Therapiemöglichkeiten bei Ängsten und Panikattacken

Ein ängstlicher Mann bei der Psychotherapie
Eine Psychotherapie kann bei Ängsten helfen
Foto: © Gabriel Blaj

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Angsttherapie - Die Möglichkeiten:

Ängste und Panikattacken sind weit verbreitet. Die verschiedensten körperlichen Symptome in Verbindung mit angstvollen Gedanken können den Alltag der Betroffenen so stark einschränken, dass es ihnen fast unmöglich sein kann, ein normales Leben zu führen. Jeder, der unter Ängsten leidet, kennt die damit verbundenen Einschränkungen und weiß von dem Leidensdruck, der zentnerschwer auf der Seele lastet. Die gute Nachricht: niemand muss diese belastenden Zustände einfach so hinnehmen. Mit einer auf den Patienten abgestimmten Psychotherapie - eventuell in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung - können die Betroffenen lernen, den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen und ihr Leben wieder zu genießen.
Welche Angsttherapie die richtige für Sie ist sollten Sie zusammen mit Ihrem Arzt festlegen!

Psychotherapie - professionelle therapeutische Hilfe

Die Angst und somit sein Leben wieder in den Griff zu bekommen - das ist das Ziel einer Psychotherapie. Genauso wie man zum Chirurgen geht, wenn man sich ein Bein gebrochen hat, so kann man einen Psychotherapeuten aufsuchen, wenn die Seele weint. Doch noch immer scheuen sich viele Menschen vor diesem Schritt. Sie schämen sich und denken, dass sie ihre Probleme schon selbst in den Griff bekommen und dass es ein Zeichen von Schwäche ist, wenn sie Hilfe suchen. Doch eine passende Psychotherapie kann manchmal schon in relativ kurzer Zeit erste Erfolge zeigen und die lästigen Angstsymptome lindern. Falsche Denkmuster lassen sich zudem besser auflösen, je eher sich Betroffene in Behandlung geben. Folgende Therapiemöglichkeiten können bei einer Angststörung hilfreich sein:

Psychoanalyse - Tiefenpsychologische Therapie - Gesprächstherapie

Was steckt hinter meinen Ängsten? Worin liegen meine Probleme begründet? Welche Verhaltensmuster habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet? Eine tiefenpsychologische Therapie (auch als Psychoanalyse bezeichnet) kann sinnvoll sein, wenn der Patient überhaupt nicht weiß, welchen Hintergrund und welche Funktion seine Angst hat. Er lernt hier, ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge seiner Problematik zu entwickelt und in diesem Kontext neue Denkmuster herauszuarbeiten. Therapien, bei denen das Gespräch zwischen dem Therapeuten und den Patienten im Vordergrund steht, bezeichnet man als Gesprächstherapien. Neben der Verhaltenstherapie ist diese Therapieform die am häufigsten verbreitete Behandlungsmethode bei Angst- und Panikstörungen.

Verhaltenstherapie und ACT (Akzeptanz- und Commitment- Therapie)

Leben im Hier und Jetzt und sich ganz bewusst über seine Gedanken, Gefühle und Handlungen klar werden - das ist das Konzept der Verhaltenstherapie. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern, aber in der Gegenwart hat jeder Mensch die Chance, sein Leben neu zu schreiben. Besonders bei Phobien und Panikstörungen hat sich eine Verhaltenstherapie bewährt, welche neben den Therapeut-Klient-Gesprächen auch Elemente der Konfrontationstherapie enthält. Der größten Angst Auge in Auge gegenüberstehen und alle aufkommenden Gefühle aushalten - nur so merkt der Patient, dass nicht das eintritt, was er so sehr fürchtet. Eine solche Therapie ist sehr anstrengend und erfordert jede Menge Mut, doch sie hat sich bei der Behandlung von Ängsten und Phobien als sehr effektiv erwiesen. Eine relativ neue Form der Verhaltenstherapie ist die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Hier lernt der Patient, seine Gedanken und Gefühle wertfrei zu betrachten und ganz in Achtsamkeit im Augenblick zu sein. Ziel ist es, das Leben nach seinen eigenen Werten auszurichten - und sich von der Angst nicht vom Weg abbringen zu lassen.

Medikamente gegen die Angst

Manchmal ist die Angst so stark, dass gar nichts mehr geht. Wer nicht mehr in der Lage ist das Haus zu verlassen oder wen die Ängste so stark beuteln, dass er kein normales Leben mehr führen kann, dem hilft oftmals nur noch eine medikamentöse Behandlung. Ein guter Psychiater wird niemals leichtfertig angstlösende Medikamente verschreiben, sondern immer genau abwägen, ob dieser Schritt wirklich notwendig ist. Vielfach dienen Medikamente in erster Linie dazu, den Patienten wieder handlungs- und therapiefähig zu machen. Unterstützend zu einer geeigneten Psychotherapie können sie über einen gewissen Zeitraum hinweg durchaus sinnvoll sein.

Antidepressiva

Die eigentlich zur Behandlung von Depressionen entwickelten Antidepressiva haben sich auch bei Angst- und Panikstörungen sehr gut bewährt. Antidepressiva entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst nach ca. 3 bis 4 Wochen. In der ersten Zeit können unangenehme Nebenwirkungen auftreten, welche sich jedoch in Grenzen halten, wenn mit einer sehr kleinen Dosis des Medikamentes begonnen wird. Auch wenn es oftmals leider noch anders behauptet wird: Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie sollten jedoch am Ende der Angsttherapie langsam ausgeschlichen werden, da es sonst zu so genannten Absetzerscheinungen kommen kann.

Beruhigungsmittel zur Angsttherapie

Beruhigungsmittel sind zur Dauerbehandlung von Angstpatienten nicht geeignet. Sie machen sehr leicht abhängig, so dass die Betroffenen immer mehr von diesem Medikament benötigen, um eine gewissen Wirkung zu erzielen. In Akutsituationen kann manchmal die Einnahme eines Beruhigungsmittels angezeigt sein. Ebenso, um in den ersten Wochen der Einnahme eines Antidepressiva die unerwünschten Nebenwirkungen zu reduzieren.

Pflanzliche Präparate

Baldrian und Hopfen haben eine beruhigende Wirkung. Johanniskrautpräparate wirken bei leichten Ängsten sehr gut, wenn sie hoch dosiert und über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Medikamente mit Lavendel können dabei helfen, den inneren Gedankenstrom zu unterbrechen. Auch eine homöopathische Behandlung kann wirkungsvoll sein, sollte jedoch immer von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.
Text: K. L. / Stand: 02.06.2020

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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