Versetzungsgefährdet - Was kann man tun?

Tochter und Mutter reden über die Versetzung
Ist Sitzen bleiben so schlimm? - Foto: © Galina Barskaya


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Mein Kind wird sitzen bleiben

Wenn die Versetzung gefährdet ist, sehen viele Eltern rot. Für Eltern ist die Situation meist schlimmer als für den betroffenen Schüler selbst.

Bevor Sie Ihr Kind mit Vorwürfen überschütten, sollten Sie darüber nachdenken, woran die schulische Probleme liegen könnten und ob Sie selbst etwas tun können, um Ihr Kind zu unterstützen. Viele Eltern verschließen leider die Augen vor Schulproblemen und machen ihrem Ärger erst Luft, wenn es zu spät ist. Aus diesem Grund haben jedes Jahr viele Schüler Angst vor dem Zeugnis. Weil sie ihren Eltern erst am letzten Tag des Schuljahres Rechenschaft über ihre schulischen Leistungen ablegen müssen.

Was tun, wenn die Versetzung in Gefahr ist?

Die Versetzung ist aber nicht von heute auf morgen in Gefahr. In der Regel zeichnen sich bereits im Laufe des Schuljahres Probleme ab. Spätestens zum Halbjahreszeugnis ist zu erkennen, ob ein Sitzen bleiben droht. Sollte das Halbjahreszeugnis darauf hindeuten, dass die Versetzung gefährdet sein könnte, ist es an der Zeit zu handeln. Zunächst sollte ein Gespräch mit dem eigenen Kind geführt werden, wobei es wichtig ist, das Gespräch in ruhiger und sachlicher Atmosphäre zu führen. Es sollten nicht ausschließlich Vorwürfe gemacht werden, sondern vielmehr versucht werden, die Gründe für die schlechten Noten herauszufinden. Auch ein Gespräch mit dem Klassenlehrer und den entsprechenden Fachlehrern kann weiterhelfen. Oft sind die Pädagogen sehr bemüht und daran interessiert, dass die Versetzung geschafft wird. Viele Lehrer stellen daher Lernmaterialien und Übungsblätter zur Verfügung oder helfen dabei, einen geeigneten Nachhilfelehrer zu finden.
Nachhilfe ist in vielen Fällen eine effektive Maßnahme, um schlechte Noten zu verbessern. Vor allem wenn es in ein oder zwei Fächern nicht so gut aussieht, ist es zu empfehlen, Nachhilfe zu nehmen. Vor allem in den sogenannten Hauptfächern, also in Deutsch, Mathematik und in den Fremdsprachen sind häufig Probleme zu erkennen, ebenso wie in den Naturwissenschaften. Bevor das Kind zum Nachhilfe Unterricht angemeldet wird, sollte das Lernverhalten überprüft werden. Liegt die Schwäche in dem betroffenen Fach an Unlust bzw. fehlender Motivation oder liegt eine wirkliche Schwäche vor? Werden die Hausaufgaben regelmäßig erledigt und für Tests und Klausuren in ausreichendem Maße gelernt? Wenn dies der Fall ist und die Ergebnisse dennoch mäßig bis schlecht ausfallen, sollte ein Nachhilfelehrer engagiert werden.

Welche Gründe für das Sitzen bleiben gibt es?

Die Gründe dafür, dass die Versetzung gefährdet ist und das Sitzen bleiben droht, sind vielfältig. Häufig sind sie aber in den folgenden Bereichen angesiedelt:

  • Die Anforderungen sind zu hoch. Nicht jedes Kind muss aufs Gymnasium gehen und das Abitur schaffen. Wenn die Noten nicht nur in einem Fach, sondern in mehreren Hauptfächern nicht ausreichen, kann es sein, dass die Anforderungen einfach zu hoch sind. Sind auch durch Nachhilfeunterricht über einen längeren Zeitraum keine Erfolge zu erkennen, ist ein Schulwechsel zu empfehlen.
  • Psychische Probleme oder belastende Situationen im Umfeld, sind vor allem in der Pubertät Gründe für schlechte schulische Leistungen. Leidet Ihr Kind unter einer Krankheit, ist ein Angehöriger verstorben oder haben Sie sich scheiden lassen? Diese Gründe können für Teenager sehr belastend und für eine vorübergehende Leistungsschwäche verantwortlich sein.
  • Die Unterstützung aus dem Elternhaus fehlt. Nicht selten sind schulische Probleme auf die mangelnde Unterstützung durch die Eltern zurückzuführen. Helfen Sie Ihrem Kind bei den Hausaufgaben, gehen Sie mit ihm in die Bibliothek oder recherchieren Sie gemeinsam im Internet. Hören Sie zu, wenn Ihr Kind von der Schule erzählt. Oft sind schon mit diesen einfachen Maßnahmen deutliche Verbesserungen zu erkennen.
Nicht immer sind die Gründe dafür, dass die Versetzung gefährdet, ist so einfach zu ergründen. Wichtig ist, dass Sie Geduld haben und Verständnis für Ihr Kind aufbringen. Wenn gar nichts mehr hilft und die Notengebung der Lehrer willkürlich erscheint, kann unter Umständen ein Anwalt für Schulrecht helfen. Ein kompetenter Anwalt wird sich zunächst detailliert die Sachlage schildern lassen, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Ist der Jurist im Bereich Schulrecht erfahren, kann er bereits nach diesem ersten Gespräch eine Bewertung der Sachlage abgeben und einschätzen, ob ein Prozess zum Erfolg führen kann oder nicht. Der Gang zum Anwalt sollte möglichst nur als letzter Ausweg gewählt werden. Ist ein Kind versetzungsgefährdet, sollte zunächst Ursachenforschung betrieben werden. Oft bringen Nachhilfe und Gespräche mit Kind und Lehrern so viel, dass das Ziel erreicht und die Versetzung geschafft wird.

Generell ist es wichtig zu erkennen, dass die Welt nicht untergeht, wenn Ihr Kind die Versetzung nicht schafft und eine Klasse wiederholen muss. Einige Kinder brauchen einfach etwas mehr Zeit in der Entwicklung und verbessern sich deutlich, wenn sie ein Schuljahr wiederholen. Natürlich ist es nicht erstrebenswert, ein Schuljahr zu wiederholen, und Sie sollten Ihrem Kind auch den Ernst der Lage klar machen, doch blinder Aktionismus und andauernde Vorwürfe oder gar Bestrafungen führen nur selten zum Erfolg.
Text: D. S. (Pädagogin) / Stand: 04.06.2019

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