Angst bei Kindern

Kinder haben Angst
Was tun, wenn Kinder Angst haben? - Foto: © tlorna

Ängstliche Kinder - Wie können Eltern helfen?

In einer Welt, in der von allen nur noch Selbstsicherheit und Stärke erwartet wird, da scheinen Ängste überhaupt keinen Platz mehr zu haben.

Angst bei Kindern
Kleinkinder haben oft Angst vor Fremden
Foto: © NiDerLander
Und doch gehören sie zum Leben genauso wie alle anderen Gefühle auch. Und Angst spielt unter den Gefühlen eine ganz wichtige Rolle. Sie mahnt uns, vorsichtig zu sein und hilft uns, unsere Grenzen zu erkennen. Wir können erst dann mutig sein, wenn wir Angst erlebt und sie überwunden haben. Und in vielen Situationen wie etwa im Straßenverkehr, schützt uns die Angst vor möglichen Gefahren.

Kinder können vieles mit ihrem Verstand noch gar nicht erfassen und ängstigen sich demzufolge deutlich mehr als erwachsene Menschen. Aus Sicht von uns Großen erscheinen natürlich viele ihrer Ängste überzogen oder völlig unbegründet. Und doch sind sie da und für die Kleinen ganz real. Eltern und andere Bezugspersonen stehen nicht selten den kindlichen Ängsten hilflos gegenüber und wissen einfach nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. Wie kann man ein Kind in einer Angstsituation stärken? Sind Ängste hausgemacht? Woran erkennt man den Unterschied zwischen normalen Ängsten und einer Angststörung? Dieses Thema wirft viele Fragen auf und konfrontiert uns nicht selten mit unserer eigenen Lebensgeschichte.

Angst oder Angststörung bei Kindern?

Jedes Kind durchlebt Phasen der der Angst. Die einen fürchten sich vielleicht vor einem Gewitter, die anderen vor hohen Türmen oder Höhlen. Kleinkinder rennen häufig schreiend weg, wenn sie das Geräusch des Staubsaugers vernehmen. Und in der so genannten Fremdelphase hat der Nachwuchs Angst vor allen möglichen Personen, die er nur sporadisch kennt. Er versteckt sich unter Mamas Rockzipfel oder hält sich krampfhaft an ihrem Arm fest.
Schulkinder können sich vor dem Mathetest oder der Deutsch-Arbeit ängstigen. Oder aber davor, von den Mitschülern ausgelacht oder gehänselt zu werden. Ängste gibt es wirklich in den verschiedenste Lebenslagen und doch haben sie alle eines gemeinsam: die Furcht vor dem Ungewissen.

Wie können Eltern ihrem ängstlichen Kind helfen?

Versuchen wir uns doch einmal in unser ängstliches Kind hineinzuversetzen. Was würde uns denn gut tun, wenn wir uns fürchten oder sorgen? Sicher sind Sie schon von selbst darauf gekommen: wir würden uns wünschen, dass uns jemand zuhört und uns ernst nimmt. Wir bräuchten in einer Angstsituation niemand, der uns schroff erklärt, dass wir doch nun wirklich keine Angst haben müssen. Dass wir uns doch nur ein bisschen zusammenreißen sollen und alles wird wieder gut. Nein, solche Sätze helfen uns nicht weiter und unseren ängstlichen Kindern erst recht nicht. Doch was hilft dann? Nun, wenn ein Kind Angst hat, dann sucht es zuerst einmal die Sicherheit einer vertrauten Person. In erster Linie werden das die Eltern sein, aber auch Großeltern, weitere Verwandte oder Betreuer des Kindes können in Frage kommen. Ein schlichtes in-den-Arm-nehmen oder die Hand halten kann manchmal mehr bewirken als tausend Worte. Hören Sie dem Kind zu und stellen Sie einfühlsame Fragen. Ist das Vertrauen da und sie merken, dass der Nachwuchs bereit ist, einen Schritt nach vorn zu gehen, dann unterstützen Sie ihn dabei. Dabei ist es wichtig, immer Schritt für Schritt vorzugehen. Nehmen wir doch das Beispiel vom Kleinkind und seiner Angst vor dem Staubsauger. Zuerst könnten Sie gemeinsam Bücher anschauen, in denen Staubsauger abgebildet sind. Dann wird vielleicht der eigene aus der Besenkammer geholt. Wussten Sie eigentlich, dass man auf einem Staubsauger ganz lustig durchs Wohnzimmer reiten kann? Also: aufgesessen und Mama oder Papa schiebt! Nun kann man den Stabsauger ganz leise stellen, ihn also auf niedriger Leistungsstufe laufen lassen. So nach und nach wird das Kind erleben, dass vom Staubsauger keine Gefahr ausgeht und ihn schließlich als etwas ganz normales tolerieren.

Holen Sie sich ruhig ärztlichen Rat

Ob es sich bei einer kindlichen Angst um eine normale, entwicklungsbedingte Angst handelt oder ob eine Angststörung beziehungsweise eine richtige Phobie dahinter steckt, das ist manchmal schwer zu erkennen. Im Zweifelsfall ist es ratsam, den betreuenden Kinderarzt auf das Problem anzusprechen. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn die Ängste das Leben der Familie stark beeinflussen und das Kind offensichtlich mit dieser Situation massiv überfordert ist. In solchen Fällen kann eine Therapie beim Kinderpsychologen angezeigt sein.

Auf die Erziehung kommt es an

Immer wieder taucht die Frage auf, ob Ängste hausgemacht sind. Nun, mit Sicherheit kann die Erziehung entscheidend dazu beitragen, ob aus einem Kind ein sehr ängstliches Kind wird oder aber eines, welches im Vergleich zu anderen sich weniger fürchtet. Häufig wird in der Phase, in der das Baby beziehungsweise Kleinkind alles entdecken will, von Seiten der Eltern überreagiert. Natürlich muss der Nachwuchs vor gefährlichen Situationen geschützt werden, das steht außer Frage. Doch wer schon frühzeitig immer wieder die Angst der eigenen Eltern in an und für sich ungefährlichen Momenten spürt, der übernimmt natürlich diese Einstellung zu einem gewissen Teil. Besser ist es, das Kind zu ermutigen, wenn es neue Wege gehen möchte. Stehen Sie Ihrem Nachwuchs bei und lassen Sie ihm eigene Erfahrungen machen. Natürlich fallen die Kinder dabei auch mal hin - aber sie stehen auch wieder auf!
Text: K. L. / Stand: 13.06.2018

Ganz wichtig ist es auch das Selbstvertrauen zu stärken.

In unserem Verzeichnis finden Sie übrigens auch einige Kinderärzte und auch einige Kinderpsychologen, die Ihnen sicher weiterhelfen können.

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]