Soziale Phobie

Eine Frau mit sozialer Phobie
"Was denken die anderen von mir?" - Eine typische Frage aller, die unter sozialer Phobie leiden. - Foto: © olly


Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Die Angst vor anderen Menschen

Herr Thomas, 45 Jahre, ist ein angesehener Mitarbeiter und schon seit vielen Jahren im selben Unternehmen tätig. Trotzdem zweifelt er ständig an sich und seinen Fähigkeiten. Er hat Angst, dass andere bei ihm Schwächen entdecken und seine Unsicherheit bemerken könnten. Beim Mittagessen mit den Kollegen fürchtet er sich davor, zu zittern und den Kaffee zu verschütten. Es ist ihm peinlich, wenn er im Gespräch nicht gleich eine Antwort findet oder wenn ihm keine passende Bemerkung zu einem Thema einfällt. Auch im privaten Bereich zeigen sich die sozialen Ängste von Herrn Thomas deutlich: er vermeidet engere Kontakte zu Menschen, die er mag, da er Bedenken hat, dass diese ihn nicht mehr gut finden könnten, wenn sie seine Angst bemerken. Die Suche nach einer neuen Partnerschaft ist ebenfalls erfolglos, da Herr Thomas viel zu viel Angst hat, einer Frau näher zu kommen und sich dabei unter Umständen blamiert.

Symptome der sozialen Phobie - Was denken die anderen nur von mir?

In unserer heutigen sehr leistungsorientierten Zeit sind soziale Ängste an der Tagesordnung. Nur wer gut ist, cool rüberkommt und keine Schwäche zeigt, der entspricht dem Idealbild unserer Gesellschaft - so zumindest bekommen wir es tagtäglich suggeriert. Die Realität sieht jedoch wie so oft anders aus. Durch den Druck, alles richtig machen zu müssen, entstehen nicht selten Ängste und Unsicherheiten, welche sich schnell zu einer richtigen sozialen Phobie auswachsen können. Menschen mit sozialen Ängsten fürchten sich davor, im Mittelpunkt zu stehen und von anderen bewertet zu werden. Wohl jeder von uns kennt das Lampenfieber, welches einen vor einer Prüfung oder einer Rede ereilt. Und auch die ganz normale Schüchternheit, zum Beispiel beim ersten Date, ist weit verbreitet. Die soziale Phobie jedoch schränkt die Betroffenen in deutliche mehr Lebensbereichen ein und belastet diese auf psychischer Ebene enorm. Sie kann von Zittern, Erröten, Schwitzen, Harn- oder Stuhldrang und der Angst zu Erbrechen begleitet sein. Hinzu kommt ein sich ständig drehendes Gedankenkarusell: "Werden die anderen meine Unsicherheit merken?"; "Benehme ich mich auch ja nicht unpassend?"; "Was denken die anderen nur von mir?".

Typische Situationen, welche für Menschen mit sozialen Ängsten schwierig sind:

  • Essen und Trinken in Gesellschaft (Angst vor Zittern)
  • eine Rede oder einen Vortrag halten
  • vor anderen Menschen eine Unterschrift leisten (Angst vor Zittern)
  • Bewerbungsgespräche
  • Tests und Leistungskontrollen
  • in einer Runde vor anderen sprechen
  • öffentliche Toiletten besuchen
  • bei der Arbeit beobachtet zu werden
  • neue Kontakte knüpfen, besonders in Zusammenhang mit dem anderen Geschlecht
  • telefonischen Kontakt aufnehmen
  • mit Fremden zusammensein (Fahrstuhl, öffentliche Verkehrsmittel)

Ursachen - Immer einen guten Eindruck machen müssen

Sozialphobiker stehen unter den ständigen Druck, ja nicht aufzufallen und sich bloß nicht zu blamieren. Sie beobachten sich permanent selber und bemühen sich krampfhaft, dem Bild zu entsprechen, welches der Andere von ihnen (angeblich) hat. Das dabei jegliche Spontaneität auf der Strecke bleibt ist keine Frage. Je mehr die betreffenden Personen bestrebt sind, sich unauffällig zu verhalten, desto eher kann es passieren, dass sie als unbeholfen oder seltsam beim Gegenüber ankommen. Das wiederum verstärkt ihre sozialen Ängste weiter und schon befinden sie sich mittendrin im Teufelskreis der Angst. Nicht selten greifen Betroffene zum Alkohol, in der Hoffnung, so lockerer zu werden. Auch Beruhigungs- oder Aufputschmittel werden von einigen sozial ängstlichen Menschen konsumiert, um ihre innere Annspannung und Angst zu lösen. Manche von ihnen haben im Laufe der Zeit ausgeklügelte Techniken entwickelt, um die Angst vor dem anderen in Schach zu halten. So kann beispielsweise ein permanenter Rededrang als Sicherheitsverhalten angesehen werden. Und auch die Vermeidung bestimmter Situationen ist typisch für Menschen mit einer sozialen Phobie.

Therapie - Selbstsicherheit und Selbstvertrauen können wachsen

Die Angst vor der Bewertung durch Andere - ihre Ursache liegt in einem Mangel an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Nur wer sich seiner selbst bewusst ist, der muss keine Angst vor Kritik oder Bewertung haben. Doch sich selbst so anzunehmen wie man ist, mit all seinen Stärken und Schwächen, das ist leichter gesagt als getan. Ein spezielles Selbstsicherheitstraining kann die Betroffenen stärken und ihnen helfen, für sich und ihre Interessen einzutreten. Daneben führt an der Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen leider kein Weg vorbei. Was passiert denn wirklich, wenn Sie im Restaurant durch Ihr Zittern den Kaffee verschütten oder wenn Ihnen die Gabel herunterfällt? Ist es so schlimm, während einer Rede den Faden zu verlieren oder im Zusammentreffen mit anderen zu erröten? Sind Ihre sozialen Ängste sehr stark, so kann eine (Verhaltens-) Therapie bei einem Psychologen den Weg hinein in ein normales Leben ebnen. Mit fachkundiger Unterstützung blicken Sie gemeinsam auf die Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren der sozialen Phobie und erlernen Techniken, wie Sie den Teufelskreis der Angst durchbrechen können.
Text: K. L. / Stand: 19.10.2020

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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