Neurodermitis beim Baby

Baby mit Windel
Neurodermitis beim Baby zeigt sich meist erst nach dem
3. Lebensmonat - Foto: © Gabees


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Es gibt beinahe nichts Schlimmeres für Eltern, als sein eigenes Kind leidend zu sehen. Und doch ergeht es vielen Eltern von an Neurodermitis erkrankten Kindern so. Beim Anblick der Kleinen leiden die Eltern und auch andere Erwachsene einfach nur mit. Und das eigentliche Belastende an der Situation ist auch noch die Hilflosigkeit, die man bei näherer Betrachtung den Eltern ansehen kann.
Die Haut des Babys richtig pflegen

Was ist Neurodermitis eigentlich?

Neurodermitis wird auch als Atopisches Ekzem oder als Atopische Dermatitis bezeichnet. Das besonders Schwierige an einer Neurodermitis ist, dass sie viele Gesichter hat und unter Umständen die Ursache dafür niemals gefunden werden wird. So individuell wie die betroffenen Personen sich geben, sind auch die Formen der Neurodermitis vielschichtig. Dennoch gibt es typische Merkmale, die zwar häufig, aber leider nicht immer ein eindeutiges Indiz für eine Neurodermitis sind. Bei Babys zeigt sich eine Neurodermitis in vielen Fällen erst nach dem dritten Lebensmonat. Sie erscheint meist vorerst im Gesicht, vor allem in der Region der Wangen. Auch auf der Kopfhaut tritt die Atopische Dermatitis gern zuerst auf. Die Haut ist an diesen Stellen gerötet, sie kann aber auch Bläschen auswerfen und nässen oder aber sich ganz trocken und schuppig zeigen.
Und was tun, wenn das Baby einen wunden Po hat?

Ursachen für Neurodermitis beim Baby

Hautpflege bei Neurodermitis
Bei Neurodermitis ist die richtige Hautpflege sehr wichtig
Foto: © bokan

Die Forschung ist der Meinung, dass in mehr als dreiviertel aller diagnostizierten Fälle, eine genetische Veranlagung zu einer Allergie bei den Betroffenen vorhanden ist. Durch bestimmte Umweltfaktoren wird die Wahrscheinlichkeit an Neurodermitis tatsächlich zu erkranken, noch erhöht. Durch die Hygienemaßnahmen, die in der heutigen Zeit als selbstverständlich gelten, kommen Babys erst später mit Allergieauslösern in Kontakt. Dies können zum Beispiel Milcheiweiße oder Tierhaare sein. Auch Hausstaubmilben oder die Unmenge an erwerbbaren Pflegeprodukten für Babys können eine Neurodermitis verursachen. Das Gute an diesen Auslösern ist, dass sie in der Regel durch Tests nachweisbar sind, denn der Körper bildet ab einem bestimmten Alter Antikörper gegen die Allergieauslöser, und diese können Aufschluss über die Ursache der Allergie geben. Überhaupt spielt die Ernährung eine besondere Rolle. Insbesondere wenn kleine Babys vor dem 7. Lebensmonat mit Beikost gefüttert werden. Nachweislich hilft das Stillen, das Risiko eines Atopischen Ekzems zu minimieren. Zwar ist dies keine Garantie oder gar ein Freifahrtschein, aber so ermöglichen Sie dem Kind einen optimalen Einstieg ins Leben. Fremdeiweiße sollte das Baby unbedingt erst nach dem Ende seines sechsten Lebensmonats bekommen.

Doch nicht immer lösen Allergien die quälende Neurodermitis aus. Auch starke Belastung durch Stress ist ein Faktor, der auch bei Babys nicht unterschätzt werden darf. Babys reagieren auch auf Stress, nicht nur auf den eigenen, sondern auch auf den Stress der Eltern, der sich nun einmal unweigerlich auf das Kind übertragen kann. Auch Zigarettenrauch begünstigt eine Neurodermitis. Infektionen, mit denen der Körper eines Babys zu kämpfen hat, verschlechtern nur zu oft das Hautbild.

Symptome der Neurodermitis

Ein typisches Symptom einer Neurodermitis ist die trockene Haut des Babys. Im Speziellen tritt in den Ellenbeugen und Kniekehlen die Neurodermitis in Erscheinung. Auch typisch sind die unscharf begrenzten Rötungen am Rumpf des Babys, wobei der Windelbereich auffälliger Weise so gut wie nie betroffen ist. Dies liegt am feuchten Milieu in der Abgeschlossenheit der Windel. Hauteinrisse an den Ohrläppchen oder die typische Doppellidfalten geben Hinweise bei der Diagnose einer Neurodermitis. An den Stellen der Hautrötungen arbeiten die Talgdrüsen der Haut nicht korrekt, es wird unzureichend Talg gebildet und ausgeschüttet. Er hält die Haut aber geschmeidig und wirkt gleichzeitig antibakteriell. Durch die verminderte Talgbildung haben Bakterien und Pilze ein Leichtes Spiel. Die Krönung der Neurodermitis ist der unglaublich quälende Juckreiz, der die kleinen Babys bereits zur Weißglut bringen kann. Durch das Kratzen wird die Haut extra noch aufgerissen und Infektionen können sich ausbreiten. Daher bietet sich gerade bei Babys an, in Momenten, in denen die Eltern nicht aufpassen können, wie zum Beispiel während der Nacht, dem Kind Fäustlinge anzuziehen.
Der Juckreiz nimmt bereits unseren kleinsten Mitmenschen die Konzentration. Er raubt Ihnen mitunter den Schlaf und setzt das Kind zwangläufig wieder einer Stresssituation aus. Es ist ein Teufelskreis. Der Juckreiz nimmt auch den Babys ein Stück Lebensqualität. Um den Juckreiz zu lindern, können Sie statt kratzen auch auf die betroffene Stelle drücken oder sie streicheln. Lenken Sie Ihr Kind ab. Versuchen Sie alles, damit es nicht die Stelle aufkratzt.

Die Therapie

Was kann ich also tun, um meinem Kind das Leben zu erleichtern? Zunächst einmal sollten Sie eine eindeutige Diagnose durch einen Facharzt stellen lassen. Er wird mit Sicherheit als erstes eine Fettsalbe, ein Ölbad oder eine Salbe mit Harnstoff verschreiben. Bringt dies keine Besserung greifen die Mediziner gern zu Kortisonsalben. Dazu sei gesagt, dass dies die Ausnahme bleiben sollte. Denn die Wirkung der Salbe lässt mit zunehmender Anwendung nach. Es werden immer höhere Dosen Kortison benötigt, um das gleiche Resultat zu erzielen. Dabei wird die Haut des Babys jedoch immer dünner, durch die andauernde Kortisonbehandlung. Daher sollten Sie sich als Motto im Hinterkopf behalten, Kortison wirklich nur bei schlimmen Schüben, die eine schnelle Linderung der Beschwerden erfordern.
Besser ist eine Langzeittherapie. Wurde durch einen Test eine Lebensmittelallergie festgestellt, hilft eine gezielte Ernährung, die Auswirkungen zu lindern. Auch die Langzeitbehandlung mit Nachtkerzenöl hat sich erfolgreich gezeigt. Die Haut eines an Neurodermitis erkrankten Babys sollte gepflegt werden, aber nicht überstrapaziert. Das bedeutet zwei Mal täglich die Haut fetten. Achten Sie darauf, dass diese Prozedur keine Qual für Kind wird, zumindest so weit dies machbar ist. Das ständige Cremen kann schnell zu einer Belastungsprobe für die Nerven von Baby und Eltern werden. Versuchen Sie es mit Streicheleinheiten oder Massagen zu verbinden. Verwenden Sie nur Dusch- und Badeöle mit über 50 % Lipidanteil und vermeiden Sie es, die Haut Ihres Babys durch Schwämme und Lappen unnötig zu reizen.

Versuchen Sie am besten, Ihr Kind entsprechend der Krankheit zu kleiden. Also verbannen Sie Viskose, Polyester und Nylon aus dem Kleiderschrank Ihres Babys. Stattdessen sind atmungsaktive Stoffe angesagt: Baumwolle, Seide und Mikrofaserstoffe lassen die Haut nicht schwitzen. Denken Sie auch an die Bettwäsche, um nachts einen Hitzestau zu vermeiden. Mittlerweile sind Textilien im Handel erhältlich, die mit eingearbeiteten Silberfäden direkt für an Neurodermitis erkrankte Patienten erhältlich sind. Sie sind zwar preisintensiv, wirken aber antibakteriell und beruhigen die Haut.

Helfen all diese Möglichkeiten nicht, dann wird es Zeit eine Spezialklinik für Hauterkrankungen aufzusuchen. Wie es zum Beispiel das Schloß Friedensburg in Leutenberg im Thüringer Wald ist. Eine Neurodermitis begleitet einen Menschen oft ein Leben lang. Aber sie verschwindet auch manchmal wieder so schnell, wie sie plötzlich aufgetaucht ist. Besonders im Grundschulalter oder der Pubertät können die Kinder auf eine Erlösung hoffen. Bis dahin bleibt die Möglichkeit, zu Lernen mit der Erkrankung umzugehen und zu versuchen, weitestgehend die Lebensqualität der Betroffenen zu halten.
Text: C. D. / Stand: 27.07.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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