Wadenwickel bei Kindern

Wadenwickel - ein altes und zuverlässiges Hausmittel

Die Augen der 8-jährigen Lina glänzen auffallend. Ihre Wangen sind gerötet und sie sitzt schlapp auf der Couch im Wohnzimmer.

Schnell das Fieberthermometer geholt und die Temperatur gemessen - tatsächlich! Ein Blick auf das Display des Thermometers bestätigt, was die Mutter schon geahnt hat: ihr Nachwuchs hat Fieber.

Viele Eltern bekämpfen die erhöhte Körpertemperatur mit fiebersenkenden Medikamenten. Doch auch wenn diese in der Regel gut verträglich sind, so handelt es sich doch um Medikamente, welche manchmal neben der erwünschten Wirkung auch unangenehme Begleiterscheinungen mit sich bringen können. Sanfter und genauso zuverlässig helfen bei Fieber die so genannten Wadenwickel. Wadenwickel sind ein sehr altes Hausmittel, welches schon unsere Großeltern und Urgroßeltern angewandt haben. Leider verlassen sich in unserer heutigen modernen Zeit viele Menschen nur noch auf die Pharmaindustrie und vergessen, mit welch einfachen Methoden verschiedene Krankheitssymptome gelindert werden können.
Wadenwickel bei Kindern sind einfach in der Anwendung und können oft das Fieber senken. Sollte sich aber keine rasche Besserung einstellen wenden Sie sich bitte an einen Arzt!

Wadenwickel - so werden sie angelegt

Wadenwickel kommen ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius zum Einsatz. Für die Wickel benötigt man zwei saugfähige Tücher. Leinen- oder Baumwolltücher (z. B. Geschirrtücher) eignen sich dafür sehr gut. Die Tücher werden in eine Schüssel mit lauwarmen Wasser gelegt und anschließend ausgewrungen. Der kleine Patient liegt währenddessen bereits mit nackten Beinen bequem auf dem Bett oder der Couch. Nun werden die feuchten Tücher um die Waden des Kindes gelegt - und zwar so, dass die Gelenke dabei frei bleiben.

Bei kleineren Kindern können normale Tücher, wie sie im Haushalt verwendet werden, manchmal zu groß sein. Entweder man schneidet ein Geschirrtuch in zwei gleiche Teile oder man weicht auf größere Herren-Taschentücher aus. Um eine Durchnässung zu vermeiden ist es sinnvoll, auf das Bett im Bereich der Waden eine Gummiunterlage oder alternativ eine große Plastiktüte zu legen. Die angelegten Wadenwickel bleiben etwa 20 Minuten am Patienten und können danach bei Bedarf erneuert werden. Kinder sind meist nicht die geduldigsten Patienten und brauchen daher etwas Ablenkung. Während die Wadenwickel ihre Arbeit tun, kann eine schöne Geschichte die Zeit verkürzen. Die liebevolle Zuwendung durch die Eltern trägt zudem wesentlich zu einer schnelleren Genesung bei.

Wirkungsweise der Wadenwickel

Wadenwickel bewirken, dass sich die Körpertemperatur senkt. Dieser Wärmeentzug wird durch eine Verdunstung erreicht. Die Feuchtigkeit aus den Wickeln verflüchtigt sich durch die hohe Körpertemperatur recht schnell und entzieht so dem Körper Wärme. Das kann man sehr gut daran erkennen, wenn man die Wickel nach einer gewissen Zeit wieder abnimmt. Sie fühlen sich heiß und deutlich trockener an. In einer Stunde kann so das Fieber ganz sanft um etwa 1 Grad abgesenkt werden. Ist dieses Ziel erreicht, dann heißt es erst einmal "Wickel-Pause". Denn eine weitere schnelle Senkung der Temperatur könnte sonst den Kreislauf des ohnehin schon geschwächten Patienten belasten.

Wadenwickel bei Kindern - Das sollten Eltern unbedingt beachten:

Wadenwickel bei Kindern dürfen nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Beine und Füße des Kindes warm sind. Ist dies nicht der Fall, so müssen andere fiebersenkende Methoden angewandt werden. Um ein Auskühlen der Füße während der Anwendung des Wickels zu vermeiden, zieht man dem kleinen Patienten dicke Socken an. Eine leichte Decke im Bereich des Oberkörpers verhindert ebenfalls, dass das Kind friert. Früher wurden die feuchten Baumwolltücher jeweils mit einem weiteren, trockenen Handtuch umwickelt. Diese Vorgehensweise wird inzwischen nicht mehr angewendet, denn heute weiß man, dass die Körperwärme sich so unter den trockenen Tüchern stauen und daher nicht richtig abgleitet werden kann. Ein weiterer häufiger Fehler bei der Anwendung von Wadenwickeln ist das Durchnässen der Tücher mit kaltem Wasser. Ist der Wickel nämlich zu kalt, so kann der Prozess des Schwitzens unterbrochen werden und die gewünschte Wirkung - ein Absenken der Körpertemperatur - stellt sich deutlich langsamer ein.

Essigwasser oder Zitrone als Zusatz - sinnvoll oder nicht?

Manche Eltern schwören auf die Zugabe von etwas Essig oder den Saft einer halben Zitrone im Wasser, bevor sie die Tücher darin tränken. Wieder andere geben dem Wasser etwas Salz zu. Ob so tatsächlich eine schnellere Senkung des Fiebers zu erwarten ist, ist fraglich. Besonders bei Kindern mit empfindlicher Haut sollten Eltern auf den Zusatz von Zitrone oder Essig im Wasser lieber verzichten, da beides zu Reizungen und Hautirritationen führen kann. Richtig angewendet wirken Wadenwickel auch "nur" mit Wasser - probieren Sie es aus. Sie werden erstaunt sein, wie zuverlässig dieses alte Hausmittel wirkt!
Text: K. L. / Stand: 16.09.2019

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[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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