Entwicklung des Sehvermögens beim Baby und bei Kindern

Text: K. L. (Stillberaterin und Mutter) / Letzte Aktualisierung: 28.04.2026

Entwicklung des Sehvermögens bei Babys und Kindern
Die Entwicklung des Sehvermögens beim Baby und bei Kindern - Foto: © Renata Osinska - stock.adobe.com

So lernen Kinder sehen

Das Sehen ist ein wichtiger Sinn, mit dem schon Babys Informationen aus der Umwelt aufnehmen. Ein Neugeborenes sieht die Welt allerdings noch verschwommen und ist nicht in der Lage, Dinge, die weiter als 20 - 30 cm von ihm entfernt sind, zu erkennen. Im Laufe der ersten drei Jahre reift die Sehfähigkeit entscheidend heran und Eltern können ihr Kleines dabei durch ihr Verhalten und durch ausgewähltes Spielzeug gut unterstützen.

Das Sehvermögen beim Baby

Erblickt ein Baby das Licht der Welt, so kann es vor allem Hell-Dunkel-Kontraste unterscheiden. Es findet die Brustwarze der Mutter, welche aus diesem Grund bereits während der Schwangerschaft deutlich stärker pigmentiert wird. Eltern oder andere Bezugspersonen sollten dem Baby stets recht nah sein, denn so kann es deren Gesichter erkennen. Aber das Sehvermögen beim Baby entwickelt sich sehr schnell! Mit etwa 1 oder 2 Monaten kann das Baby mit beiden Augen fokussieren und Gegenstände mit den Augen verfolgen. Jetzt beginnt es auch, Farbunterschiede und Farbabstufungen differenzierter wahrzunehmen. Mit etwa 7 Monaten ist das Baby dann in der Lage, auch weiter entfernte Dinge deutlich zu erkennen. Eltern bemerken diesen Entwicklungsschritt daran, dass das Kleine seine Arme nach bestimmten Dingen ausstreckt. Jetzt benutzt es auch seine Augen, um ganz gezielt Neues zu entdecken und so seine Welt immer mehr zu erforschen. Um den 1. Geburtstag herum erreicht die Sehfähigkeit etwa 50 % der eines Erwachsenen. Sinnvolles Babyspielzeug unterstützt das Sehen lernen.

Sehvermögen bei Kindern erst mit 10 - 12 Jahren ausgereift

Auch im 2. und im 3. Lebensjahr nimmt die Sehschärfe immer weiter zu - allerdings verläuft die Entwicklung nun langsamer als in den ersten 12 Monaten. Parallel dazu - beginnend etwa ab dem 6. Lebensmonat - entwickelt sich das räumliche, dreidimensionale Sehen. Es ist davon auszugehen, dass ein Kind mit dem Eintritt in die Grundschule in diesem Bereich dieselben Fähigkeiten wie ein Erwachsener besitzt. Das Gesichtsfeld ist allerdings noch immer seitlich bis zu 30 % eingeschränkt. Dies gibt sich erst mit etwa 10 bis 12 Jahren. Nun wird das Kind auch als verkehrstauglich bezeichnet. Es ist beispielsweise in der Lage zu erkennen, ob zwei unterschiedlich große Fahrzeuge gleich weit voneinander entfernt sind.

Sehprobleme rechtzeitig erkennen

Der Reifungsprozess des Sehvermögens ist eine sehr sensible Phase. Verschiedene Sehfehler (beispielsweise Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder das Schielen) können die Entwicklung des Sehvermögens stören und auch zu Problemen in anderen Entwicklungsbereichen führen. (Infos über Kinderbrillen) Daher ist es so wichtig, den Nachwuchs bereits in jungen Jahren regelmäßig einem auf Kinder- und Jugendliche spezialisierten Augenarzt vorzustellen. Eventuelle Sehstörungen können so rechtzeitig erkannt und korrigiert werden. Spätestens mit zwei Jahren sollte jedes Kind augenärztlich untersucht worden sein - bei Augenerkrankungen innerhalb der Familie, bei einer Frühgeburt oder einer bestehenden Entwicklungsverzögerung bereits zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Auffälligkeiten, wie etwa ein Fleck in der Pupille, Hängelid, Lichtempfindlichkeit, Zukneifen des Auges oder Augenzittern bedürfen dagegen einer sofortigen ärztlichen Untersuchung.

Eltern können die Sehentwicklung fördern

Genauso wichtig wie das "Bad in der Sprache" ist es, dem heranwachsenden Kind unterschiedliche Sehreize zu vermitteln. Direkt nach der Geburt sowie in den ersten Lebensmonaten wird es vor allem das Gesicht der Eltern sein, was es zu erkunden gibt. Doch schon bald findet das Baby Gefallen daran, wenn sich Gegenstände vor seinem Gesicht bewegen und es diese mit den Augen verfolgen kann. Dies müssen nicht unbedingt bestimmte Spielzeuge für Babys sein - genauso gut eignen sich dazu auch Haushaltsgegenstände, wie ein farbenfroher Schöpflöffel oder bunte Klammern. Primärfarben und später auch Pastellfarben helfen dem Nachwuchs dabei, verschiedene Farben zu differenzieren. Bunte Mobile, große Bilderbücher oder Tücher in verschiedenen Farben regen ebenfalls das Sehvermögen an. Später kommen dann Wimmelbücher hinzu, welche nicht nur das Kind zum Sehen auffordern, sondern auch dessen Konzentrationsfähigkeit steigern.

Bildschirmzeit und Sehvermögen

Tablets, Smartphones und Fernseher sind aus dem Familienalltag nicht mehr wegzudenken - das Sehvermögen von Kindern wird dadurch aber stärker beansprucht als je zuvor. Studien zeigen, dass langes Schauen auf nahe Bildschirme die Entwicklung von Kurzsichtigkeit begünstigen kann. Faustregeln helfen weiter: Für Kinder unter 3 Jahren möglichst gar keine Bildschirmzeit, im Kindergartenalter höchstens 30 Minuten am Tag und für Grundschulkinder etwa 60 Minuten - mit ausreichend Pausen und täglichem Aufenthalt im Freien. Tageslicht ist nach aktuellem Forschungsstand der wichtigste Schutzfaktor gegen Kurzsichtigkeit.
Fällt Ihnen auf, dass Ihr Kind den Kopf beim Lesen oder Fernsehen schief hält, ständig die Augen zusammenkneift, sich an den Bildschirm setzt oder über Kopfschmerzen klagt, sollten Sie einen Termin beim Augenarzt vereinbaren. Eine erste Brille im Vor- oder Grundschulalter ist heute keine Seltenheit - wichtig ist nur, dass sie passt und vom Kind akzeptiert wird.

Häufige Fragen zum Sehvermögen bei Kindern

Wann sollte mein Kind zum Augenarzt?

Spätestens mit zwei Jahren sollte jedes Kind augenärztlich untersucht worden sein. Bei Augenerkrankungen in der Familie, Frühgeburten oder Entwicklungsverzögerungen bereits zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Auffälligkeiten wie ein Fleck in der Pupille, hängendes Lid oder ständiges Augenkneifen sollten sofort untersucht werden.

Wie viel Bildschirmzeit ist für die Augen okay?

Unter 3 Jahren möglichst gar keine, im Kindergartenalter etwa 30 Minuten und im Grundschulalter rund 60 Minuten täglich. Wichtig sind Pausen und ausreichend Tageslicht im Freien - das schützt nachweislich vor Kurzsichtigkeit.

Wann erkennt man Schielen bei Kindern?

Leichtes Schielen kann bei Babys in den ersten Lebensmonaten normal sein. Ab dem 6. Lebensmonat sollten die Augen jedoch koordiniert arbeiten. Anhaltendes oder einseitiges Schielen gehört zwingend zum Augenarzt - unbehandelt kann eine bleibende Sehschwäche entstehen.

Wie kann ich die Sehentwicklung meines Kindes fördern?

Bewegte Mobiles, Bilderbücher mit klaren Kontrasten, bunte Spielsachen und später Wimmelbücher fordern das Sehen. Genauso wichtig: täglich raus an die frische Luft, denn Tageslicht und der Blick in die Ferne entlasten die Augen und beugen Kurzsichtigkeit vor.

Entwicklung des Kindes:

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