Hörsturz - Was ist das?

Frau beim Ohrenarzt
Bei einem Hörsturz sollte man schnell zum Arzt gehen
Foto: © Jürgen Fälchle


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Wie in Watte: Ein Hörsturz kommt oft wie aus heiterem Himmel

Unverhofft kommt manchmal oft. So verhält es sich auch mit einem Hörsturz, der für viele Betroffene wie aus heiterem Himmel kommt.

Hörsturz Symptome

Plötzlich hat man das Gefühl, Watte im Ohr zu haben oder sogar völlig taub zu sein. Meist ist nur ein Ohr betroffen. "Ein Hörsturz kann unterschiedliche Grade und Intensitäten haben", erläutert Dr. Michael E. Deeg, Hals-Nasen-Ohrenarzt sowie Sprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. "Begleitet wird ein Hörsturz oft von Ohrgeräuschen (Tinnitus) wie etwa Pfeifen, Rauschen oder Klingeln. Mit Gleichgewichtsstörungen oder Schwindelgefühle hingegen haben Hörstürze aber nichts zu tun."

Nach Schätzungen der deutschen Tinnitus-Liga zufolge verlieren in Deutschland jährlich mehr als 15.000 Menschen plötzlich das Hörvermögen. Ein Hörsturz tritt meist um das 50. Lebensjahr herum auf, allerdings können auch jüngere Menschen betroffen sein. Über die Ursachen wird von wissenschaftlicher Seite aus noch spekuliert. "Wahrscheinlich spielen immunologische Prozesse, also eine gestörtes Abwehrsystem eine Rolle beim Erleiden eines Hörsturzes", sagt der Experte. Ein großer Einflussfaktor seien auch Streß und psychische Belastungen. Forscher vermuten auch, dass Hörstürze eine Folge von Durchblutungsstörungen im Innenohr sind. Dabei wird das Blut in seinem Fluss durch die Blutgefäße des Ohres gestört. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung der im Innenohr sitzenden, hoch empfindlichen Sinneszellen unterbrochen. Als Folge versagen diese ihren Dienst. Vor der populären Beschreibung als "Infarkt im Ohr" warnt der HNO-Mediziner Dr. Deeg. Ein Auslöser für einen Hörsturz kann beispielsweise Lärm am Arbeitsplatz sein.

Hörsturz Therapie

Viele Hörstürze heilen innerhalb weniger Stunden oft von selbst. Je schwerer der Hörverlust ist, desto schlechter sind allerdings die Aussichten. Die Heilungschancen steigen bei frühzeitiger Behandlung deutlich an. Bei einer Halswirbelverschiebungen hilft schon eine manuelle Therapie zum Beispiel durch einen Physiotherapeuten. Ist das nicht die Ursache, wird oft medikamentös behandelt, sehr oft mit Cortison. Bei geringer Aussprägung werden Corticosteroide (Cortison) oral als Tablette, in schwereren Fällen als Infusion verabreicht oder mit Hilfe einer Spritze direkt in das Trommelfeld gespritzt (intratypanal). Greifen die medikamentösen Therapien nicht, wird manchmal auch eine Operation am Innenohr durchgeführt.

Weitere, wenn auch eher unterstützende Therapien (adjuventiv) sind etwa die Sauerstoffüberdruck-Therapie. Bei der sogenannte H.E.L.P.- Apherese (Heparin-induzierte extrakorporale LDL-Präzipitation) hingegen werden in einem Blutreinigungsverfahren Stoffe aus dem Blut herausgefiltert, die den Blutfluss in den Gefäßen behindern. Bei anderen Therapien sind Schulmediziner eher skeptisch, so etwa bei der Laser-Ginkgo-Methode. "Diese Therapie ist definitiv nicht mehr üblich und hat erwiesenermaßen keine Wirksamkeit", sagt HNO-Mediziner Dr. Deeg.

Stress und Hörsturz stehen in einem Zusammenhang. Daher empfiehlt sich eine ausgeglichene Lebensweise, die genügend Entspannungsphasen beinhaltet. Wer bereits einen Hörsturz erlitten hat, sollte Strategien zur besseren Bewältigung von Konfliktsituationen erlernen. Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, den Stress zu reduzieren. Grundsätzlich sollten Stress behaftete Situationen ebenso vermieden werden wie übermäßige Lärmbelastungen. Letztere können die hochsensiblen Haarzellen im Innenohr schädigen.

Menschen mit hohen Blutfettwerten und Raucher haben übrigens ein erhöhtes Risiko, einen Hörsturz zu erleiden. Gegensteuern lässt sich in dem Fall mit einer gesunden Ernährung, Sport und Bewegung sowie Nikotinverzicht.
Text: juch / Stand: 13.12.2018

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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