Behinderte Kinder

Behinderter Junge mit seiner Familie beim Spaziergang
Auch behinderte Kinder können ein schönes Leben haben - Foto: © Jaren Wicklund

Mein Kind ist behindert

"Mein Kind ist behindert" - Dieser Satz weckt bei vielen Außenstehenden Unsicherheit, Ängste oder Mitleid. Gefühle, auf die die Eltern gern verzichten würden. Denn sie müssen mit den eigenen Emotionen umgehen, brauchen Mut und Kraft zugesprochen. "Behinderung", dieses Wort ist verbunden mit Ängsten und Schuldgefühlen, aber auch mit unendlicher Liebe und Zuneigung, sowie mit Dankbarkeit für einen ganz besonderen Menschen. Denn das Leben mit einem behinderten Kind ist nicht vorbei, der Alltag entwickelt eine gewisse Normalität. Wir möchten betroffenen Eltern auf den folgenden Seite einige Informationen sowie Tipps zur Verfügung stellen und Ihnen so helfen das "neue" Leben zu meistern. Denn eines sollten Sie nie aus den Augen verlieren: Sie sind nicht allein.

Die Diagnose - Ein Moment tiefer Verzweiflung

Erhalten die Eltern eines Kindes die Diagnose der Behinderung, so stehen Sie vor einem tiefen Abgrund. Manche Eltern erfahren bereits vor der Geburt vom Handicap ihres Kindes, andere erst bei der Geburt und wieder andere werden plötzlich durch einen Unfall oder Vorfall vor vollendete Tatsachen gestellt. Alle haben eines gemeinsam: vor ihnen steht ein schier unüberwindbarer Berg, sie sind ein innerliches Wrack. Erst nach und nach realisieren sie, dass das Leben mit einem behinderten Kind durchaus erfüllend sein kann und gehen positiver mit der Diagnose um. Die Unterstützung durch die Familie und Freunde, aber auch durch Fachpersonal und Organisationen ist von immenser Bedeutung für Kind, Geschwister und Eltern.

Die Art der Behinderung

Ein behindertes Kind in den Alltag zu integrieren, kann sehr unterschiedlich aussehen. Denn es gibt sehr viele verschiedene Arten einer Behinderung. Für die meisten Menschen offensichtlich sind körperliche Einschränkungen oder Sprachbehinderungen. Aber auch andere Sinnesbehinderungen, wie zum Beispiel Blindheit oder Gehörlosigkeit, betreffen mitunter schon die kleinsten Kinder. Lernbehinderungen oder psychische Behinderungen fallen weniger sofort ins Auge. Und oft werden geistige Behinderungen erst im Verlauf des Kindesalters festgestellt, wenn sich das Kind nicht altersgerecht entwickelt. Alle Handicaps haben eines gemeinsam: sie stellen Kinder wie auch Eltern vor Herausforderungen in ihrem Alltag.

Das Familienleben neu strukturieren

Mutter mit ihrem behinderten Kind
Behindertes Kind und trotzdem glücklich
Foto: © Carlos Santa Maria

Das Leben mit einem behinderten Kind, nimmt Einfluss auf alle Familienmitglieder. Plötzlich können Therapiepläne oder Medikamentengaben das Leben auf den Kopf stellen. Der Job wird neu organisiert oder gar aufgeben, eine Tagesmutter kommt vielleicht ins Haus oder technische Hilfsmittel prägen das Bild in der gemeinsamen Wohnung. Selbst der Besuch auf dem Spielplatz muss mitunter durchdacht werden, damit dieser barrierefrei ist. Doch meist wachsen Familien mit der Unterstützung von außen sehr gut in diesen neuen Familienalltag hinein und führen ein fast "normales", aber eben etwas anderes Leben. Es wird zur Selbstverständlichkeit, dass die Eltern das Notfallmedikament für ihr Kind mit Epilepsie immer bei sich führen oder der Rollstuhl mit ins Auto gepackt wird, wenn man das Haus verlässt. Auch Eltern behinderter Kinder haben Pläne für die Zukunft ihres Sohnes oder der Tochter, auch sie legen Wert auf Frühförderung und Unterstützung. Die Wahl eines integrativen Kindergartens oder der Schule nimmt einen sehr hohen Stellenwert ein, denn die Förderung der behinderten Kinder ist in besonderem Maße wichtig.

Geschwister behinderter Kinder

Auch die Brüder und Schwestern behinderter Kinder haben Bedürfnisse und Sorgen. Viele Eltern plagen die begründeten Ängste, dass sie ihnen nicht mehr genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen können. Geschwisterkinder nehmen sehr viel Rücksicht auf ihre Brüder und Schwestern, sie verbindet oft ein sehr enges Band. Zeitig übernehmen sie Verantwortung und helfen mit. Doch die Tatsache, dass die gemeinsamen Eltern das Hauptaugenmerk der Sorge auf das behinderte Kind richten, wird sie immer begleiten. Unsicherheiten können entstehen, wenn Kinder plötzlich in ihrer Entwicklung weiter sind, als ihr behinderter älterer Bruder, der am Down-Syndrom leidet. Die normale Rivalität unter Geschwistern wird ausgehebelt. Doch dies darf für die Brüder und Schwestern behinderter Kinder auch als Chance gesehen werden, denn oft entwickeln sie aufgrund ihrer besonderen Familiensituation eine hohe soziale Kompetenz und sind sehr empathische Menschen.

Hilfe von außen annehmen

"Wie sollen wir das alles schaffen?" fragen sich betroffene Eltern. Sie sollten sich keineswegs scheuen, Hilfe von außen anzunehmen. Familien und Freunde unterstützen nicht nur moralisch, sondern helfen meist ohne Nachlass mit, sofern es die Behinderung des Kindes zulässt. Selbsthilfegruppen und öffentliche Beratungsstellen geben Zuspruch und vor allem Tipps, wie mit vielen anderen Dingen umgegangen werden kann. Wo beantrage ich Hilfen, Gelder oder personelle Unterstützung? Welche Hilfsmittel stehen mir zu, wie beantrage ich den Behindertenausweis und vieles mehr?

Auch wenn das anfängliche Bild von einem Leben mit einem behinderten Kind getrübt ist, erleben Eltern auch unzählige tiefe Glücksmomente mit ihrem Kind und schaffen sich einen organisierten Alltag, der nicht immer einfach aber dennoch zu handhaben ist.
Text: C. D. / Stand: 11.08.2018

In unserem Verzeichnis finden Sie übrigens auch einige Kinderärzte, die Ihnen sicher weiterhelfen können.

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]