Motorische Entwicklung des Kindes

Wichtige Entwicklungsschritte der Motorik

Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind aus motorischer Sicht wegweisend für die weitere Entwicklung. Schreiben, Treppen steigen oder Fußball spielen wären ohne die richtigen Grundlagen unmöglich.

Vielfach greifen die motorischen Entwicklungsschritte in andere Bereiche der kindlichen Entwicklung ein. Da zahlreiche motorische Fähigkeiten aufeinander aufbauen, sind Defizite oftmals mit langfristigen Folgen verbunden. Hier finden interessierte Eltern eine Übersicht, die ihnen eine Einschätzung des eigenen Kindes und dessen Motorik erlaubt.

Motorische Entwicklung von 0 bis 1 Jahr

Von Geburt an verfügen Säuglinge bereits über rund 20 Reflexe, etwa dem Saug- oder Greifreflex. Diese verlieren sie spätestens ab dem 4. Lebensmonat. Von nun an trainieren sie elementare Grundfertigkeiten, entwickeln diese weiter und perfektionieren sie im Laufe der Zeit. Bereits mit 6 Wochen heben die Kleinsten für kurze Zeit ihren Kopf aus der Bauchlage heraus, mit 3 Monaten sind sie dazu sogar für einen längeren Zeitraum im Stande. Um die 10. Lebenswoche drücken die Säuglinge ihre Brust aus der Bauchlage nach oben. Greifen die Eltern dem Kind unter die Arme, so kann es bereits im Alter von 5 Monaten mit Unterstützung sitzen. (Tipps zum Sitzen lernen) Mit 6 Monaten schafft es für dies für kurze Zweit allein und mit 8 Monaten beherrscht es diese wichtige motorische Fähigkeit sogar selbstständig. Auch beim Stehen sucht der Säugling die haltende Hand der Eltern ab dem Alter von rund 9 Monaten. Jetzt zieht es sich mitunter schon ganz allein an Stühlen oder dem Tischbein hoch. Um sich fortzubewegen, startet das Kleine erste Robb- und Krabbelversuche mit rund 40 Wochen. (Die Krabbelphase) Kaum hat es diese Fertigkeit entwickelt, ist es nicht mehr aufzuhalten. Auf dem Bauch dreht es sich, bewegt sich notfalls mit Armen und Beinen rudernd vorwärts. Im Pinzettengriff fasst es kleine Gegenstände und wirft diese durchaus mit Schwung von sich. An Mamas oder Papas Händen gesichert, läuft das Kind in Begleitung zudem kurze Wege. Viele Kinder schaffen es rund um ihren ersten Geburtstag, ohne Hilfestellung ihre ersten Schritte zu gehen und allein zu stehen. Zumindest an einer Hand zu laufen, gehört zu den Grenzsteinen der Entwicklung dieses Alters. (Tipps zum Laufen lernen)

Motorische Entwicklung von 1 - 2 Jahren

Große Fortschritte erleben die Kleinkinder nun in ihren motorischen Fertigkeiten. Sie lernen sich zu bücken und wieder aufzustehen. Ohne Probleme rollen sie einen Ball weg oder stapeln zwei Bausteine aufeinander. Im Pinzettengriff halten sie einen Stift und probieren sich bei ersten Malversuchen aus. Mit eineinhalb Jahren sollten die Kleinen frei laufen können und den Umgang mit dem Löffel beherrschen. (Tipps zum Essen lernen) Der Griff zum Becher wird sicherer. Beim abendlichen Vorlesen blättern die neugierigen Kinder gern allein um. Kinder in diesem Alter üben das selbstständige Laufen und können sogar teilweise bereits rennen. Eineinhalbjährige tragen schon Dinge mit sich herum oder entdecken lustige Nachziehtiere. Spaß haben die Kinder daran, einen Fußball zu treten oder sich zur Musik zu bewegen. Knapp zweijährige Kinder beteiligen sich nun am Anziehen (Allein anziehen lernen) und steigen sogar Treppenstufen an der Hand. Überhaupt entdecken sie das Klettern und erklimmen Stühle oder das Sofa ganz allein. Ohne weiteres erkennen sie, dass man auch mit beiden Beinen hüpfen kann. Am Ende des zweiten Lebensjahres ziehen sich geschickte Mädchen und Jungen teilweise selbst an und üben schon das Zähneputzen.

Motorische Entwicklung von 2 - 3 Jahren

Die Zahnpflege geht nun viel leichter von der Hand und wird weiter perfektioniert. (Zahnpflege für Kinder) Auch der Wasserhahn wird ohne weiteres bedient. Bereits jetzt zeichnet sich die Vorliebe für eine der beiden Hände ab. Zu erkennen ist das etwa beim Umgang mit der Schere oder dem Sortieren von Formen.

Auch wirft es bevorzugt mit einer Hand den Ball in ein festes Ziel. Fangen kann ein Kind diesen Alters nur mit zwei Händen direkt am Körper. Mit viel Anstrengung gelingt es dem Kind immer öfter, Knöpfe zu öffnen und zu schließen. Erste Versuche auf dem Rutschauto motivieren die Kinder zu mehr. Auf dem Dreirad schiebt es sich noch mit den Füßen voran. Im Spiel indes nutzt das Kind oft den Vierfüßlergang, um schnell vorwärts zu kommen. Läuft es jedoch mit einem Erwachsenen, versucht es dessen Tempo anzunehmen. Die Schritte sind noch unterschiedlich lang. Aber Kinder mit drei Jahren schieben einen Puppenwagen schon geschickt vor sich her. Auch auf dem Spielplatz verlieren sie die Scheu vor Höhen. Rutschen können nun nicht mehr hoch genug sein. Beim Malen beherrscht das Kind einen Kreis, horizontale und vertikale Linien.

Motorische Entwicklung von 3 - 4 Jahren

Mit einigem Geschick streicht das Kind nun schon Butter oder Marmelade aufs Brot und verwendet Messer und Gabel während des Essens. Schraubverschlüsse öffnet es selbstständig. Das Interesse für Buchstaben steigt, es kopiert sie erkennbar und malt sie nach. Nun beginnt die Zeit des Klebens von Papierschnipseln zu Bildern. Auch Punkte verbindet es ohne Probleme. Das Spiel im Sand wird zunehmend kreativer. Wege und Pfade bahnen sich durch Tunnel und Häufen. Rasant kann sich ein dreijähriges Kind meist auf dem Dreirad durch Treten fortbewegen. Es stoppt willentlich und beherrscht den Lenkvorgang. Immer wieder probt es, mit beiden Beinen von Erhöhungen herunter zu springen. Noch steigt es Treppen mit nur einem Schritt pro Stufe, wird jedoch bald den Wechselschritt anwenden. Das Geländer braucht es dafür nicht mehr. Großes Interesse zeigen die Kinder beim Balancieren. Die Bewegungen zur Musik werden rhythmischer.

Motorische Entwicklung von 4 - 5 Jahren

Junge beim Klettern
Mit ca. 7 Jahren ist die Entwicklung der Motorik abgeschlossen - Foto: © alexytrener

Nun beginnt die Zeit, in der vor allem feinmotorischen Geschicke trainiert werden. Perlen auf einen Faden fädeln oder Nägel mit dem Hammer einschlagen stehen hoch im Kurs bei den Kleinen. Acht Bausteine oder mehr stapelt das Kind beidhändig aufeinander. Nun hält es auch den Stift korrekt und schneidet mit der Schere Umrisse aus oder an Linien entlang. Formen, wie Kreuze oder Quadrate, zeichnet es ohne Schwierigkeiten nach. Dabei dreht es das Papier nicht mehr. Auch im Falten mit Papier entwickelt es Talent. Es kann ein Quadrat diagonal zusammenlegen. Ohne groß nachzudenken beherrscht es das Formen von Kugeln oder Schlangen aus Knete. Daneben macht es ebenfalls in der Grobmotorik weitere Fortschritte. Es steht 5 Sekunden auf einem Bein und beherrscht den Schlusssprung bzw. den Hampelmann. Noch vor dem fünften Geburtstag sollten die Kleinen einen Ball ohne Körperberührung fangen und ihn wieder über den Kopf 3 bis 4 Meter weit werfen können. Auf Aufforderung steht und geht es auf den Zehenspitzen oder den Fersen. Nun läuft es auch allein rückwärts.

Motorische Entwicklung von 5-6 Jahren

Im sechsten Lebensjahr schreiben Kinder ohne Vorlage die Zahlen 1 bis 10 und zählen mit dem Zeigefinger der einen Hand die der anderen. In korrekter Stifthaltung beherrschen sie den Umgang mit Schablonen und schreiben zudem ihren Vornamen richtig. Bilder werden ohne über den Rand zu malen farbig gestaltet. Die Formen und Linien, auch Rundungen und Ecken, kann es mit einer Schere säuberlich ausschneiden. Die Kinder differenzieren in ihren Zeichnungen durch besondere Details unterschiedliche Personen oder Dinge. Gegen Ende des sechsten Lebensjahres fahren die Mädchen und Jungen sicher ohne Stützräder Rad (Tipps zum Fahrradfahren lernen), balancieren gern auch auf schmalen Balken. Manche Kinder laufen Rollschuh oder Inlineskates (Inlineskaten für Kinder) und spielen geschickt Fußball, wobei sie während des Rennens den Ball gezielt treffen. Weiche Bälle können nun schon mit einer Hand gefangen werden. Ganze zehn Sekunden oder auch länger stehen die Kinder auf einem Bein und hüpfen mehrere Schritte auf einem Fuß vorwärts.

Im Alter von 7 Jahren sind die grundlegenden motorischen Fähigkeiten eines Menschen ausgebildet und werden im Anschluss lediglich weiter verfeinert. Je nachdem wie weit die Entwicklung in den anderen Bereichen vorangeschritten ist, erlangen die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Daher sind die hier erwähnten motorischen Entwicklungsschritte lediglich eine Orientierung. Bei den regelmäßigen U-Untersuchungen überprüft der Arzt die Entwicklung des Kindes und wird im Falle von Defiziten gegebenenfalls Empfehlungen für eine weitere Behandlung aussprechen.
Text: C. D. / Stand: 10.01.2018

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