Kinderlähmung

Junge bei der Impfung
Aufgrund der guten Impfquote tritt Kinderlähmung in
Deutschland eher selten auf - Foto: © Dan Race

Was ist Poliomyelitis?

Die Kinderlähmung, auch Polio oder Poliomyelitis genannt, ist eine Viruserkrankung. Sie kann bei schwerem Verlauf starke Lähmungen verursachen oder gar zum Tod führen. Dank der guten Impfquote ist Polio aus Deutschland quasi verschwunden. Entstehen jedoch Impflücken, so können hierzulande erneut Menschen erkranken, denn die Kinderlähmung ist in Asien wie auch in Afrika und sogar in Osteuropa immer noch präsent.
Wichtige Impfungen bei Kindern

Ursachen einer Polio-Erkrankung

Die Kinderlähmung wird durch den Poliovirus übertragen. Er wird über den Mund aufgenommen, gelangt in den Magen-Darm-Trakt und später in die Lymphgefäße. Breitet sich das Virus über das Blut weiter aus, befällt es mitunter die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks (das zentrale Nervensystem).

Ansteckung

Man spricht bei der Polioerkrankung von einer oral-fäkalen Ansteckung. Es handelt sich um eine Schmier- bzw. Kontaktinfektion. Die Viren werden über den Stuhl eines Menschen ausgeschieden und gelangen zum Beispiel über den Boden und verunreinigtes Wasser auf Lebensmittel, die wiederum oral aufgenommen werden. Selbst eine Tröpfcheninfektion kurz nach der Ansteckung einer Person ist möglich. Kleinste mit Viren verseuchte Speicheltropfen, die bereits durch das Einatmen aufgenommen werden, können die Krankheit auslösen. Ebenso das bloße Händelschütteln oder das Berühren infizierter Gegenstände.

Inkubationszeit und Diagnose

Es dauert ungefähr 7 bis 21 Tage, bis die ersten Symptome sichtbar werden. Nach einer ausgeheilten Polioerkrankung ist der Körper gegen die eine bestimmte Form der Polioerkrankung lebenslang immun. Da es sich bei einer Polioinfektion um drei mögliche Erreger handelt, fallen auch die Symptome unterschiedlich aus. Typ I des Poliovirus ist derjenige, der die meisten schweren Erkrankungen verursacht, Typ II führt nur zu geringen Beschwerden, Typ III ist sehr selten, löst jedoch sehr schlimme Beschwerden aus. Eine genaue Diagnose ist durch eine Stuhlprobe oder einen Rachenabstrich und die Auswertung im Labor möglich. Auch eine Entnahme von Nervenwasser führt zur Diagnose. Antikörper im Blut geben zumindest Hinweise auf Antikörper.

Impfung gegen Polio

Den Kontakt mit dem Erreger zu verhindern, ist so gut wie nicht möglich. Daher bleibt laut STIKO - der Ständigen Impfkommission des Robert Koch Instituts - ausschließlich die Impfung eine sichere Methode, sich und die eigenen Kinder vor Polio zu schützen. Die Impfung erfolgt im ersten und zweiten Lebensjahr meist in Kombination mit anderen Standardimpfungen und muss zwischen dem neunten und siebtzehnten Lebensjahr aufgefrischt werden. Bereits seit 1998 wird ein Tot-Impfstoff in Deutschland verwendet, der als sehr nebenwirkungsarm gilt. Der bis dahin verwendetet Lebend-Impfstoff als Schluckimpfung wurde so durch eine Impfung per Spritze ersetzt. Wer in Infektionsgebiete reist oder beruflich betroffen sein könnte, sollte aller zehn Jahre seinen Polio-Schutz überprüfen bzw. erneuern lassen. Obwohl in Deutschland Polio als "ausgerottet" gilt, ist die Impfung aufgrund der Globalisierung und der hohen Ansteckungsgefahr sinnvoll. Es könnte jederzeit wieder eine Infektion in Deutschland auftreten, solang die Krankheit nicht weltweit ausgerottet wurde.
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Symptome der Kinderlähmung und Krankheitsverlauf

Mädchen hat Fieber
Fieber und Kopfschmerzen sind typische Symptome für Polio
Foto: © Elena Schweitzer

Nicht immer ist die Kinderlähmung sichtbar. Ein Großteil der infizierten Personen, bemerkt die Krankheit gar nicht, scheidet währenddessen jedoch Viren über den Stuhl aus. Kommt es zu Symptomen, so äußern sich diese meist als eine dreitägige unspezifische Erkrankung mit Fieber, Unwohlsein und Müdigkeit, sowie eventuell mit Durchfall und Erbrechen oder mit Kopfschmerzen. Auch grippeähnliche Symptome wie eine Entzündung der Mandeln oder des Rachens können auftreten. Diese Symptome verschwinden nach einigen Tagen oft wieder. Befällt das Virus auch das zentrale Nervensystem kommen jedoch Nacken-, Muskel- und Rückenschmerzen hinzu. Ist die Entzündung in den Nervenzellen zu stark, können diese dauerhaft Schaden nehmen. Lähmungen sind die Folge, sie können schleichend oder plötzlich auftreten. Meist versagen die Muskeln in den Beinen ihren Dienst, aber auch jene in Armen und im Rumpf können betroffen sein. Im schlimmsten Fall tritt eine Lähmung der Schluckmuskulatur oder der Atemmuskulatur auf. Der Patient kann daran sterben. Nicht immer gehen alle Beschwerden bei einer leichten Erkrankung zurück. Durchblutungsstörungen, Deformitäten der Gliedmaßen oder eine Schädigung der Wirbelsäule können ebenso bleiben, wie Hauternährungsstörungen oder Lähmungen und ein verringertes Längenwachstum von Extremitäten.

Das Post-Polio-Syndrom

Hat ein Patient die Erkrankung ausgeheilt, kann er trotzdem noch Jahre bis Jahrzehnte später an dem Post-Polio-Syndrom (PPS) erkranken. Charakteristisch dafür sind immer wieder auftretende Lähmungen, Muskelschmerzen oder gar Muskelschwund.

Behandlung einer Poliomyelitis

Eine Behandlung der Krankheit ist nicht möglich, lediglich das Lindern der Symptome durch Bettruhe oder Krankengymnastik bzw. Schmerzmittel können helfen. In schweren Fällen wird eine Betreuung auf der Intensivstation überlebenswichtig.

Kinderlähmung bei Erwachsenen

Der Name "Kinderlähmung" täuscht. Die oft gehegte Annahme, dass Polio eine Kinderkrankheit ist, gilt als falsch. Obwohl ein Großteil der erkrankten Patienten Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren sind, ist eine Erkrankung im Erwachsenenalter durchaus möglich. Schutz bietet nur eine Impfung.
Text: C. D. / Stand: 11.04.2019

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