen einer Klassenstufe als vorteilhaft. Kinder, die in der Schule vorher lustlos und wenig engagiert waren, entwickeln sich sehr positiv und bringen fortan gute Noten nach Hause. Diese Entwicklung kann verschiedene Gründe haben. Zum einen kann es daran liegen, dass das Kind im Jahr zuvor schlichtweg überfordert war und nun genau das richtige Anforderungsniveau vorfindet. Es kann aber auch sein, dass es sich selbst nun in der Rolle sieht, Leistung erbringen zu müssen, um vor den jüngeren Klassenkameraden nicht als dumm oder faul dazustehen. Diese Entwicklung kann von den Eltern gezielt unterstützt werden, indem das Kind für gute Leistungen gelobt wird und
Unterstützung bei Hausaufgaben oder beim Lernen vor Klassenarbeiten angeboten wird.

Bringt Ihr Kind am letzten Schultag vor den Sommerferien ein Zeugnis nach Hause, das eine Versetzung unmöglich macht, versuchen Sie ruhig und sachlich zu bleiben. Es lässt sich sicherlich eine Lösung finden. Sollten Ihnen die Noten als vollkommen ungerechtfertigt erscheinen, können Sie sich diese auch von dem jeweiligen Lehrer erläutern lassen. Gibt es auch nach diesem Gespräch keine Klärung, besteht die Möglichkeit, Kontakt zu einem Anwalt für Schulrecht aufzunehmen. Auch auf diese Weise kann in einigen Fällen die Versetzung erreicht werden. Diese Variante sollten Sie allerdings nur in Betracht ziehen, wenn Sie wirklich den Eindruck haben, dass die Benotung in einem Fach ungerecht war und zum Sitzenbleiben geführt hat.
Text: D.S. / Stand: 18.05.2019

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