Keuchhusten bei Kindern

Kleines Mädchen hustet
Keuchhusten ist sehr ansteckend und
sollte unbedingt vom Arzt behandelt werden - Foto: © Ilike

Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Was ist Pertussis?

Keuchhusten — medizinisch Pertussis — ist eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung, die durch ein Bakterium ausgelöst wird. Viele Eltern kennen ihn als typische Kinderkrankheit, aber Keuchhusten befällt Menschen jeden Alters. Besonders gefährlich ist er für Säuglinge unter sechs Monaten: Bei ihnen können die Hustenanfälle zu Atemaussetzern führen, die lebensbedrohlich werden können. Noch vor hundert Jahren zählte Pertussis zu den häufigsten Todesursachen im Kindesalter. Heute gibt es eine wirksame Impfung, die schwere Verläufe zuverlässig verhindert.
Wichtige Impfungen bei Kindern

Die Ursache für Keuchhusten

Auslöser ist das Bakterium Bordetella pertussis, in selteneren Fällen auch Bordetella parapertussis. Die Bakterien setzen sich in den Schleimhäuten der oberen Atemwege, der Bronchien und der Luftröhre fest. Dort vermehren sie sich und bilden Giftstoffe, die Entzündungen verursachen und die feinen Flimmerhärchen der Atemwege schädigen — genau jene Strukturen, die normalerweise Schleim und Fremdkörper abtransportieren. Das Bakterium kommt ausschließlich beim Menschen vor, ein tierisches Reservoir gibt es nicht.

Ansteckung

Keuchhusten wird ausschließlich durch Tröpfcheninfektion übertragen: Beim Husten, Niesen oder Sprechen gelangen winzige Speicheltropfen in die Luft, die andere Menschen einatmen. Die Krankheit gilt als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt — bereits kurzer Kontakt mit einer erkrankten Person kann für eine Übertragung genügen.

Die Inkubationszeit bei Pertussis

Von der Ansteckung bis zu den ersten Beschwerden vergehen meist 7 bis 14 Tage, in Einzelfällen bis zu drei Wochen. Bereits gegen Ende dieser Zeit ist eine erkrankte Person ansteckend — noch bevor der typische Husten einsetzt. Das macht eine frühzeitige Eindämmung besonders schwierig.

Symptome bei Pertussis und Krankheitsverlauf

Pertussis verläuft in drei Phasen und kann insgesamt bis zu zwölf Wochen dauern — daher heißt Keuchhusten im Volksmund auch "Hundert-Tage-Husten&ldquo".

  • Erstes Stadium — Stadium catarrhale (1–2 Wochen): Die Erkrankung beginnt unscheinbar mit Schnupfen, leichtem Reizhusten und gelegentlich leichtem Fieber. Kaum zu unterscheiden von einem gewöhnlichen Infekt. In genau dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr am höchsten, was eine frühe Diagnose erheblich erschwert.
  • Zweites Stadium — Stadium convulsivum (2–6 Wochen): Jetzt zeigt Keuchhusten sein typisches Gesicht. Es setzen plötzliche, stakkatoartige Hustenattacken ein, besonders nachts oder bei körperlicher Anstrengung. Betroffene strecken dabei die Zunge heraus, das Gesicht wird rot oder bläulich. Am Ende jedes Anfalls folgt das namensgebende keuchende Einatmen. Häufig kommt es danach zu Erbrechen. Die Diagnose Keuchhusten wird meist erst in diesem Stadium gestellt.
  • Drittes Stadium — Stadium decrementi (2–6 Wochen): Die Hustenanfälle werden langsam schwächer und seltener. Ohne Antibiotikum kann dieses Abklingen sehr lange dauern.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder erkrankt gleich. Säuglinge unter sechs Monaten zeigen statt der typischen Hustenattacken oft nur Atemaussetzer und verfärben sich dabei bläulich — das ist ein medizinischer Notfall, der sofort ärztliche Hilfe erfordert. Bei Jugendlichen und Erwachsenen hingegen äußert sich Keuchhusten oft nur als anhaltender Reizhusten, der wochenlang nicht abklingt und daher selten als Pertussis erkannt wird.

Behandlung und Komplikationen

Den Hustenreiz selbst lässt sich medikamentös kaum beeinflussen. Antibiotika — meist Azithromycin oder Clarithromycin — helfen vor allem dabei, die Ansteckungszeit zu verkürzen: Nach fünf Tagen effektiver Therapie gilt ein Patient nicht mehr als ansteckend. Werden sie früh genug im ersten Stadium gegeben, können sie auch den Krankheitsverlauf abmildern. Im zweiten Stadium ändern sie am Husten selbst nichts mehr.
Mögliche Komplikationen, die ärztlich behandelt werden müssen: Lungenentzündung (die häufigste), Mittelohrentzündung und Krampfanfälle durch Sauerstoffmangel. In seltenen Fällen können dauerhafte Gehirnschäden entstehen. Durch den anhaltend starken Husten sind außerdem Nabel- oder Leistenbrüche möglich. So geben Sie Kindern Tabletten

Vor Keuchhusten schützen

Der einzige wirksame Schutz vor Keuchhusten ist die Impfung. Sie verhindert eine Ansteckung nicht in jedem Fall, senkt das Ansteckungsrisiko jedoch deutlich und mildert den Verlauf bei Geimpften erheblich.
Die STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) empfiehlt die Grundimmunisierung im 2., 4. und 11. bis 14. Lebensmonat. Frühgeborene erhalten eine zusätzliche Dosis im 3. Monat. Auffrischungen sind für Kinder mit 5 bis 6 Jahren sowie zwischen 9 und 17 Jahren vorgesehen. Für Erwachsene gibt es keinen Einzelimpfstoff — die STIKO empfiehlt, die Pertussis-Impfung bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung als Kombinationsimpfstoff mit verabreichen zu lassen.
Säuglinge unter drei Monaten können noch nicht geimpft werden und sind damit schutzlos. Wer ein Neugeborenes im Haushalt hat oder erwartet, sollte den eigenen Impfschutz prüfen lassen — das gilt auch für Großeltern und andere enge Bezugspersonen. Schwangeren empfiehlt die STIKO die Impfung ausdrücklich, am besten ab der 28. Schwangerschaftswoche: Das Kind erhält so über die Mutter bereits vor der eigenen ersten Impfung einen frühen Schutz.
Der Impfschutz hält nicht lebenslang an. Auch wer Keuchhusten durchgemacht hat, ist nur einige Jahre immun und sollte sich regelmäßig auffrischen lassen. Der Hausarzt berät dazu.
Was tun, wenn Kinder Angst vor dem Impfen haben?

Keuchhusten ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Erkrankte Kinder dürfen Kita oder Schule erst dann wieder besuchen, wenn sie entweder fünf Tage lang mit einem wirksamen Antibiotikum behandelt wurden — oder, ohne Antibiotikagabe, frühestens 21 Tage nach Krankheitsbeginn. Die Freigabe erfolgt durch den behandelnden Arzt. Lesen Sie auch Spielideen für kranke Kinder

Quellen:

Text: C. D. / Tkni / Stand: 02.04.2025
[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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