Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung?

Schwangere hat Kopfschmerzen
Kopfschmerzen und Schwindel sind typische
Symptome der Gestose - Foto: © Kaspars Grinvalds


Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

Was ist eine Gestose?

Werdende Mütter sehen sich bereits nach der ersten Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Frauenarzt mit einer Menge neuer Begriffe konfrontiert.

So taucht in Schwangerschaftsratgebern oder auf verschiedenen Internetseiten immer wieder das Wort "Gestose" auf - und viele Frauen sind sich nach wie vor unsicher, was das eigentlich bedeutet. Früher nannte man eine Gestose auch "Schwangerschaftsvergiftung". Doch inzwischen weiß man, dass es sich hierbei nicht um eine Vergiftung handelt, sondern vielmehr um eine Reihe von Symptomen unklarer Genese, welche während der Schwangerschaft auftreten können.

Zur Verwirrung rund um die Gestose tragen in erster Linie die verschiedenen Bezeichnungen bei, welche Forscher und Ärzte verwenden. Während die einen den Blutdruckanstieg in den Vordergrund stellen und den Begriff SIH (schwangerschaftsinduzierte Hypertonie) benutzen, bezeichnen die anderen die Gestose als EPH-Gestose und orientieren sich dabei an den drei Hauptsymptomen, welche werdende Mütter häufig aufweisen. Dabei steht das E für Edema (Ödeme), das P für Proteinurie (Eiweiß im Urin) und das H für Hypertonie (Erhöhung des Blutdruckes). Manche Ärzte sprechen auch von HES, was soviel bedeutet, wie hypertensive (durch plötzlichen Blutdruckanstieg ausgelöste) Erkrankungen in der Schwangerschaft. Trotz intensiver Forschungen stellt die Gestose nach wie vor Wissenschaftler und Ärzte vor Rätsel und noch lange sind nicht alle Auslöser für diese Erkrankung gefunden.

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Frühgestose und Spätgestose

Je nach dem, wann die Schwangere bestimmte Symptome bei sich bemerkt, unterscheiden Ärzte zwischen einer Frühgestose und einer Spätgestose. Treten die Beschwerden im ersten Trimester der Schwangerschaft auf, so spricht man von einer Frühgestose. Hierzu zählen unter anderem auch die Übelkeit und das meist morgendliche Erbrechen. Spätgestosen dagegen machen sich im dritten Trimester bemerkbar. Sie gehen meist mit Wassereinlagerungen, Bluthochdruck und Kopfschmerzen einher. Dazu gehören auch die Präeklampsie, die Eklampsie und das HELLP-Syndrom. Im zweiten Drittel der Schwangerschaft fühlen sich die meisten werdenden Mütter ziemlich wohl. Das ist auch die Zeit, welche meist frei von Gestosen, also von schwangerschaftsbedingten Beschwerden, ist.

Ursachen der Gestose

Lange Zeit war man der Meinung, dass der mütterliche Körper während der Schwangerschaft eine Art Gift produziert, welches die verschiedenen Symptome auslöst. Diese Ansicht ist jedoch veraltet. Vielmehr scheint es diverse Ursachen zu geben, welche den Körper der Frau in dieser Phase so verändern, dass daraus bestimmte Beschwerden resultieren. Neue Forschungen lassen vermuten, dass eventuell ein noch unbekannter Faktor X beteiligt sein könnte, der das Auskleiden der Blutgefäße beeinträchtigt. Andere Wissenschaftler schließen einen Zusammenhang mit der mütterlichen Plazenta, ein zu geringes Blutvolumen oder eine Fehl- oder Mangelernährung der Schwangeren nicht aus. Der Organismus der Mutter scheint mit der Schwangerschaft überlastet zu sein - doch bis die genauen Ursachen geklärt sind, werden wohl noch etliche Jahre ins Land gehen.

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Mögliche Symptome bei einer Gestose

Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen wird jede Schwangere regelmäßig beim Gynäkologen vorstellig. Dieser achtet genau auf mögliche Symptome einer beginnenden oder vorangeschrittenen Gestose. Diese können sein:

  • vermehrte Eiweißausscheidung über den Urin (mehr als 300 mg innerhalb 24 h)
  • erhöhter Blutdruck (über 140/90 mm Hg)
  • Wassereinlagerungen
  • Starke Gewichtszunahme innerhalb kurzer Zeit (mehr als 1 kg in einer Woche)
  • Kopfschmerzen, Erbrechen, Übelkeit
  • Schwindel
  • Verminderte Urinausscheidung
  • Sehstörungen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Krampfanfälle
Zu schweren Symptomen, wie Krampfanfällen oder Schmerzen im Oberbauch, kommt es zum Glück jedoch nur sehr selten, da der Arzt von Beginn der Schwangerschaft an auf mögliche Hinweise einer Gestose achtet und so frühzeitig diese Erkrankung erkennen kann. Nicht alle in der Schwangerschaft auftretenden Beschwerden deuten auf eine ernste Erkrankung hin. So zählt die häufig auftretende Übelkeit zu Beginn der Schwangerschaft zwar theoretisch zu einer Frühgestose, dennoch bleibt dieses Symptom in der Regel ohne gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind. Ob und in welchem Maße Beschwerden in der Schwangerschaft behandlungsbedürftig sind, das entscheidet der behandelnde Arzt.

Vorbeugung

Jede werdende Mutter kann selbst dazu beitragen, die Gefahr einer Gestose zu verringern. An erster Stelle seien hier die Vorsorgeuntersuchungen genannt. Man kann es nicht oft genug erwähnen: der regelmäßige Check beim Frauenarzt hilft dabei, erste Symptome einer Gestose frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, das diese sich unter Umständen lebensbedrohlich für Mutter und Kind ausweitet. Zur Vorbeugung schwangerschaftsbedingter Beschwerden empfehlen viele Ärzte eine tägliche Einnahme von 450 mg Magnesium pro Tag. Es wird vermutet, dass sich diese Gabe positiv auf den Blutdruck auswirkt und einen gewissen Schutz vor einer Präeklampsie bietet. Des Weiteren spielt eine ausgewogene und gesunde Ernährung eine große Rolle bei der Vorbeugung einer Gestose. Viel frisches Obst und Gemüse, hochwertige Öle und Vollkornprodukte sollten auf jeden Fall täglich auf dem Speiseplan stehen.

Gestose ist nicht gleich Gestose. Die Ursachen für diese Erkrankung liegen noch immer weitestgehend im Dunklen und daher wird der Vorsorge eine besonders große Bedeutung beigemessen. Die regelmäßigen Untersuchungen beim Gynäkologen lassen erste Anzeichen erkennen und behandeln, so dass die Gesundheit von Mutter und Kind nicht in Gefahr ist.
Text: K. L. / Stand: 27.07.2019

Viele weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie bei der
Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen e. V.

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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