Masern - Eine typische Kinderkrankheit?

Mädchen bei der Masern Impfung
Masern kann man mit einer Impfung vorbeugen - Symbolbild: © andriano_cz

Erfahren Sie in diesem Artikel alles Wissenswerte über Masern. Welche Symptome treten auf? Wie erfolgt die Übertragung und wie kann man Masern vorbeugen?

Masern - das oft verkannte Risiko

Masern (lateinisch Morbilli) sind eine hochansteckende Infektionskrankheit. Auslöser der Erkrankung ist das Masernvirus (MeV), das sich mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch überträgt. In der Gesellschaft werden Masern häufig als Kinderkrankheit verharmlost. Dabei ist die Infektion alles andere als ungefährlich: Rund 70.000 Sterbefälle weltweit gingen laut WHO allein 2015 auf das Konto des Virus. Tote, die sich durch eine Impfung vermeiden ließen. Auch in Deutschland ist eine gewisse Impfmüdigkeit spürbar. Dabei sind die Risiken für schwerwiegende Komplikationen groß.

Wer kann an Masern erkranken?

Masern können in jedem Alter auftreten. Zwar sind vorwiegend Säuglinge und Kinder betroffen. Zunehmend erkranken aber auch Jugendliche, Erwachsene und Menschen im höheren Lebensalter, bei denen die Infektion öfter mit Komplikationen verbunden ist. Häufigster Grund für eine Maserninfektion im fortgeschrittenen Lebensalter ist eine oder beide bewusst oder unbewusst ausgelassene Impfung(en) im Kindesalter. (Wichtige Impfungen für Kinder)

Wie erfolgt die Übertragung von Masern?

Das Masernvirus überträgt sich mittels Tröpfcheninfektion. Beim Husten, Sprechen oder Niesen gelangen feinste, mit Masernviren belastete Sekretteilchen in die Umgebungsluft. Durch Einatmen oder den Kontakt mit den Schleimhäuten bei Berührungen gelangen sie in den Körper. Hier vermehren sich die Viren in hohem Tempo und lösen schließlich nach einer gewissen Inkubationszeit die typischen Krankheitssymptome aus. Die Gefahr des Masernvirus zeigt sich bereits in der hohen Zahl der Infektionen nach dem Kontakt mit dem Erreger: Dieser führt in 95 Prozent der Fälle zu einer Ansteckung mit Masern (vorausgesetzt, die Person ist nicht geimpft oder immun).

Welche Symptome treten bei Masern auf?

Die Masernerkrankung macht sich etwa 8 bis 10 Tage nach der Infektion mit ersten Symptomen bemerkbar. Diese deuten mit Fieber, Husten und Schnupfen sowie einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und Entzündungen im Nasen- und Rachenraum zunächst auf einen schweren Infekt oder eine Grippe hin. Einige Tage nach Auftreten der ersten Symptome kommt jedoch der für eine Maserninfektion charakteristische Hautausschlag hinzu. Der bräunlich-rötliche Ausschlag (makulopapulöses Masernexanthem) beginnt üblicherweise hinter den Ohren und breitet sich in den folgenden Tagen vom Gesicht über den Körper bis zu den Armen und Beinen aus. Ebenfalls charakteristisch ist ein gleichzeitiger Fieberanstieg auf über 40 °C, der jedoch zusammen mit dem Ausschlag zwischen dem 5. und 7. Krankheitstag zurückgeht. Noch einige Tage nach Abklingen der Krankheitssymptome kann sich die Haut schuppen. Nach der Infektion bildet das Immunsystem Antikörper und ist fortan gegen die Masernviren immun. Die Behandlung von Masern erfolgt in der Regel symptombezogen. Spezielle Medikamente gibt es nicht. Stattdessen empfehlen Ärzte körperliche Schonung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und kleine Mahlzeiten. Bei Bedarf kommen Schmerzmittel zum Einsatz. Fiebersenker sind nicht notwendig. Lesen Sie auch: Fiebermessen bei Kindern

Welche Komplikationen können auftreten?

Nach einer akuten Maserninfektion ist das Immunsystem geschwächt. Die Erholungsphase kann von 6 Wochen bis zu mehreren Monaten dauern. Durch die Abwehrschwäche kann der Kontakt mit Bakterien leichter zu einer sogenannten Superinfektion führen. Diese kann sich in einer Bronchitis, Lungenentzündung oder starken Durchfällen bemerkbar machen. Deutlich schwerwiegender und deshalb gefürchtet ist die sogenannte postinfektiöse Enzephalitis (auch Masern-Hirnhautentzündung), die in etwa 0,1 % (1 von 1.000) der Krankheitsfälle auftritt. Sie geht mit starken Kopfschmerzen und Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma einher. Etwa 10 bis 20 % der Erkrankten versterben an der Hirnhautentzündung. In 20 bis 30 % der Fälle kommt es in der Folge zu schweren gesundheitlichen Schäden wie Lähmungen und geistigen Behinderungen. Sehr selten (je nach Altersgruppe 5 bis 60 Fälle pro 100.000 Maserninfektionen) kommt es zur sogenannten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), die erst 6 bis 8 Jahre nach der durchgemachten Maserninfektion auftritt. Sie betrifft vor allem Kinder, die in frühester Kindheit (unter 5 Jahren) an Masern erkrankt waren. Die Entzündung des Gehirns beginnt mit psychischen und intellektuellen Veränderungen und führt fortschreitend zu einem Verlust sämtlicher Körperfunktionen. Die Prognose ist äußerst schlecht, die SSPE führt so gut wie immer zum Tod.

Maserninfektion durch Impfung vorbeugen

Der wirksamste Schutz vor Masern ist und bleibt die Impfung mit abgeschwächten Masernviren. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt dazu zwei Impfungen: Eine im Alter von 11 bis 14 Monaten, die Zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten. Studien zeigen, dass die zweifache Impfung einen ausreichenden und lebenslangen Schutz vor einer Maserninfektion bietet. (Lesen Sie auch: Kind hat Angst vor dem Impfen) Erwachsene haben Gelegenheit, in der Kindheit nicht erfolgte Impfungen nachzuholen. Die STIKO empfiehlt dies grundsätzlich für alle Personen, die nach 1970 geboren wurden und über 18 Jahre alt sind. Anders als bei Kindern erfolgt hier nur eine einmalige Gabe von Impfstoff, womit sich jedoch oftmals ein ausreichender Schutz erreichen lässt. Nebenwirkungen sind bei der Masernimpfung selten. Gelegentlich kommt es zu Rötungen, Schwellungen und leichten Schmerzen an der Einstichstelle. Leichtes Fieber, Müdigkeit, Kopfweh und Magen-Darm-Probleme können ebenfalls auftreten. Sie sind jedoch nur von kurzer Dauer und verschwinden von selbst. Etwa fünf Prozent der Geimpften entwickeln sogenannte Impfmasern. Dabei handelt es sich um eine abgeschwächte Form der Masern mit leichtem Hautausschlag, Fieber und Husten sowie Schnupfen. Ansteckend ist diese Form der Masern jedoch nicht.

Die Gefahren der Impfmüdigkeit

Etwa 90 % der Eltern in Deutschland lassen ihre Kinder gegen Masern impfen. Das ist erfreulich, allerdings vergessen viele Eltern bewusst oder unbewusst die so wichtige zweite Impfung. Nur sie kann einen ausreichenden Schutz vor Masern herstellen. Statistiken zufolge sind 2014 aber nur rund 74 % der 24 Monate alten Kinder ein zweites Mal geimpft worden. In früheren Jahrgängen sinkt die Zahl sogar auf rund 50 %. Durch die fehlende zweite MMR-Impfung steht die sogenannte "Herden-Immunität" auf dem Spiel. Sie besagt, dass wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen eine Infektionskrankheit geimpft sind, ein ausreichender Schutz besteht. Fällt die Zahl deutlich darunter, bricht die Immunität der "Herde" zusammen und so gut wie ausgerottete Krankheiten können sich wieder ausbreiten.
Text: O. K. / Stand: 04.06.2019

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