Großfamilie - Familie in XXL

Großfamilie mit drei Kindern
Eine Großfamilie mit drei Kindern - Foto: © Viktor Pravdica

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Eltern nur zu oft das Gefühl haben, Kinder seien nicht willkommen. Und geht es bereits Kleinfamilien so, dann lässt sich das Gefühl dafür in Großfamilien sicher noch steigern.

Ab wann Großfamilie?

Hat heute eine Familie mehr als drei Kinder, wird sie im Regelfall von Ihrer Umwelt in zwei "Schubladen" einsortiert. Entweder sie gelten als asozial oder werden einer Elite zugeordnet, die es sich leisten kann, mehr als zwei Kinder zu bekommen. Wer entscheidet sich schon freiwillig für mehr als drei Kinder? Selbst beim dritten Kind stoßen Eltern auf das Unverständnis Ihrer Mitmenschen. Sogar in den Reihen der eigenen Familie werden sie auf Grund Ihrer Entscheidung gerügt oder ausgeschlossen. Auf die Idee, eine Frau könne in Ihrer Mutterrolle aufgehen und sich darin bestätigt fühlen, kommen leider die Wenigsten.

Uns Deutschen ist es gegönnt, in einer Industrienation zu leben. Das bringt natürlich viele Vorteile mit sich. Aber wie wir aus unseren Erfahrungen gelernt haben, gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Kinderreiche Familien werden in Industrienationen immer weniger und Demographen befürchten das nahe Aussterben der Großfamilie, wenn nicht bald etwas unternommen wird. Die Zahl der Großfamilien ist bereits auf ca. 3% der Bevölkerung geschrumpft. In früheren Zeiten galten Kinder als Altersvorsorge für ihre Eltern. Was heute unzeitgemäß klingt, war damals überlebenswichtig. Und so ist es noch heute in armen und weniger entwickelten Nationen der Fall. Nach dem Aufkommen der Anti - Baby - Pille in den siebziger Jahren gingen die Geburtenraten rapide zurück, man spricht vom "Pillenknick" in der Alterspyramide. Noch eine weitere drastische Verringerung folgte nach der Wende in den neunziger Jahren.

Die Selbstbestimmung der Frau und die Möglichkeiten, Geburten zu kontrollieren, stehen in direktem Zusammenhang mit dem neuen Rollenverständnis der Frau. Als neues Ideal galt es, eine berufstätige Mutter zu sein. Die klassische Auffassung einer Mutter als Hausfrau, wurde fortan als abwertend empfunden. Diese Einstellung brachte uns an den traurigen Punkt, welchen wir heute erreicht haben: durchschnittlich 1,3 Kinder pro Frau. Die Folgen für die Wirtschaft und die Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung sind niederschmetternd und beklemmend.

Das Leben als Großfamilie

Eltern, die sich heutzutage trotz der wirtschaftlichen Situation und der negativen Grundeinstellung unserer Gesellschaft dennoch für mehr als drei Kinder entscheiden, stammen oft ebenfalls aus Großfamilien. Sie sehen nicht nur die Nachteile, sondern haben am eigenen Leib erfahren, dass die Vorteile bei weitem überwiegen. Kinder in einer Großfamilie wachsen wesentlich selbstständiger auf. Ihre älteren Geschwister nehmen die Kinder als Vorbilder wahr. Sie haben das Glück, nicht nur Ihre Eltern als Bezugspersonen zu kennen. So erlangen Sie deutlich mehr soziale Kompetenz als gleichaltrige Einzelkinder. Die frühe Selbstständigkeit der Kinder ist in Großfamilien auch absolut nötig. Sonst wäre der Alltag der vielen Familienmitglieder organisatorisch nicht möglich. Jeder übernimmt Aufgaben des Alltags, je nach Alter hilft jeder mit. Eine Mutter kann sich nicht gleichzeitig darum kümmern, zwei Kindern beim Zähneputzen zu helfen, nebenbei die Schultaschen der zwei älteren zu kontrollieren und währenddessen noch den Tisch für sechs Personen zu decken. Was für eine Hausfrau im Haushalt als Horror erscheint, ist in Großfamilien der Alltag. Mindestens eine Waschmaschine läuft, täglich für 4-10 Personen kochen, während man womöglich noch ein Baby zu versorgen hat. Leicht haben es die Eltern einer Großfamilie wirklich nicht. Da stellt sich die Frage, ob man jedem Kind die notwendige Aufmerksamkeit entgegenbringen kann. Ist es möglich, fünf Kinder im Alter zwischen 2 und 16 altersgerecht zu fördern, auf sie einzugehen und sich bei Problemen für sie Zeit zu nehmen? Die Antwort lautet: Ja, wenn die Eltern in einer gefestigten Beziehung leben, sich bewusst für diese Art der Familie entschieden haben und die Qualität der Organisation der Familie stimmt, dann ist dies durchaus möglich. Damit Eltern die Kraft haben, Ihren Alltag mit den Kindern zu meistern, brauchen sie Zeit für sich. Das ist normalerweise auf wenige Momente des Tages begrenzt, aber absolut notwendig, um die Belastungen, die nun mal auch durch eine kinderreiche Familie entstehen, zu meistern.

Die Politik unserer Bundesregierung hat auf die soziale Entwicklung der Familie reagiert und 2009 eine Erhöhung des Kindergeldes beschlossen. Doch durch die Einführung des neuen Elterngeldes, haben es die Großfamilien nicht unbedingt leichter. Da die Mütter ab dem vierten Kind nur noch selten arbeiten, und wenn dann häufig nur in Teilzeit, ist das neue Elterngeld für sie von Nachteil. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Sie erhalten, da sie nicht mehr arbeiten waren, nur den Mindestsatz von 300,- € monatlich. (Stand: 2008) Weitere Informationen über das Elterngeld

Es hat sich gezeigt, dass die Rollenverteilung in Großfamilien zwangsläufig auf die alte Weise funktioniert. Die Frau versorgt die Kinder, der Mann geht arbeiten, um die finanzielle Versorgung der Familie zu gewährleisten. In Großfamilien spielen traditionelle Werte eine bedeutendere Rolle als in Kleinfamilien.

Wir müssen in unserer Gesellschaft wieder lernen, dass Großfamilien keine Negativerscheinung unseres sozialen Lebens sind, sondern darin auch ein Stück Zukunft liegt. Wir können getrost davon ausgehen, dass Eltern, auch wenn sie zehn Kinder haben, auf jedes einzelne stolz sind und jedes Kind bedingungslos lieben.
Text: C. D. / Stand: 25.05.2017

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