Autokratischer Erziehungsstil für Kinder

Mädchen macht Hausaufgaben unter Aufsicht der Mutter
Beim autokratischen Erziehungsstil setzen die Eltern
absoluten Gehorsam voraus - Foto: © Ingo Bartussek


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Was ist autokratisch?

Der autokratische Erziehungsstil ähnelt sehr intensiv dem autoritären Erziehungsstil, allerdings ist er noch dessen Steigerung. Absoluten Gehorsam des Kindes setzen autokratisch erziehende Eltern voraus. Ihrer Auffassung nach, brauchen Kinder eine sehr starke Hand und viel Autorität. Diese wird ohne wenn und aber durchgesetzt. Das eigenständige Verhalten oder Eigeninitiative ist bewusst unerwünscht und wird sogar unterdrückt.

Merkmale des autokratischen Erziehungsstils

Eltern legen die Aktivitäten ihrer Kinder fest und sorgen dafür, dass sie entsprechend umgesetzt werden. Für das Zusammenleben und Verhalten des Kindes gibt es sehr strenge Regeln, auf deren Einhaltung die Eltern pochen und beharren. Eine Erläuterung, warum diese Regeln und Vorschriften erstellt wurden, gibt es für das Kind nicht. Blinder Gehorsam und totale Akzeptanz wird erwartet, Widerworte nicht geduldet. Handelt das Kind nicht im von den Eltern vorgegebenen Rahmen, muss es mit Sanktionen und harten Strafen rechnen und ist der Willkür der Eltern im Ernstfall ohne Erklärung für sein Fehlverhalten ausgesetzt. Körperliche Gewalt kann hierbei nicht ausgeschlossen werden. Mit Nachdruck und der Androhung von Sanktionen, sowie Einschüchterung unterstreichen die Eltern ihre absolute Autorität. Kompromisse werden nachdrücklich ausgeschlossen. Das Kind als Persönlichkeit wird nicht geschätzt, es besitzt keinerlei Rechte. Auch seine Meinung darf es nicht äußern, dies wird mit Vorsatz unterdrückt.

Die Nachteile des autokratischen Erziehungsstils

Kinder, die autokratisch erzogen werden, kennen keine Kreativität. Sie sind es gewohnt, alles Notwendige durch eine Autorität gesagt zu bekommen. Eigeninitiative ist ihnen ein Fremdwort. Frei entfalten können sich die Kinder im autokratischen Erziehungsstil zudem nicht. Dies ist auch in keinster Weise von den Eltern erwünscht. Obwohl sich die Eltern den Kindern gegenüber freundlich verhalten solang sie die Regeln nicht brechen, bauen sie zu ihnen keine enge persönliche Bindung auf. Der Ton innerhalb der Familie ist vielmehr rau und grob als herzlich und liebevoll. Lob erfahren die Kinder außerdem deutlich seltener als Tadel, da das Hauptaugenmerk auf den Defiziten des Kindes liegt, und nicht auf dessen Stärken. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass autokratisch erzogene Kinder oft unter Minderwertigkeitskomplexen leiden. Sie haben gelernt, dass ihre Meinung nichts zählt und ihre Bedürfnisse nicht beachtet werden. In mangelndem Selbstbewusstsein und keinerlei Selbstsicherheit, neigen sie dazu, ihre Unsicherheit durch Aggression abzubauen. Die Gefahr besteht, dass sie selbst Schwächere attackieren, weil sie es nie anders gelernt haben und so ihre Gefühle kompensieren können.
Warum es wichtig ist Kinder zu loben

Die Folgen im Erwachsenenalter

Eine der positiven Auswirkungen des autokratischen Erziehungsstils ist, dass sich Kinder später in Hierarchien innerhalb des Berufes gut einfügen können. Außerdem ist es manchmal sinnvoll, selbst autoritär in Erscheinung zu treten. Allerdings kann die extreme autokratische Erziehung auch dazu führen, dass Betroffene sich später jeglicher Autorität verweigern, was zwangsläufig zu Konflikten im späteren Leben führen kann. Da Betroffene im Kindesalter nie gelernt haben Entscheidungen zu treffen, schließlich taten dies die Eltern für sie, fällt ihnen dies auch im Erwachsenenalter schwer. Immer wieder ordnen sie sich anderen unter und zeigen ihre Unselbstständigkeit. Aufgrund des mangelnden Selbstwertgefühls besteht außerdem nach wie vor die Möglichkeit, an Versagensängsten zu leiden. Das Lösen von Konflikten ist immer wieder eine Herausforderung, denn entweder wurde diese Aufgabe früher von den autoritären Eltern übernommen oder sie haben aufgrund der mangelnden Kommunikation innerhalb der Familie nicht gelernt, ihre Standpunkte zu artikulieren und ihnen auch sprachliche Kompetenzen fehlen können. Immer wieder fällt auf, dass autokratisch erzogene Menschen dazu neigen, andere Menschen nach hierarchischen Gesichtspunkten zu werten. Schlimmste Auswirkungen dieses harten und sehr strengen Erziehungsstils sind seelische Schäden, die das Kind erleiden kann. Es besteht die Gefahr, dass psychische Erkrankungen wie Paranoia oder Zwangshandlungen entstehen. Schwierig ist es für die Betroffenen außerdem, wenn sie selbst im Erwachsenenleben beginnen, Autorität zu missbrauchen und unangemessen einzusetzen. Sadismus kann nur eine Form davon sein.

Heute findet sich der autokratische Erziehungsstil kaum noch in Reinform in unserer Gesellschaft. Vor vielen Jahrzehnten war er jedoch ein alltägliches Bild im Umgang mit Kindern.
Text: C. D. / Stand: 12.10.2019

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