Tetanus - Ein Erreger der Geschichte?

Arzt mit Schild Tetanus
Was ist Tetanus eigentlich? - Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com

In diesem Artikel erklärt eine Ärztin was Tetanus ist, welche Symptome auftreten können, wie die Behandlung aussieht und was man zur Vorbeugung tun kann.

Tetanus auch Wundstarrkrampf genannt

Wir schreiben das Jahr 2016. In diesem Jahr ereignete sich in Bayern etwas für Europa doch ungewöhnliches. Eine ältere Frau zog sich bei der Gartenarbeit eine tiefere Schnittwunde zu und begab sich zur Wundversorgung in das nächstgelegene Krankenhaus. Nach einigen Tagen bemerkte sie zunehmende Muskelschmerzen, eine Kieferklemme, Schluck- und Sprachstörungen, weshalb sie sich erneut besorgt vorstellte. Als man sie nach Hause entließ und die Symptome sich in den darauffolgenden Tagen weiterhin verschlechterten, war es der Ehemann, der den Verdacht äußerte, seine Frau könnte an Tetanus erkrankt sein. Daraufhin wurde die Patientin entsprechend intensivmedizinisch betreut. Schlussendlich erlag sie jedoch den Folgen ihrer Tetanusinfektion.

So fragt man sich natürlich, wie dies habe passieren können. Aufgrund des seltenen Auftretens in unseren Breitengraden gerät diese Erkrankung des Öfteren in Vergessenheit, sodass auch bei unklarem Impfstatus nicht an eine vorbeugende Impfung gedacht wird. Zudem muss in Betracht gezogen werden, dass die Ärzte von heute, diese Krankheit zum Teil nur aus den Lehrbüchern kennen und hier sicherlich das verspätete Erkennen eine Rolle gespielt hat.

Doch was ist Tetanus eigentlich und wie steckt man sich damit an?

Der Erreger Clostridium tetani, ist ein weitverbreiteter Keim, der sich ohne Sonneneinwirkung jahrelang am Leben hält und am häufigsten im Boden oder im Kot von Pferden und anderen Tieren, aber auch beim Menschen, nachgewiesen werden kann. So gelang also der Erreger bei unserem Fall durch den Kontakt zur Erde in die offene Schnittwunde.

Normalerweise herrscht bei einem gesunden Menschen ein sauerstoffreiches Milieu im Körper, sodass der Erreger, auch wenn er in unseren Körper gelangen sollte, seine Gifte nicht produzieren kann. Dies verhält sich jedoch bei älteren Menschen mit eventuellen Durchblutungsstörungen oder Diabetes, Menschen mit einer chronischen Hauterkrankung sowie bei nicht gut versorgten Wunden oder abgestorbenem Gewebe im Rahmen von Verletzungen anders. Der in diesen Fällen vorliegende Sauerstoffmangel gibt dem Erreger die Möglichkeit nun das Gift zu produzieren und zu verbreiten. Dies ist auch der Grund, warum es in Entwicklungsländern, in denen die medizinische Versorgung und die Hygienevorschriften schlechter sowie die Impfraten niedriger sind, zu vermehrten Tetanusinfektionen kommt.

Symptome einer Tetanusinfektion

Hauptsächlich neurologische Symptome prägen dieses Krankheitsbild. So ist ein charakteristischer Gesichtsausdruck, der einem starren Lächeln ähnelt, typisch. Zudem kann es zu einer Kieferklemme und bei Beteiligung des Halses ebenfalls zu Sprach- und Schluckstörungen kommen. Häufiger kennt man jedoch das Bild eines Menschen, der in einer überstreckten Haltung verkrampft daliegt. Das, was dahingegen lebensbedrohlich ist, sind Beteiligungen des Herz- und Lungenkreislaufes. Kommt es hier zu einem Befall durch den Erreger, kann dies durch Atemstillstand oder Kreislaufstörungen tödlich enden. Manchmal kann die Erkrankung indes zu Beginn durch unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Abgeschlagenheit, übermäßiger Schweißproduktion oder Blutdruckschwankungen gekennzeichnet sein. Eine neonatale Form, bei der die Säuglinge von ungenügend immunisierten Müttern entbunden werden oder bei denen nicht auf eine hygienische Entbindung geachtet wurde, führt zu Steifheit, Trinkschwäche und Krämpfen.

Behandlung von Tetanus - Wie kann mir geholfen werden, wenn ich mich doch anstecke?

Dank der hohen Impfrate in Deutschland (Impfquote bei Kindern im Vorschulalter: 96 %), erkranken derzeit jährlich 10-15 Menschen in Deutschland. (Wichtige Impfungen für Kinder) Sollten Sie oder jemand in Ihrer Familie dennoch betroffen sein, kann Ihnen dank fortgeschrittener Therapieverfahren geholfen werden. Das Risiko den Folgen zu erliegen, liegt trotz adäquater Therapie, dennoch bei 10-20 %. Eine Therapie besteht aus der Gabe von Tetanus-Immunglobulinen, die zur Neutralisation von dem freien Gift dienen, einer chirurgischen Wundversorgung und einer antibiotischen Therapie mit Metronidazol. Außerdem werden die verkrampften Muskeln anhand von Medikamenten entspannt. Des Weiteren erfolgt eine Intensivtherapie, die zum Ziel hat, die überlebenswichtigen Funktionen des Herz- und Lungenkreislaufs aufrechtzuerhalten.

Vorbeugung - Wie kann ich mich und meine Familie also schützen?

Neben einer sorgfältigen Hygiene, vor allem im Ausland, sollte man darauf achten, dass Wunden stets gewissenhaft gereinigt werden. Zudem sollte man immer auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Sollten Sie sich also nicht sicher sein, ob Sie in den letzten 10 Jahren eine Auffrischimpfung erhalten haben, schauen Sie in Ihrem Impfpass nach. Achten Sie bei Ihren Kindern auf eine ausreichende Grundimmunisierung. Sollten Sie sich jemals eine Verletzung zuziehen und sind sich bezüglich Ihres Impfstatus nicht sicher, oder wissen, dass die letzte Impfung mehr als 10 Jahre her ist, weisen Sie die Ärzte darauf hin.

Die Grundimmunisierung Ihres Kindes sollte innerhalb der ersten 2 Lebensmonate mit einer aktiven Immunisierung begonnen und innerhalb von 14 Monaten vollendet sein. Diese beinhaltet 4 Einzelimpfungen. Daraufhin folgen im Kindes- und Jugendalter zwei Auffrischimpfungen, bis der vollständige Schutz gegeben ist. (Was tun, wenn das Kind Angst vor dem Impfen hat?) Seien Sie jedoch bei Hauterkrankungen, Durchblutungsstörungen und Diabetes, trotz ausreichendem Impfschutz, weiterhin auf der Hut. Ein 100%-iger Schutz ist nämlich leider nicht gegeben.
Text: R. M. (Ärztin) / Stand: 11.04.2019
[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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