Generalisierte Angststörung

Eine Frau mit einer generalisierten Angststörung
Bei einer generalisierten Angststörung bestimmten Sorgen
und Ängste den Alltag - Foto: © triocean

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Sorgen und Befürchtungen in allen Lebensbereichen

Die 40-jährige Frau Schreiber macht sich seit Jahren Gedanken um sich selbst, ihre Familie und um das Leben im Allgemeinen.

Ständig ist sie in Sorge, dass ihren Lieben etwas zustoßen könnte. Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen oder dass eines der Kinder ungewollt schwanger wird, ist schließlich unkalkulierbar. Ihr Mann ist beruflich öfter im Ausland unterwegs und Frau Schreiber befürchtet, dass er dort eine jüngere und attraktivere Frau kennen lernen könnte. Ihre Gedanken kreisen zudem ständig um ihre eigene Anstellung als Bürofachkraft. Werden sie weiterhin die Miete zahlen können, wenn sie irgendwann die Kündigung erhält? Von was sollen sie dann die Ausbildung ihrer beiden Töchter bezahlen? Sorgen und Gedanken, wohin man nur schaut...

Sorgen und Ängste bestimmen den Alltag

Menschen, denen es so geht wie Frau Schreiber, leiden unter einer generalisierten Angststörung. Anders als bei spezifischen Phobien fürchten sie sich vor vielfältigen Aspekten des täglichen Lebens. Ganz im Vordergrund stehen dabei die Themen Gesundheit/Krankheit, die finanzielle Lage, die Arbeit oder Arbeitslosigkeit und das Wohlergehen der Familie. Von einer generalisierten Angststörung Betroffene stehen quasi ständig unter Strom. Ihnen gelingt es fast nicht mehr, sich zu entspannen und ihr Leben angemessen zu gestalten. Ihre geistige Übererregbarkeit führt häufig zu Konzentrationsproblemen und der ständig verspannte Körper reagiert mit Kopf- und Muskelschmerzen auf die dauerhafte Belastung. Mit ihren permanenten Befürchtungen halten sie Freunde und Familie auf Trapp und ziehen diese mit hinein in das Sorgenkarussell.

Typische Symptome für eine generalisierte Angststörung:

  • Schreckhaftigkeit, ständige Gereiztheit
  • Übertriebene Sorgen in vielen Lebensbereichen
  • Rasche Ermüdbarkeit
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Kopfschmerzen, Muskelschmerzen
  • Schwindelgefühle, wackelige Beine
  • Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen
  • "Kloß-Gefühl" im Hals, oft verbunden mit Schluckbeschwerden
  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Feuchte Hände, Schwitzen
Im Durchschnitt sind Frauen deutlich häufiger von einer generalisierten Angststörung betroffen als Männer. Ihre Aufgabe als Mutter, Hausfrau und Familienmanagerin - oft noch in Kombination mit einer beruflichen Tätigkeit - bedeutet nicht selten Stress und permanente Überforderung. Aber auch negative Denkmuster (wie sie häufig von klein auf gelernt werden) spielen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer generalisierten Angststörung keine unwesentliche Rolle. Wer sich permanent nur in Grübeleien und Katastrophengedanken verstrickt, der ist nicht mehr in der Lage, einen realistischen Blick auf das Leben zu werfen. Die alles entscheidende "Was wäre wenn???"- Frage dominiert den Alltag und raubt jegliche Lebensfreude. Kontakte zu Freuden, Ausflüge, Urlaubsplanungen - das alle steht unter dem Stern der ständigen Sorge und Angst und belastet früher oder später auch das Familienleben und alle anderen Beziehungen.

Was passiert beim Katastrophendenken?

Schauen wir uns doch einmal an, was passiert, wenn der Angstfilm im Kopf einmal gestartet ist. Zuerst ist da ein Gedanke. Natürlich liefert unser Gehirn dazu gratis und ungefragt gleich tausende Bilder mit. Bilder, welche ganz deutlich das befürchtete Unglück beschreiben, was wir so sehr fürchten. Diese Bilder machen natürlich Angst und nähren unsere sorgenvollen Gedanken weiter. Betroffene haben nun Angst vor einem Kontrollverlust und befürchten, das alles gar nicht mehr im Griff zu haben und handlungsunfähig zu sein. Hinzu kommen körperliche Symptome, wie zittern und Herzrasen, welche ebenfalls dazu beitragen, dass sich die ganze Situation noch verschlimmert.

Selbsthilfe - Den Angstfilm umprogrammieren

STOP! Halten Sie den Angstfilm an! Helfen Ihnen diese Katastrophengedanken wirklich? Nein. Sie sind Ihr eigener Regisseur und bestimmen, wie der Film ausgeht. Die Lösung liegt darin, gedanklich andere Möglichkeiten zu finden, den Film enden zu lassen. Muss immer das Schlimmste passieren, oder gibt es nicht auch die Option eines erträglicheren Ausganges? Und wie steht es um Ihre eigene und die Sicherheit im Allgemeinen? Das Leben ist immer mit einer gewissen Gefahr verbunden und Sie müssen lernen, dass ein gewisses Restrisiko nie ganz auszuschließen ist. Sind die generalisierten Ängste so stark, dass Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen, so wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Psychologen. Mit ihm gemeinsam werden Sie den Regisseur in Ihnen auf Weiterbildung schicken und so lernen, die Katastrophengedanken in Schach zu halten.
Text: K. L. / Stand: 04.06.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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