Antiautoritärer Erziehungsstil

Mädchen macht einen Handstand auf der Wiese
Antiautoritärer Erziehungsstil - Erziehung ohne starre Grenzen - Foto: © detailblick-foto

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Selbstentfaltung ohne starre Grenzen

Die antiautoritäre Erziehung ist weniger eine Erziehungsmethode als vielmehr eine Lebenseinstellung.

Sie entstand in den späten 1960er und 1970er Jahren als Reaktion auf den sehr strengen, autoritären Erziehungsstil der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Anders als die eigenen Eltern wollte man seine Kinder ohne Zwänge, Disziplin und absoluten Gehorsam erziehen. Eltern und Kinder begegnen sich bei der antiautoritären Erziehung auf Augenhöhe. Den Kindern wird in ihrem Handeln und Denken sehr viel Spielraum gelassen. Sie dürfen selbstständig Entscheidungen fällen und ihre individuellen Regeln festlegen, um so ihre eigene Persönlichkeit, Selbstbewusstsein und Kreativität frei entfalten zu können. Damit ist dieser Erziehungsstil der Vorreiter des heutzutage wesentlich häufiger praktizierten demokratischen Erziehungsstil.

Definition des antiautoritären Erziehungsstils

Die Begründer der antiautoritären Erziehung gingen davon aus, dass der Mensch von Natur aus gut sei - und dass man ihn deshalb ohne elterliche Beeinflussung seinem Wesen entsprechend entfalten lassen müsse. Kinder sollten sich den Erwachsenen nicht länger unterordnen, sondern selber entscheiden, was gut für sie ist. Befürworter der antiautoritären Erziehung waren und sind der Meinung, dass Kinder nur so ihre eigene Individualität entdecken und enthüllen können. Allerdings, und dieser Punkt wurde häufig missachtet, dürfen die Eltern schon motivierend und lenkend in die Erziehung mit einwirken. Viele Anhänger der antiautoritären Erziehung verzichteten aber komplett auf Grenzen und ließen ihren Kindern vollkommen freie Hand. Da Kinder naturgemäß nach dem Lustprinzip handeln, geriet dieser Erziehungsstil daher schnell in die Kritik. Viele Gegner befürchteten, dass antiautoritär erzogene Kinder sich in erster Linie egoistisch verhalten und weder ein Pflichtgefühl noch besonders starke Sozialkompetenzen entwickeln würden. Die soziale Entwicklung des Kindes

Antiautoritäre Erziehung in der Kritik

Kaum eine andere Erziehungsmethode löste so viele Debatten aus wie die antiautoritäre Erziehung. Während die Gegner starke Kritik ausübten und die Auslebung des Egoismus anprangerten, lobten die Befürworter die Entfaltung von Kreativität und Selbstbewusstsein. Der antiautoritäre Erziehungsstil gilt heute weitestgehend als veraltet, wird aber noch in einigen privaten Schulen und Kindergärten, z.B. in den Kinderläden in Berlin, praktiziert.

Vorteile des antiautoritären Erziehungsstil

Der antiautoritäre Erziehungsstil nimmt die Kinder als freie Individuen wahr und geht davon aus, dass man Kindern gleichberechtigt und mit Respekt begegnen sollte. Dadurch können diese Kinder ein gutes Selbstbewusstsein und ein starkes Selbstvertrauen entwickeln. Diese Erziehungsmethode lässt den Kindern sehr viel Freiraum und gibt ihnen so die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln. Studien zeigen, dass antiautoritär erzogene Kinder bedeutend kreativer sind als autoritär erzogene Gleichaltrige. Zudem handeln sie wesentlich unabhängiger und lernen früh, Verantwortung für ihr eigenes Tun zu übernehmen. Sie kennen Ihre Stärken und Schwächen und vor allem ihre eigenen Bedürfnisse.

Nachteile des antiautoritären Erziehungsstil

Kinder, denen in ihrem Handeln und Denken völlig freie Hand gelassen wird, leben nach dem Lustprinzip und machen deshalb vor allem das, was ihnen Spaß bringt. Deshalb fällt es ihnen im Erwachsenenleben oftmals schwer, Pflichten zu akzeptieren und Rücksicht auf die Wünsche anderer zu nehmen. Die Gefahr ist groß, dass antiautoritär erzogene Kinder später zum Egoismus neigen, schlecht mit negativer Kritik umgehen können und Probleme damit haben, sich unterzuordnen.

Weiterentwicklung des antiautoritären Ansatzes

Pädagogen weisen darauf hin, dass viele Kinder ganz ohne Grenzen schnell orientierungslos sind und dankbar auf einige feste Regeln reagieren. Genau diesen Ansatz verfolgt deshalb der demokratische Erziehungsstil, der heute überwiegend in Schulen und Kindergärten praktiziert wird und eine Weiterentwicklung der antiautoritären Erziehungsmethode ist. Viele positive Aspekte des Vorgängermodells, wie z.B. die Förderung der Individualität und der respektvolle Umgang mit Kindern etc., werden dabei übernommen und weiterentwickelt.
Text: K. D. / Stand: 27.04.2017

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