Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz)

Schwangere ruht sich im Bett aus
Bei der Gebärmutterhalsschwäche ist Bettruhe angesagt
Foto: © pressmaster


Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Wenn der Muttermund sich vorzeitig öffnet

Die Gebärmutter ist der Ort, an dem das Ungeborene im mütterlichen Laib geschützt heranwachsen kann. Der untere Teil der Gebärmutter wird als Gebärmutterhals oder aber auch als Muttermund bezeichnet. Dieser ragt im Normalfall zwei bis drei Zentimeter in die Scheide hinein.

Damit keine Keime und Bakterien in die Gebärmutter eindringen können, ist diese Öffnung relativ eng. Erst mit der Geburt - unter dem Einfluss des Hormons Prostaglandin - weitet sie sich und erreicht beim Durchtritt des kindlichen Kopfes einen Durchschnitt von etwa 10 Zentimetern. Somit ist für das Baby der Weg frei auf unsere Welt. Doch nicht immer behält der Gebärmutterhals bis zum Ende der Schwangerschaft seine Stabilität. Verkürzt er sich und öffnet sich vorzeitig, so sprechen Mediziner von einer Gebärmutterhalsschwäche.

Die Gebärmutterhalsschwäche - auch als Zervixinsuffizienz bezeichnet - tritt häufig zwischen dem vierten und sechsten Schwangerschaftsmonat auf. Die werdende Mutter kann vorzeitige Wehen bekommen und die Gefahr einer Fehl- oder Frühgeburt nimmt drastisch zu. Bei einer Zervixinsuffizienz öffnet sich der Gebärmutterhals, weil er dem Gewicht der immer größer werdenden Gebärmutter und des darin heranwachsenden Kindes nicht mehr standhalten kann. Ein eigentlich ganz normaler Vorgang - wenn er um den errechneten Geburtstermin herum passiert. Doch viele Frauen erhalten diesen Befund bereits dann, wenn die Hälfte der Schwangerschaft noch vor ihnen liegt. Werdende Mütter bemerken meist gar nicht, dass sie unter einer Gebärmutterhalsschwäche leiden, denn dieser Vorgang kann ganz ohne Beschwerden und ohne Wehentätigkeit vonstatten gehen. Erst die Kontrolle im Rahmen der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung bringt Klarheit in Bezug auf den Zustand des Gebärmutterhalses.

Ursachen der Gebärmutterhalsschwäche

Erwartet eine Frau Zwillinge oder Drillinge, so ist die Gefahr einer Zervixinsuffizienz deutlich erhöht. Das doppelte oder fast dreifache Gewicht der Föten drückt hierbei auf den Muttermund und dieser kann sich vorzeitig öffnen. Auch bei Schwangeren, welche schon mehrere Kinder geboren haben, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Schwäche des Gebärmutterhalses. Weiterhin können Infektionen und Entzündungen dafür verantwortlich sein, dass sich der Muttermund vorzeitig öffnet. Auch eine allgemeine Bindegewebsschwäche, frühere Operationen an der Gebärmutter oder vorangegangene Fehl- oder Frühgeburten kommen als Ursachen für eine Zervixinsuffizienz in Frage.

Diagnose der Gebärmutterhalsschwäche

Da die Zervixinsuffizienz in der Regel bei der werdenden Mutter keine Beschwerden verursacht, wird die Diagnose erst im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge durch eine Tastuntersuchung oder der Ultraschallkontrolle gestellt. Mittels vaginalem Ultraschall, bei dem eine Sonde durch die Scheide eingeführt wird, erkennt der Gynäkologe als erstes Anzeichen der Zervixinsuffizienz eine Verkürzung des Gebärmutterhalses. Mittels Ultraschall kann er auch genau feststellen, ob und wie weit sich der Muttermund bereits geöffnet hat. Für die Schwangere selbst ist die Diagnose der Gebärmutterhalsschwäche meist ein Schock. Die werdende Mutter macht sich Sorgen und hat Angst, dass ihre Gebärmutter das Baby nicht länger halten kann und eine Fehl- oder Frühgeburt droht.

Behandlung der Zervixinsuffizienz

Zuerst prüft der Frauenarzt, wie weit die Gebärmutterhalsschwäche fortgeschritten ist. Beträgt die Länge des Gebärmutterhalses weniger als 2,5 cm (normal sind ca. 4 cm), so droht eine Frühgeburt, welche es aufzuhalten gilt. Steckt eine Infektion hinter der Zervixinsuffizienz, so wird der Arzt einen Abstrich nehmen und der werdenden Mutter ein auf die speziellen Bakterien abgestimmtes Antibiotikum verordnen. Zudem sind Bettruhe und jegliche Unterlassung von körperlich anstrengenden Tätigkeiten unerlässlich. Durch engmaschige Untersuchungstermine ist es dem Frauenarzt möglich, ein Voranschreiten der Gebärmutterhalsschwäche rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls weitere Therapiemaßnahmen einzuleiten. In manchen Fällen kann eine stationäre Aufnahme der Schwangeren sinnvoll sein, vor allem dann, wenn sie aufgrund ihrer familiären Situation zuhause nicht die nötige Ruhe finden würde.

Um eine drohende Frühgeburt auf Grund einer Gebärmutterhalsschwäche zu verhindern, hat der Frauenarzt die Möglichkeit, der Schwangeren den Muttermund zuzunähen. Diese so genannte Cerclage wird in Narkose durchgeführt und kurze Zeit vor dem errechneten Geburtstermin wieder aufgehoben. Ebenso besteht die Option, einen weichen Kunststoffring (Cerclagepessar) über den Gebärmutterhals zu legen. Dieser soll verhindern, dass sich der Muttermund vorzeitig öffnet. Beide Varianten können bei einer Zervixinsuffizienz von Nutzen sein, bergen aber auch gewisse Risiken in sich. Daher sollten diese Eingriffe nur nach einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt werden.

Neben diesen Behandlungsmöglichkeiten kann die betroffene werdende Mutter aber auch selbst etwas für das Fortbestehen ihrer Schwangerschaft beitragen. So sollte sie bis zum Geburtstermin auf den Geschlechtsakt verzichten und keinesfalls Rauchen, da Nikotin die Geburtsbestrebungen stark fördert.
Text: K. L. / Stand: 11.12.2019

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

Lesenswerte Artikel: