Emotionale / Soziale Entwicklung des Kindes

Baby lächelt Mutter an
Die emotionale Entwicklung des Kindes beginnt im Säuglingsalter - Foto: © Alexandr Vasilyev

Wichtige Entwicklungsschritte der sozialen & emotionalen Entwicklung

Bevor ein Mensch mit einer gesunden Persönlichkeit durchs Leben schreitet, bewältigt er eine umfangreiche sozial-emotionale Entwicklung.

Wertvolle Grundsteine dafür legen die Eltern bereits im ersten Lebensjahr. Charakterzüge wie Selbstbewusstsein, Kreativität, Vertrauen oder Selbstkritik stehen nur beispielhaft für die sozial-emotionale Entwicklung, die im Kindesalter stattfindet.
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Das erste Lebensjahr: Vertrauen erlernen, Misstrauen erleben

Neugeborene sind auf die Fürsorge und Geborgenheit ihrer Eltern angewiesen. Indem diese ihre Bedürfnisse befriedigen, entwickeln die Kinder ihnen gegenüber ein Urvertrauen. Dieses Gefühl ist eine wichtige Basis für zahlreiche weitere Schritte in der sozial-emotionalen Entwicklung eines Menschen. Nach und nach wird das erlernte Urvertrauen durch Phasen des Misstrauens erschüttert, etwa wenn der Vater oder die Mutter ab und zu abwesend sind oder sich anderen Dingen widmen, als der Befriedigung der Bedürfnisse des Babys. Indem die Kleinen diese Unterschiede erlernen und erleben, entwickeln sie ein grundlegendes Sicherheitsbewusstsein, welches sie bis ins Erwachsenenleben begleitet.

Das zweite Lebensjahr: Ich mag autonom werden.

Bereits nach dem ersten Geburtstag beginnen die Kleinkinder damit, ihr eigenes Ich weiter zu formen. Sie versuchen sich schrittweise von der Mutter zu emanzipieren und mehr und mehr Autonomie einzufordern. Mit großer Verwunderung stellen sie fest, dass es außer ihnen auch noch andere Persönlichkeiten gibt. Das Durchsetzen des eigenen Willens steht im Vordergrund, wobei das Kind bereits jetzt beginnt, seine Wünsche selbst zu beschränken. Obwohl ein einjähriges Kind im Verlauf des zweiten Lebensjahres entdeckt, dass es selbst handelnd Dinge verursachen kann, steht die schützende Beziehung zu den Eltern weiterhin im Vordergrund seines Lebens.
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Das dritte Lebensjahr: Ich will aber...

Standen bis vor kurzem noch die Eltern im Mittelpunkt, baut ein Kind im dritten Lebensjahr nun auch Vertrauensbeziehungen zu anderen Erwachsenen auf. Fortan benennt es sich selbst mit "Ich". Dieser riesige Schritt in der Entwicklung zeigt sich auch darin, dass es mit starker Willenskraft sowohl im Spiel mit Gleichaltrigen als auch gegenüber den Eltern versucht, die eigenen Wünsche und Interessen durchzusetzen. Außerdem kommentiert das Kind sein ästhetisches Empfinden mit Worten wie "schön, igitt, toll, bäh" usw. Ab zweieinhalb Jahren äußert es außerdem seine Gefühle. Es herzt andere Kinder oder Tiere, zeigt Vorlieben oder Abneigungen gegenüber anderen Menschen. Das Spielen allein weicht nun dem Spaß mit ein oder zwei weiteren Kindern, denen es durchaus auch kooperativ zur Seite steht. Zudem verfügt es bereits jetzt über erste Fähigkeiten, sich höflich und taktvoll bzw. rücksichtsvoll zu verhalten.

Das vierte Lebensjahr: Rollenspiele kommen in Mode

Die Hochphase der Prinzessinnen-, Ritter- oder Piratenspiele beginnt. Vor allem aber stellen Kinder diesen Alters Familiensituationen nach, die sie durchaus planen und organisieren. Die Freunde, mit denen sie länger gemeinsam spielen wollen, wählen sie bereits aus. Hier und da erzählen die Kinder zudem schon einen Witz, denn sie haben den Humor für sich entdeckt. Sie sind weiterhin in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse bereits zugunsten anderer zurückzustellen. Immer öfter erkennen die Eltern bei ihren Sprösslingen, dass diese Scham empfinden und zeigen. Vielleicht malt oder bastelt das Kind nun besonders viel für die Eltern, denn es genießt das Gefühl, anderen eine Freude zu bereiten. An dem Gebastelten hängt es sehr und besteht gern darauf, dass es sorgfältig verwahrt wird. Stellen sich bei einem Dreijährigen negative Gefühle ein, kann es diese durchaus einordnen und teilweise kontrollieren.
Spielen mit Kindern im Alter von 3,5 bis 6 Jahre

Das fünfte Lebensjahr: Mein Phantasiefreund

Der Weihnachtsmann, der Osterhase oder Hexen und Feen prägen diese Zeit der kindlichen Entwicklung sehr. Mit vier Jahren tritt die sogenannte "Magische Phase" in ihren Zenit. Sie begann oftmals bereits im dritten Lebensjahr, kann jedoch bis zum sechsten ohne weiteres anhalten. Das Kind erklärt sich dabei auch Alltagssituationen, indem es magisch-logische Erläuterungen entwickelt (Das Auto schläft in der Garage, weil es erschöpft vom Fahren ist. Oder auch: Der Hund der Familie ist krank, weil ich böse war.) Dieses Verschmelzen von Realität und Phantasie hilft den Kindern dabei, ihre Ängste zu bewältigen (Angst bei Kindern) und ist vollkommen normal. Im Spiel mit anderen Kindern tauschen Mädchen und Jungen diesen Alters gern ihre Spielsachen und suchen gemeinsam nach Lösungen für Probleme. Oftmals bilden sie kleine Gruppen von 3 bis 4 Kindern und versuchen für das eigenen Handeln immer öfter Eigenverantwortung zu übernehmen. Dabei unterscheiden sie unterdessen sehr genau, ob sie selbst etwas absichtlich oder unabsichtlich getan haben. Ihr Gewissen und das Gefühl der Schuld wenden sie immer sicherer an. Erleben die Kinder Misserfolge, versuchen sie die Konsequenzen daraus für die Zukunft abzuschätzen. Auch die moralische Bewertung von erlebten Situationen kristallisiert sich in ihrem Verhalten heraus. Dabei hilft es ihnen, dass sie die Mimik und Gestik anderer Personen identifizieren sowie nachahmen können.

Das sechste Lebensjahr: Ich bin fleißig.

Spielen allein reicht vielen Kindern in diesem Alter nicht mehr aus. Sie möchten etwas Nützliches erschaffen, helfen und etwas kreativ bewirken. Sie lernen, dass sie Anerkennung für Geleistetes erhalten und möchten erfolgreich sein. Sie beobachten genau und hinterfragen vieles, um etwa mehr über die Kindheit der Erwachsenen zu erfahren. Zudem erkennen sie deutlicher die eigene Identität und stellen Fragen zum Thema Tod, auch ohne dass ein Anlass innerhalb der Familie vorliegt. Immer stärker prägt sich ihr Gerechtigkeitssinn aus. Gefühle werden Ereignissen und Situationen sicherer zugeordnet und entsprechend einfach artikuliert. Meist äußert ein Kind bereits vor seiner Handlung, welche Konsequenzen dieser folgen werden. Darüber hinaus verbalisieren Kinder Konfliktlösungen in der sozialen Gruppe. Vorsatz und eventuelle Versehen anderer Personen schätzt es meist sehr gut ein.
Wie mit wissbegierigen Kindern umgehen?

Wie in zahlreichen anderen Bereichen der kindlichen Entwicklung gehen die unterschiedlichen Gebiete fließend ineinander über und beeinflussen sich gegenseitig. So ist die sozial-emotionale Entwicklung unter anderem eng verknüpft mit der geistigen, der motorischen oder der sprachlichen Entwicklung eines Kindes.
Text: C. D. / Stand: 27.07.2019

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