Prüfungsangst bei Kindern und Studenten

Eine Schülerin lernt für einen Schultest
Was kann man gegen Prüfungsangst tun?
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Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Angst vor Prüfungen

Zum Ende des Studiums und kurz vor wichtigen Klassenarbeiten stehen viele Schüler und Studenten auf einmal vor einem bisher unbekannten Problem - der Prüfungsangst.

Bisher haben sie wie alle ihre Mitschüler und Kommilitonen auch, gelernt, Tests bestanden und Prüfungen abgelegt, aber dann, wenn es um wichtige Prüfungen geht, zum Beispiel das Abitur oder das Examen stehen sie plötzlich unter enormer Anspannung oder leiden gar unter Panik. Da Prüfungsangst die Leistungsfähigkeit enorm schmälern kann, zum Teil sogar zu einer vollständigen Verweigerungshaltung führen kann, ist es notwendig und sinnvoll, Strategien zum Abbau der Angst zu kennen. (Mehr zum Thema Ängste bei Kindern)

Prüfungsangst erkennen

Zunächst einmal ist es von großer Bedeutung selbst zu erkennen, dass eine Prüfungsangst vorliegen könnte. Ein wenig Nervosität und zwei Nächte unruhiger Schlaf vor einer wichtigen Prüfung sind noch keine Prüfungsangst. Doch wenn das Unwohlsein über einen längeren Zeitraum anhält, Prüfungstermine gar verschoben werden, ist es an der Zeit, der Ursache auf den Grund zu gehen und sich mit dem eigentlichen Problem - der Angst vor der Prüfung auseinanderzusetzen. Nicht immer ist es dabei die Angst vor der Prüfungssituation selbst, die den Betroffenen lähmt, sondern die Angst vor der Vorbereitung oder die Angst, den Anforderungen oder Erwartungen nicht gewachsen zu sein. Ein wichtiger Punkt ist auch die Angst vor dem persönlichen Versagen. Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie sich eine Prüfungsangst äußern kann, denn in vielen Fällen ist dem Betroffenen selbst gar nicht bewusst, dass er an Prüfungsangst leidet, was auch darauf zurückzuführen ist, dass sie sich auf sehr unterschiedliche Weise äußern kann. Im Wesentlichen äußert sich die Prüfungsangst in einem von vier Bereichen kann aber auch Auswirkungen in mehreren Bereichen haben.

Symptome der Prüfungsangst

  • Das seelische Befinden kann beeinflusst werden, sodass sich der Betroffenen unsicher und ängstlich fühlt, unter Stimmungsschwankungen leidet, leicht reizbar ist und eine generelle Unlust verspürt.
  • Das körperliche Befinden kann sich verändern und es können Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Herzrasen, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Heißhunger auftreten.
  • Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit kann eingeschränkt sein. Die Symptome reichen von Konzentrationsstörungen über Denkblockaden bis hin zu Selbstzweifeln.
  • Das Verhalten kann sich verändern. Betroffene Personen reagieren anders als gewöhnlich. Dies kann sich zum Beispiel an einem übermäßigen Alkoholkonsum äußern, auch an der Einnahme von Drogen oder Beruhigungstabletten, Essanfälle oder drastische Gewichtsabnahme sind ebenso bekannt wie die Flucht in überflüssige Routinetätigkeiten (Wohnungsputz, Aufräumen etc.)

Die Gründe, warum so reagiert wird, sind vielfältig. Häufig sind sie auf Erfahrungen in der Kindheit oder Jugend zurückzuführen. In vielen Fällen kommt der Rolle der Eltern große Bedeutung zu; wie ist oder war ihre Erwartungshaltung gegenüber dem Kind und wie sind sie mit guten oder schlechten Leistungen umgegangen. Aber auch gesellschaftliche Normen und soziale Faktoren können die Situation beeinflussen. Unsere Gesellschaft ist stark leistungs- und erfolgsbetont. Das Selbstwertgefühl eines Einzelnen hängt häufig vom persönlichen Erfolg ab. Auch Studenten, die ihr Studium selbst finanzieren und keine finanzielle Absicherung für die Zeit danach haben, stehen häufig unter großem Druck. Das Gefühl, gezwungen zu sein, hervorragende Noten zu erzielen, um überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, kann lähmend wirken.

Wie können Kinder und Stundenten Prüfungsangst überwinden?

Es ist daher von großer Bedeutung, sich nicht in Ängsten und Zweifeln zu verlieren, sondern die Situation möglichst realistisch einzuschätzen. Wege aus der Prüfungsangst führen daher in der Regel immer über die Erkenntnis, dass eine Angst besteht. Nicht immer entsprechen Gedanken und Gefühle den Tatsachen. Hier kann angesetzt werden. Die negative Interpretationsweise lässt die Zukunft übertrieben schlecht aussehen, daher ist es besonders wichtig, eigene Gedankengänge ganz bewusst wahrzunehmen und zu überprüfen, ob sie wirklich der Realität entsprechen.

Hilfreich kann auch ein Gespräch mit den Eltern sein. Sind die Erwartungen wirklich so groß, dass sie nicht erfüllt werden können? Auch der Gang zur Studienberatung oder zum Arbeitsamt kann helfen, Alternativen für die Zeit nach dem Abitur oder Examen aufzuzeigen - nicht nur Kandidaten mit einem exzellenten Abschluss haben Chancen eine attraktive Stelle zu finden. Bei der Überwindung der Prüfungsangst kann es auch hilfreich sein, sich bewusst mit der Prüfungssituation auseinanderzusetzen. Wie sehen Sie sich selbst? Hilflos verzweifelt vor einem leeren Blatt Papier? Besser ist es, sich die Situation zu vergegenwärtigen und die Angst bewusst zu verscheuchen - Gedanken wie "Ich habe mich gut vorbereitet" oder "Bleib ruhig, konzentriere Dich auf die Fragen" können sehr hilfreich sein. Kleine Mutmacher, wie der Lieblingspulli, ein Glücksbringer oder ein leckerer Schokoriegel können dazu beitragen, am Prüfungstag selbst entspannter zu sein und mit einem guten Gefühl in die Prüfung zu gehen.

Als sehr hilfreiche Strategie gegen Prüfungsangst haben sich Entspannungstechniken erwiesen. Angst erzeugt im Körper verschiedene Reaktionen, die von Muskelanspannungen und Herzklopfen bis hin zu Benommenheit und Schwindel reichen können. Entspannungstechniken helfen dabei, mit derartigen Reaktionen umzugehen. Atemübungen, Gedankenreisen, Muskelentspannungsübungen und viele andere Techniken können dazu beitragen, in einer Prüfungssituation entspannt zu sein. Vor allem Atemübungen haben sich als sehr wirksam erwiesen, da sie ohne Umstände in fast allen Situationen durchgeführt werden können. Alle Strategien gegen Prüfungsangst können allerdings nur wirken, wenn sie einstudiert und geübt werden. Die eigenen Gedankengänge zu beeinflussen und das Trainieren von Entspannungstechniken erfordert Zeit. Erfolg von heute auf morgen ist nicht möglich, daher gilt es, sich bei den Anzeichen von Prüfungsangst möglichst direkt mit dieser Angst und ihren Ursachen auseinanderzusetzen.

Wenn alles nichts hilft und ein Überwinden der Prüfungsangst aus eigenem Antrieb oder mithilfe von Familie und Freunden nicht möglich ist, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Psychologen und Psychotherapeuten sind mit der Problematik vertraut und können helfen. (Einige Kinderpsychologen finden Sie in unserem Verzeichnis)
Text: D.S. / Stand: 20.05.2019

Was tun, wenn die Prüfungsangst zur Panikstörung wird?

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