Bettnässen bei Kindern im Schulalter

Mutter bringt Kind ins Bett
Zeigen Sie Verständnis, wenn Ihr Kind im Schulalter
wieder ins Bett macht - Foto: © S.Kobold


Inhaltsverzeichnis für diesen Artikel:

Was tun, wenn Schulkinder ins Bett machen?

Mit etwa einem Jahr setzen viele Eltern ihre Kinder zum ersten Mal auf das Töpfchen, auch wenn sie in diesem Alter ihre Ausscheidungsorgane noch gar nicht kontrollieren können.

Spätestens zwei Jahre später ernten Mama und Papa schiefe Blicke, wenn der Nachwuchs noch immer Windeln trägt. Wenn es um das Sauberwerden geht, so herrscht in unserer Gesellschaft ein enormer Druck. Doch jedes Kind ist eine eigene kleine Persönlichkeit und entwickelt sich ganz in seinem Tempo. Mit Eintritt in die Grundschule haben etwa 10 Prozent aller Kinder noch immer Probleme, ihre Blasenfunktion in der Nacht zu kontrollieren. In der Fachsprache wird dieses Einnässen als Enuresis bezeichnet. Die betroffenen Familien getrauen sich häufig kaum, mit anderen über dieses Problem zu sprechen und selbst der Gang zum Kinderarzt ist mit Scham und Schuldgefühlen behaftet. Haben wir in der Erziehung etwas falsch gemacht? Warum trifft es gerade uns? Wieso bekommen wir die Sache einfach nicht in den Griff? Auch die Kinder selbst leiden. Übernachtungen auf Klassenfahrten oder bei Schulfreunden werden zur Tortur und sind nicht selten von einem hohen Leistungsdruck begleitet. Weitere Infos zum Thema Bettnässen

Ursachen für das Bettnässen bei Kindern

Immer noch kursiert die Meinung, dass Bettnässen bei Kindern in direktem Zusammenhang mit psychischen Problemen des Kindes steht. Doch dem ist meist nicht so.

Einzig und allein dann, wenn ein Kind schon längere Zeit trocken war und plötzlich in der Nacht das Bett wieder nass macht, sollte man an eine psychische Ursache denken. Lassen sich zum Beispiel die Eltern scheiden, steht ein Umzug an oder ist ein nahe stehender Mensch verstorben, so kann das Einnässen Ausdruck ungelöster Probleme oder unverarbeiteter Konflikte sein. In den meisten Fällen jedoch stecken hinter dem Einnässen organische Ursachen. Manchmal ist die Blase zu klein, um eine größere Menge Urin zu fassen. Ebenso kann es sein, das das komplexe Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nervenbahnen, welche das Wasserlassen sowie das Gegenhalten steuert, noch nicht voll entwickelt ist. Auch ein Mangel des antidiuretischen Hormons (ADH), welches nachts normalerweise die Harnproduktion drosselt, wird als Auslöser für das nächtliche Einnässen diskutiert. Und nicht zuletzt kommen falsche Trinkgewohnheiten und ein fehlender abendlicher Toilettengang als Ursache für dieses Problem in Frage.

Behandlungsmöglichkeiten

Nässt ein Kind nach seinem 5. Geburtstag in der Nacht noch regelmäßig ein, so sollte zuerst einmal ein Besuch beim Kinderarzt auf dem Plan stehen. Dieser wird eventuell eine Überweisung zu einem Kinderurologen ausstellen, um mit ihm gemeinsam mögliche organische Ursachen, wie etwa Nierenprobleme oder Diabetes auszuschließen. Ist ein Hormonmangel der Auslöser für das Einnässen, so kann unter Umständen die Einnahme eines Mittels mit dem Wirkstoff Desmopressin, welcher das ADH ersetzt, zu trockenen Nächten verhelfen. Auch der Einsatz einer Klingelhose beziehungsweise Klingelmatte unterstützt einige Kinder bei der Lösung ihres Problems. Mittels eines Sensors, welcher die Feuchtigkeit im Bett oder in der Windel misst, ertönt ein schriller Alarmton, wenn das Kind das Bett nass macht. Es soll so lernen, bei nächtlichem Harndrang die Toilette aufzusuchen.

Viele Kinder trinken über den Tag verteilt sehr unregelmäßig. In der Schule oder am Nachmittag mit Freunden wird die Flüssigkeitsaufnahme häufig vernachlässigt. Dafür trinken sie abends deutlich mehr und laufen so Gefahr, des Nachts einzumachen. Manche Kids vergessen auch schlicht und einfach, vor dem zu Bett gehen noch einmal die Toilette aufzusuchen beziehungsweise erledigen diesen Gang nur flüchtig, so dass noch eine Restmenge Urin in der Blase verbleibt. Ein Blasentagebuch, in dem das Trinkverhalten sowie die Toilettengänge genau vermerkt sind, kann oftmals schon der Schlüssel zum Erfolg sein.

Verständnisvolle Eltern gefragt

Bettnässen bei Kindern im Schulalter kommt recht häufig vor! - Also keine Panik! Ein Kind, welches im Schulalter noch einnässt, leidet schon genug unter seinem Problem. Auf keinen Fall braucht es Druck und Zwang von den Eltern und ständige Ermahnungen und Maßregelungen. Im Gegenteil: Liebe, Verständnis und eine entspannte Haltung helfen dem Nachwuchs dabei, das nächtliche Einnässen nicht überzuwerten und sich angenommen zu fühlen. Ermutigende Worte, wenn mal wieder ein Missgeschick passiert ist, sind genauso wichtig wie ein kleines Lob, wenn das Bett früh trocken war. Saugfähige Unterwäsche, das Tragen von Windeln und eine Gummimatte unter dem Bettlaken sorgen dafür, dass die mit dem Einnässen verbundenen Arbeiten (nächtliches Wechseln der Bettwäsche, häufiges Waschen von nasser Bekleidung) minimiert werden. Dabei dürfen Sie ruhig ein wenig Mithilfe von Ihrem Nachwuchs verlangen.

Bettnässen ist wohl für alle Betroffenen ein Problem. Je mehr man jedoch dieses Thema in den Mittelpunkt rückt, desto hartnäckiger bleibt es bestehen. Versuchen Sie daher, einfach mal loszulassen und das Einnässen nicht allzu wichtig zu nehmen. Bleiben Sie optimistisch und vermitteln Sie Ihrem Nachwuchs Zuversicht und den Glauben daran, dass es das nächtliche Einnässen mit Sicherheit in den Griff bekommen wird.
Text: K. L. / Stand: 15.11.2018

Natürlich finden Sie hier auch Infos über Schlafrituale bei Kindern und Schlafenszeiten für Kinder.

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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