Alleinerziehend - Eine Familienform mit Zukunft?

Vater mit seinen Töchtern
Ein alleinerziehender Vater - Foto: © Kzenon

Mutter - Vater - Kind - Spiele sind wichtig für Kinder. Innerhalb dieser Rollenspiele lernen unsere Kinder soziale Strukturen kennen und verarbeiten auf gleichem Wege ihre eigenen Familienerlebnisse. Doch heutzutage hat sich das klassische Familienbild verändert. Es existieren nicht mehr ausschließlich die althergebrachten Gefüge einer Standardfamilie, wie es noch in den fünfziger Jahren als konventionell galt. Zunehmend prägen Einelternfamilien unser Gesellschaftsbild. Mit der neuen Form der Familie müssen nicht nur die Erziehenden umzugehen wissen, auch die Kinder sind gezwungen, ein neues Bild Ihrer eigenen Familie zu definieren.

So schnell wird man alleinerziehend

Schätzungsweise mehr als 20 % der Kinder haben Ihren Lebensmittelpunkt bei nur einem der beiden Elternteile, Tendenz steigend.

Stempel Alleinerziehend
Viele haben Vorurteile bei Alleinerziehenden
Foto: © mopsgrafik
Die Gründe für diese neue Lebensform sind vielseitig. Die wenigsten Menschen planen, ohne Partner ein Kind großzuziehen. Sie geraten erst durch eine Trennung oder Scheidung vom Lebensgefährten oder schlimmstenfalls durch Verwitwung in diese nicht einfache Situation. Die Partner in einer Beziehung gehen sicher nicht leichtfertig das Risiko einer Trennung ein, wenn Ihnen bewusst ist, dass sie auch für ein oder mehrere Kinder die Verantwortung tragen. Vielmehr sehen sich die Betroffenen der neuen Situation ausgeliefert. Und das ständige Gefühl der Angst schwebt über Ihnen. Lesen Sie auch: Wie kann man Kindern den neuen Partner vorstellen?

Ca. 90 % der Alleinerziehenden sind Frauen. Man könnte es sich einfach machen und behaupten, verantwortungslose Väter sind die Hauptursache. Die von Männern dominierte Wirtschaft erschwere es den Frauen noch viel mehr und das gesellschaftliche Ansehen von Einelternfamilien bedarf dringend der Verbesserung. Vielmehr ist es so, dass - von schwarzen Schafen einmal abgesehen - Väter sich durchaus um Ihre Kinder kümmern, dass das oder die Kinder jedoch ihren Lebensmittelpunkt bei der Mutter haben.

Probleme alleinerziehender Eltern

Angesichts der Problematik der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und der Schwierigkeit der passenden Kinderbetreuung, geraten vor allem alleinerziehende Frauen häufig in finanzielle Bedrängnisse. Trotz Unterhalt und Kindergeld schaffen es manche Frauen nicht, allein für Ihr Kind aufzukommen. Mehr als 1/3 der Familien erhalten als Ergänzung finanzielle Hilfe vom Staat in Form eines Kinderzuschlages für Alleinerziehende und sind somit auf Sozialtransfers angewiesen. Alarmierend ist, dass Kinderarmut in Deutschland am häufigsten bei Alleinerziehenden auftritt. Das ist nur eines der Probleme, wenn auch das größte, mit denen sich Einelternfamilien konfrontiert sehen. Alleinerziehende fühlen sich schnell überfordert, Ihnen fehlt die Rückbestätigung in bestimmten Situationen durch den Partner und nicht selten fehlt außerdem einfach eine weitere Person zum Schlichten bei Konflikten. Durch die Doppelbelastung fürchten viele Eltern überdies, ihren Kindern nicht mehr gerecht werden zu können. Sie unterschätzen dabei ihre Fähigkeiten. Durch das Fehlen der zweiten Bezugsperson haben Kinder Alleinerziehender eine besonders enge Bindung an die Mutter oder den Vater. Eltern dürfen Ihre Kinder trotz allem nicht als Partnerersatz ansehen. Auch in Einelternfamilien sind Kinder emotional noch nicht in der Lage, Problemsituationen Erwachsener zu lösen. Kinder spüren die fehlende Harmonie und Ausgeglichenheit in ihren vertrauten Verhältnissen sehr schnell.

Damit Alleinerziehenden nicht in eine soziale Isolation abrutschen, sollten sie sich Rückbestätigung im Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis suchen und gegebenenfalls auch Unterstützung annehmen, wenn sie angeboten wird. Neben dem eigenen Kreis der Helfenden findet man in Erziehungsberatungsstellen zusätzliche Unterstützung. Mittlerweile wandeln sich die Ansichten der Bevölkerung über Alleinerziehende. Die Medien verarbeiten das Thema, die Wirtschaft stellt sich langsam auf die neue Familienform ein. Es ist nicht mehr unbedingt ein Makel, sein Kind ohne Partner großzuziehen. Die Einelternfamilien lernen über sich hinauszuwachsen, entdecken ganz neue Eigenschaften an sich selbst und genießen die neue Selbstständigkeit der einzelnen Mitglieder. Fast jede fünfte Familie in Deutschland ist eine Einelternfamilie. Sehen wir es doch einfach als Vorbild für eine neue Unabhängigkeit, auch wenn die Betroffenen eine Paarbeziehung sicherlich den Vorzug geben würden. Handelt es sich bei Alleinerziehenden also um eine Familienform mit Zukunft? Die Antwort liegt auf der Hand. Zweierbeziehungen mit Kind oder auch Kindern sind nicht das Auslaufmodell. Aber als unkonventionelles Phänomen können wir Alleinerziehende mit Kind auch nicht mehr bezeichnen. Die Hauptsache liegt doch darin, dass die Kinder und Erwachsenen in ihrer Form der Beziehung Zufriedenheit finden und glücklich sind. Wir passen nun mal nicht alle in ein Standardmodell.
Text: C. D. / Stand: 16.11.2017

Für Alleinerziehende haben wir ein Forum eingerichtet, in dem Sie sich austauschen können.

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