Hyperaktive Kinder in der Schule

Kleiner Junge sitzt in der Schule und träumt
Hyperaktiven Kindern fällt es schwer sich lange
zu konzentrieren - Foto: © Doctor Kan


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Wenn Kinder hyperaktiv sind

Hyperaktivität oder Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) sind in unserer Gesellschaft negativ besetzte Schlagworte.

Kinder, die unruhiger sind als Gleichaltrige, die Herumzappeln, nicht still sitzen können oder sich nicht über einen längeren Zeitraum auf eine Sache konzentrieren können, werden schnell als hyperaktiv bezeichnet. Ob diese Symptome wirklich immer Ausdruck einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung sind oder ob es sich eher um andere Probleme handelt, ist in vielen Fällen fraglich. Häufig ist es für Eltern, Erzieher und Ärzte der einfachste Weg, ein Kind als hyperaktiv einzustufen und dementsprechend zu behandeln. Zurzeit scheint es einen regelrechten Trend in diese Richtung zu geben und ADS wird zu einer Art Modekrankheit. Das Krankheitsbild ist seit langer Zeit bekannt, Dr. Heinrich Hoffmann beschrieb in seinem Buch "Struwwelpeter" in der Geschichte "Zappelphilipp" sehr genau, wie sich die Krankheit äußert. Häufig äußern sich die Probleme erst in vollem Umfang, wenn hyperaktive Kinder in die Schule gehen. In den Jahren zuvor galten sie lediglich als wild, unruhig oder verspielt. Gab es Probleme im Kindergarten, wurden diese meist als harmlos eingestuft oder das Kind blieb fortan zu Hause. Mehr zum Thema Hyperaktivität bei Kindern

ADS in der Schule

Kinder, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leiden, können sich nur schwer auf neue Situationen einstellen. Wenn sich gewohnte Abläufe verändern, zeigen sie Stresssymptome. Mit der Einschulung stellt sich unweigerlich eine derartige Veränderung ein. Tag für Tag ist Pünktlichkeit gefragt, außerdem still sitzen über einen längeren Zeitraum und Zuhören sowie Konzentration. Dazu kommen eine neue Umgebung, neue Mitschüler und Lehrer, Dinge, die ein Kind, das hyperaktiv ist, in Stress versetzen können. Ist das Krankheitsbild nicht bereits vor dem ersten Schultag diagnostiziert worden und auch beim Einschulungstest nicht festgestellt worden, wird es für Kind, Eltern und Schule schwieriger, die Probleme in den Griff zu bekommen. Dies liegt im Schulsystem begründet, das einen schnellen Schulwechsel während des laufenden Schuljahres nur in seltenen Fällen ermöglicht. Dennoch sollten Eltern, die bemerken, dass das Kind auch im häuslichen Umfeld auffälliges Verhalten zeigt oder Hinweise von einem Lehrer erhalten, sensibel reagieren. Handelt es sich nur um eine reine Stressreaktion, die in der Eingewöhnungsphase nicht selten ist? Oder gehen andere Symptome mit einher?

Symptome von ADS

Kinder, die an ADS leiden, zeigen eine ganze Fülle von Symptomen:

  • Unruhe:
    Das Kind kann nicht still sitzen, macht ständig Bewegungen oder steht auf.
  • Konzentrationsschwäche:
    Das Kind kann sich nicht über einen längeren Zeitraum konzentrieren, es hört nicht richtig zu, lässt sich schnell ablenken und führt Aufgaben nicht bis zum Ende aus.
  • Koordinationsschwäche:
    Gestörte Feinmotorik, die sich an einem schlechten Schriftbild und unrythmischen Bewegungen äußern kann, sind typisch.
  • Auffälliges Sozialverhalten:
    Mitschülern oder Geschwistern wird ins Wort gefallen, das Warten, bis es an der Reihe ist, fällt dem Kind sichtlich schwer. Aussagen, die andere verletzen oder beleidigen, werden ohne vorheriges Überlegen geäußert.
  • Weitere Symptome:
    Hypersensibilität, verändertes Schmerzverhalten, Probleme Nähe zu ertragen, verändertes Essverhalten
Nicht jedes Kind, das den Unterricht stört oder einen Mitschüler beleidigt, muss zwangsläufig hyperaktiv sein. Häufig ist dies eine recht einfache Erklärung für tiefer sitzende Probleme. Konzentrationsstörungen oder auffälliges Verhalten können auch Reaktionen auf Missbrauch, Gewalt oder seelische Probleme sein. Es sollte auf jeden Fall ärztlicher Rat eingeholt werden, sollte die Vermutung vorliegen, dass ein Kind unter ADS leidet.

Hyperaktive Kinder - Was können Eltern tun?

Ist die Krankheit bereits vor Schulbeginn diagnostiziert worden, sollten Eltern sich darum bemühen, für ihr Kind einen Platz in einer Förderschule zu bekommen. In kleinen Klassen mit gezielt ausgebildeten Lehrkräften kommen hyperaktive Kinder in der Schule deutlich besser zurecht als in einer Regelschule.

Als Eltern können Sie Ihrem hyperaktiven Kind den Übergang vom Kindergarten in die Schule erleichtern. Bilderbücher bzw. Kinderbücher, die das Schulleben thematisieren, können einen spielerischen Einstieg in den Schulalltag ermöglichen, ebenso verhält es sich mit Spieltafeln und Magnetbuchstaben. (Mehr Tipps zur Schulvorbereitung zu Hause) Sie können auch den Schulweg mit Ihrem Kind üben und mit der Schule einen Termin zu einem Besuch vereinbaren. Auf diese Weise kann bereits vor dem ersten Schultag eine Art Gewöhnung einsetzen und Ihr Kind kann Ängste abbauen. Scheuen Sie nicht davor zurück, Ihr Kind in einer Förderschule anzumelden. Dort hat es mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom deutlich bessere Chancen als an einer Grundschule. Hat es sich an den Schulalltag gewöhnt und treten Erfolge ein, können Sie gemeinsam mit den Lehrern eine Strategie zu einem Schulwechsel entwickeln. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck oder machen ihm gar Vorwürfe, dass es den Unterrichtsstoff in der Schule nicht bewältigen kann, unterstützen Sie es besser so gut sie können.

Leidet Ihr Kind tatsächlich an ADS ist der Schulbesuch in vielen Fällen nur möglich, wenn parallel Medikamente eingenommen werden. In den meisten Fällen wird in Deutschland Ritalin verschrieben. Als Eltern sollten Sie sich vor der Gabe von Medikamenten bei zumindest zwei verschiedenen Ärzten über die Notwendigkeit der Einnahme informieren. ADS ist keine leichte, schnell vorübergehende Erkrankung wie ein Schnupfen oder Husten, daher sollte Ihr Kind gründlich und von verschiedenen Personen untersucht werden, um eine Fehldiagnose auszuschließen. Gleichzeitig müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass die Einnahme von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten nicht alle Probleme löst. Hyperaktive Kinder haben in der Schule trotz medikamentöser Behandlung häufig Probleme. Als Eltern müssen Sie daher zum einen darauf achten, dass Ihr Kind die Tabletten regelmäßig einnimmt und zum anderen müssen Sie konsequente Handlungsweisen vorgeben. Es hat sich als sinnvoll erwiesen, hyperaktiven Kindern in der Schule und auch zuhause klare Anweisungen zu geben. Vermeiden Sie "vielleicht" und "eventuell", ziehen Sie direkte Konsequenzen und kritisieren Sie nicht ständig Kleinigkeiten - hyperaktive Kinder sind sonst schnell überfordert und reagieren heftig.
Text: D. S. (Pädagogin) / Stand: 11.04.2019

Bei Fragen zum Thema ADS wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens. Wir geben hier nur allgemeine Hinweise!

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