Spezifische Phobien erkennen

Was sind spezifische Phobien?

Frau Weber ist Mutter von einer kleinen Tochter und glücklich verheiratet. Ihr Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Angst vor fliegenden Insekten wäre. Beim bloßen Anblick von Mücken, Fliegen, Bienen, Wespen und dergleichen gerät sie in Panik und hat dabei unter heftigen Schwindelgefühlen und zittrigen Beinen zu leiden. Ausflüge mit ihrer Tochter in die freie Natur sind fast nicht mehr möglich und auch im Haus überfällt Frau Weber immer öfter eine starke Unruhe. Bevor sie sich schlafen legen kann, werden alle Zimmer gründlich nach fliegendem Getier abgesucht - und ein Insektenspray soll zusätzliche Sicherheit verschaffen.

Bekannte und kuriose Ängste

Die Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, welche eigentlich ungefährlich sind - sie ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Eine spezifische Phobie ist eine Angst vor etwas ganz Bestimmten. Sie ist eng umgrenzt und kann von den Betroffenen sehr gut benannt werden. Viele Menschen fürchten sich beispielsweise vor dem Zahnarzt oder bekommen Beklemmungen, wenn sie eine Spinne sehen. Auch unter der Angst vor Gewitter oder dem Fahren mit einer Seilbahn oder einem Sessellift leiden viele Personen. Neben diesen bekannten Ängsten können Menschen jedoch vor allem Möglichen eine Phobie entwickeln. So fürchten sich einige vor der Farbe Grün, vor Rosen oder vor Lärm. Andere können aus keiner Tasse trinken oder sich im Bus nicht festhalten, da sie Angst davor haben, sich mit Bakterien anzustecken. So verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind auch die Ängste, die wir entwickeln können.

Einige spezifische Phobien sind:

  • Angst vor Spinnen
  • Angst vor Hunden
  • Angst vor Blut
  • Angst vor dem Urinieren auf öffentlichen Toiletten
  • Angst vor engen Räumen
  • Angst vor dunklen Räumen
  • Angst vor Höhe
  • Angst vor dem Fliegen
  • Angst vor dem Zahnarzt
  • Angst vor Gewitter

Ursache häufig in der Kindheit zu suchen

Spezifische Phobien sind häufig auf schlechte Erfahrungen und falsche Bewertungen in der Kindheit zurückzuführen. Ein stark angeschwollener Wespenstich oder ein Hundbiss lassen die Betroffenen oft auch als Erwachsene Angst vor diesen Tieren haben. Litt die eigene Mutter unter einer Zahnarztphobie, so ist es recht wahrscheinlich, dass auch ihr Kind bereits beim Betreten der Praxis Panik verspürt. Manche Ängste sind jedoch auch evolutionsbedingt. Dazu zählen beispielsweise die Angst vor der Dunkelheit und der Nacht, die Beklemmungen beim Erklimmen großer Höhen oder das ungute Gefühl, wenn ein Gewitter aufzieht.

Kann ich mit einer bestimmten Phobie leben?

Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen können das Leben massiv einschränken - müssen es aber nicht. Die Frage ist immer, inwiefern die Betroffenen trotz der Angst ihren Alltag managen können. Das sei hier am Beispiel der Spinnenphobie einmal näher erläutert: Eine Person, welche mitten in der Stadt lebt und Angst vor diesen Krabbeltierchen hat, wird in ihrer Freiheit vermutlich nicht oder nur gering eingeschränkt sein. Vielleicht begegnet ihr hin und wieder mal eine Spinne, wenn sie bei Freunden im Garten ist oder wenn sie im Sommer am Badesee liegt. Würde die besagte Person allerdings auf dem Land leben oder einem Beruf in der Land-/Viehwirtschaft nachgehen, so wäre ihr Alltag so angstbesetzt, dass ein normales Leben fast nicht mehr möglich wäre.

Spezifische Phobien behandeln - Der Angst ins Auge sehen

Schränkt die spezielle Phobie den Betroffenen stark ein, so kann eine Verhaltenstherapie der Schlüssel zur Bewältigung der aktuellen Problematik sein. Zuerst wird in Gesprächen mit dem Therapeuten ganz genau die derzeitige Situation besprochen. Welche Ängste bestehen? Was sind die größten Befürchtungen? Welches Vermeidungsverhalten wird angewandt, um der Panik zu entfliehen? Im nächsten Schritt erarbeiten Patient und Therapeut einen Behandlungsplan. Bei spezifischen Phobien hat sich die Konfrontationstherapie als sehr erfolgreich erwiesen. Hierbei nähert sich der Patient Schritt für Schritt der gefürchteten Situation. Die Spinnen-Phobikerin würde eventuell erst einmal ein Buch oder einen Film über Spinnen anschauen. Danach könnte sie eine Spinne hinter Glas betrachten und den Abstand zu ihr immer weiter verringern. Irgendwann wird sie in der Lage sein, das Tier über ihre Hand krabbeln zu lassen. Während der Konfrontationstherapie wird der Patient mit all seinen Gedanken und Gefühlen konfrontiert. Dabei werden körperliche Empfindungen wie zum Beispiel Zittern, Herzrasen, Schwindel oder Mundtrockenheit auftreten. Auch kann es sein, dass Angst vor einem Kontrollverlust oder Angst, die Situation nicht zu überleben, aufkommen. Doch mit jeder gemeisterten Therapiestunde wächst das Selbstvertrauen in sich und den eigenen Körper. Das, was früher unmöglich schien, rückt dann in greifbare Nähe.

Auch wenn die Angst bei einer spezifischen Phobie sehr stark sein kann - diese Form der Angsterkrankungen ist mit einer geeigneten Therapie sehr gut in den Griff zu bekommen. Wichtigste Voraussetzung dabei ist die Bereitschaft des Patienten, sich seinen Ängsten zu stellen und die dabei auftretenden Gefühle auszuhalten.
Text: K. L. / Stand: 18.01.2020

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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