Hochbegabte Kinder

Hochbegabte Kinder in der Schule
Hochbegabte Kinder - Foto: © Picture-Factory

Hochbegabte Kinder - Sie sind keine Elite, sondern auch nur Kinder

Manchmal fragen sich Eltern hochbegabter Kinder, ob es ein Fluch oder ein Segen sei, ein besonders intelligentes Kind zu haben. Insgeheim wissen sie aber, dass es vielmehr eine Gabe ist, die Ihre Kinder von anderen abhebt.

Mädchen löst Rechenaufgabe an der Tafel
Wie erkennt man Hochbegabung bei Kindern?
Foto: © Valeriy Velikov
Nur jedes zweite bis dritte von einhundert Kindern hat im Durchschnitt eine Hochbegabung. Das heißt, es hebt sich deutlich von bereits überdurchschnittlich begabten Kindern ab. Dabei muss der Intelligenzquotient bei mehr als 130 liegen. Erst dann spricht man von einer Hochbegabung. In unserer Gesellschaft hat sich das Bild manifestiert, ein hochbegabtes Kind ist gleichzusetzen mit besonders hervorstechenden und brillanten Noten in der Schule. Wenn dies jedoch so einfach wäre, könnten die betroffenen Eltern wesentlich ruhiger schlafen. Vielmehr liegt der Sachverhalt eher so, dass häufig erst durch ein auffälliges Verhalten des Kindes die Eltern auf die Besonderheit ihres Sprösslings aufmerksam werden. Vorher erkennen Erwachsene oft das spezielle Bedürfnis der Kinder nicht. Wiederholt langweilt sich das Kind bei der Beschäftigung mit Gleichaltrigen. Es ist unterfordert und stört die anderen Kinder dadurch.
Eine Hochbegabung vollzieht sich meist nur auf einem bestimmten Gebiet. Zum Beispiel kann das Kind besonders mathematisch begabt sein, logisches komplexes Denken fällt ihm leicht. Andere wiederum finden ihre Hochbegabung auf musischem oder auch sportlichem Gebiet. Manchen Kindern fällt das Rechnen besonders schwer, aber künstlerisch leisten sie hervorragende Arbeit. Sprachliche Begabung geht auch oft mit sozialen Kompetenzen einher.
Unter Umständen kommt es sogar vor, dass ein Kind auf mehreren Gebieten hochbegabt ist.
Ist ein Kind sportlich oder musisch hochbegabt, ist das Verständnis in der Gesellschaft noch am höchsten. Sobald ein Kind logisch begabter ist als ein Erwachsener, hört das Verständnis jedoch schnell auf. Denn es ist nur schwer nachzuvollziehen. Mädchen haben es als Hochbegabte aufgrund der immer noch gesellschaftlich verankerten Rollenbilder sogar teilweise schwerer als Jungen. Die Folgen eines Nichterkennens können sich bei Jungen und Mädchen gleichermaßen äußern. Von anfangs nur als Außenseiter oder Streber, finden sie sich auch schnell in der totalen sozialen Isolation oder gar in Depressionen wieder.

Wie erkennt man Hochbegabung bei Kindern?

Ein genaues Ergebnis verrät natürlich nur ein Intelligenztest bei einem auf diesem Fachgebiet erfahren Psychologen. Um ihn zu konsultieren, ist es wiederum erforderlich, dass vorerst der Verdacht aufkommt, dass Kind könne hochbegabt sein. Abgesehen von einem auffälligen Verhalten, bemerken Eltern, dass ihre Kinder ausnehmend interessiert an Themen sind, die nicht ihrem Alter entsprechen. Sie finden keinen Gefallen an den Freizeitaktivitäten ihrer Altersgenossen. Auffällig ist die Begierde zu lernen. Unter Umständen bringen sich hochbegabte Kinder selbst das Lesen und Rechnen bei. Oder sie sprechen bereits zeitiger als andere Kleinkinder und entwickeln sonderlich schnell einen immensen Wortschatz, ohne jemals die "Babysprache" verwendet zu haben. Hochbegabte Kinder haben vielfach ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie brauchen kaum Wiederholungen, um Dinge zu verstehen oder zu erlernen. Nicht selten sind hochbegabte Kinder eher sozial isoliert. Es fällt ihnen schwer, sich einzubringen. Was die Intelligenz betrifft sind sie zwar wesentlich weiter als andere Kinder, aber die Emotionen und die Sensibilität entsprechen dem realen Alten der Kinder. Hinzu kommt, dass sie sich mit älteren Kindern oder Erwachsenen wohler fühlen, weil sie eher verstanden werden als von gleichaltrigen Kindern. Anstatt sich bei Konflikten zu prügeln, wie es viele Jungen gern regeln, suchen sie lieber die verbale Lösung. Ein typisches Zeichen für hochbegabte Kinder ist es, zwischenmenschliche Emotionen viel sensibler wahrzunehmen als andere.

Leider gehört die Früherkennung von hochbegabten Kindern nicht zur Standardausbildung von Erziehern und Pädagogen. Des Weiteren sind diese auch oft bei der hohen Anzahl an zu betreuenden Kindern gar nicht in der Lage, diese besonderen Bedürfnisse der Kinder zu erkennen und auch dementsprechend zu fördern. Sprechen die Eltern sie auf eine eventuelle Hochbegabung ihres Kindes an, fühlen sie auch schnell in ihrer pädagogischen Kompetenz kritisiert und reagieren eher persönlich als objektiv.

Hochbegabte Kinder fördern

Doch nur die Hochbegabung erkennen reicht nicht. Wird sie nicht ungesetzt, nützt sie dem Kind gar nichts und wird nur Schwierigkeiten bereiten. Kann ein Kind seine besonderen Bedürfnisse und Begabungen hingegen ausleben, so macht es im Regelfall nicht mehr Probleme als andere gleichaltrige Kinder auch. Geben Sie ihrem Kind die Chance, seine Begabung ausleben und genießen zu dürfen. Statt spielen darf es ruhig mal Förderunterricht sein, oder später sogar Kurse an der Universität. Ermöglichen Sie Ihrem Kind den Zugang zu Wissen durch Bibliotheken und Computer. Melden Sie es in AGs an. Wichtig ist es, eine Plattform zu schaffen, die das Kind stützt und ihm die Option ermöglicht, sein Wissen zu erweitern und umzusetzen. Das bringt letztendlich auch Ihnen Entlastung.

In der Außenwelt werden Eltern leider sehr oft mit Vorurteilen konfrontiert. Man unterstellt ihnen, sie haben ihre Kinder nur unter Druck gedrängt, zu lernen. Oder gar, sie wollen eine Elite heranzüchten. Doch nur betroffene Eltern wissen was es heißt, ein hochbegabtes Kind zu haben und es entsprechend zu fördern, um sein Bestes zu geben. Neben Neid und Vorurteilen quälen sich Eltern hochbegabter Kinder immer mit dem Gedanken, hoffentlich werde ich meinem Kind gerecht und es bekommt auch wirklich was es braucht.
Fragen Sie auch die Lehrer wie Sie hochbegabte Kinder fördern können!

Es bleibt nur zu hoffen, dass in Zukunft die Förderung hochbegabter Kinder in Deutschland wesentlich besser und intensiver wird und hochbegabte Kinder dadurch eine Chance auf ein für sie normales Leben bekommen.
Text: C. D. / Stand: 07.09.2017

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