Trennungsangst bei Kindern

Ein Junge hat Angst vor dem Alleinsein
Wie können Eltern ihrem Kind die Angst vor dem
Alleinsein nehmen? - Foto: © kfleen


Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Angst vor dem Alleinsein

Die meisten Erwachsenen sind ganz gern mal allein. Fernab von Beruf und Familie einfach mal die Seele baumeln lassen, keine Konversation führen müssen und so richtig entspannen, ohne auf irgendjemanden Rücksicht nehmen zu müssen.

Ganz anders geht es den Kindern. Sind sie allein, so kommen ganz schnell Gefühle der Angst in ihnen hoch. Angst verlassen zu werden, keinen Beschützer zu haben und ganz auf sich allein gestellt zu sein. Angst, mit den eigenen Gefühlen konfrontiert zu werden und damit nicht zurecht zu kommen. Das ist verständlich, denn die Angst vor dem Alleinsein ist eine Urangst. Man denke nur an die Steinzeitmenschen. Ohne Gemeinschaft wären sie Feinden gegenüber machtlos gewesen und nur im Verband war ihr Leben zu meistern. Natürlich überfallen uns in unserer zivilisierten Welt keine wilden Tiere mehr und wir können auch ganz gut einige Zeit ohne andere Mitmenschen leben. Doch die Angst vor dem Alleinsein haftet vielen von uns immer noch an.

Dass diese Angst vor allem bei Kindern auftritt, ist kein Zufall. Kinder können Situationen noch nicht so gut einschätzen und auch das Zeitgefühl entwickelt sich erst mit den Jahren. Fünf Minuten können für einen 3-jährigen eine halbe Ewigkeit bedeuten und eine Zeitspanne von zwei Wochen ist selbst für einen Grundschüler kaum zu überblicken. Erst mit zunehmender Lebenserfahrung merken Kinder, dass Mama und Papa doch wiederkommen und sie niemals allein zurücklassen werden.

Wenn Kinder Angst vor dem Alleinsein haben

Doch was sind die typischen Angstsituationen in diesem Zusammenhang? Besonders für kleinere Kinder bedeutet es eine große Herausforderung im eigenen Zimmer zu schlafen. Zu der Angst allein zu sein kommt hier noch die Angst vor der Dunkelheit in der Nacht. Einfühlsame Eltern muten ihrem Kind daher diesen Schritt erst dann zu, wenn es wirklich bereit dafür ist. Oder sie geben ihm kleine Hilfen, indem das Nachtlicht in der Steckdose leuchten darf oder die Tür zum Flur geöffnet ist.

Eine weitere Situation, die Kindern Probleme bereiten kann, ist die Eingewöhnung in den Kindergarten. Natürlich sind die Kinder da nicht allein - schließlich ist die gesamte Gruppe nebst Erzieherinnen anwesend. Doch ist der Nachwuchs von den Eltern getrennt und genau diese Tatsache ist es, welche die Kleinen ängstigt. Besonders schwer haben es Kinder, die bisher nur am Rockzipfel der Mutter hangen und kaum die Gelegenheit hatten, anderweitige Kontakte zu pflegen. Eine sanfte Eingewöhnung, in der Mutter und Kind die Zeit für diesen Abnablungsprozess bekommen, die sie benötigen, kann hier der Schlüssel zum Erfolg sein.

Manche Situationen jedoch sind nicht vorhersehbar. Muss ein Kind plötzlich ins Krankenhaus, so bleibt keine Zeit für lange einfühlsame Gespräche und Erklärungen. Bei kleineren Kindern darf in der Regel eine Begleitperson mit aufgenommen werden und kann so Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Größere Kinder müssen mit solch einer Situation allein zurecht kommen. Ihnen hilft es aber sehr, wenn Eltern, Verwandte oder Freunde regelmäßig auf einen Krankenbesuch vorbeischauen. Auch Telefonate oder Bilder von zu Hause können das Gefühl des Alleinseins mildern.

Trennungsangst bei Kindern - Wie können Eltern helfen?

Die Angst vor dem Alleinsein ist die Angst verlassen zu werden. Das Gegengewicht dazu heißt Vertrauen. Und dieses Vertrauen wächst über die Jahre hinweg. Natürlich nur dann, wenn das Kind von den Eltern - seinen stärksten Bezugspersonen - immer wieder erlebt, dass es sich hundertprozentig auf sie verlassen kann. Und dieser Prozess beginnt bereits in den ersten Lebenstagen. Ein Neugeborenes, welches die Nächte allein im Kinderzimmer der Klinik verbringen muss, wird schon hier seine Mutter schmerzlich vermissen. Und ein Kind, welches erlebt, dass sein Papa sich heimlich aus der Kindergartengruppe schleicht, um so einen tränenreichen Abschied zu verhindern, das wird sich mehr als im Stich gelassen fühlen.

Nicht immer lassen sich die Ursachen der kindlichen Ängste erkennen und oftmals ist es auch gar nicht notwendig sie zu hinterfragen. Entscheidend ist die Reaktion der Eltern auf die Angst des Kindes bezüglich des Alleinseins. In erster Linie möchte das Kind ernst genommen werden. Es braucht einen, der ihm zuhört und es tröstend in den Arm nimmt. Jemanden, der seine Tränen trocknet und einfühlsam mit ihm spricht. Und ein ängstliches Kind braucht auch immer Ermutigung. Angst kann man nur überwinden, wenn man bereit ist, ein Risiko einzugehen. Und gerade für recht junge Kinder bewährt sich hier die Theorie der kleinen Schritte. Die Devise heißt Mut machen aber nicht überfordern. Regelmäßige Kontakte zu Gleichaltrigen geben dem Kind die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern und nicht übermäßig stark auf die Eltern fixiert zu sein. Gelingt dies, so wird sich ein Kind auch allein weniger ängstigen, da es bereits ein gewisses Selbstbewusstsein aufbauen konnte.

Generell sollten Eltern ihren Nachwuchs nicht allein lassen, wenn sie spüren, dass ihr Kind dazu noch gar nicht bereit ist. Und wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, so ist zu empfehlen, dass sie zumindest telefonisch jederzeit erreichbar sind. Ein Babysitter in der Wohnung oder die nette Nachbarin von nebenan, welche ein Auge auf die Kids hat, wenn die Eltern beispielsweise im Theater sind, geben Sicherheit und das Gefühl, immer einen Ansprechpartner zu haben.

Gegen die Angst des Kindes vor dem Alleinsein ist eine intakte Eltern-Kind-Beziehung die beste Medizin. Ohne Vertrauen, Geborgenheit und Liebe kann die kleine Seele für immer verletzt werden. Dessen sollten sich alle Eltern bewusst sein.
Text: K. L. / Stand: 06.10.2018

Kinder allein zu Hause lassen - Wie können Eltern sie darauf vorbereiten und ab welchem Alter ist das ratsam?

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

Weitere Gesundheitsthemen