Ausgehzeiten für Kinder und Jugendliche

Wie lange dürfen Kinder ausgehen?

Wer als Elternteil an seine eigene Jugend zurückdenkt, wird sich vielleicht leidlich daran erinnern, dass das Thema "ausgehen und Uhrzeit" häufig mit Konfliktpotential verbunden war. Kinder möchten ihre Freiheit und ihre Grenzen austesten, Eltern die erwachsen werdenden Kinder schützen - die Meinungen der Generationen liegen da meist nicht nahe beieinander. Mehr zum Thema Pubertät

Jugendschutzgesetz gibt Rahmen vor

Um Eltern zu helfen und die Kinder zu schützen, gibt das Jugendschutzgesetz einen rechtlichen Rahmen für die Ausgehzeiten von Jugendlichen in öffentlichen Einrichtungen vor. So wird bereits vom Gesetzgeber den Eltern unter die Arme gegriffen. In die Diskothek dürfen Teenies bis 15 nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten, ab 16 Jahre nur zusammen mit einem volljährigen Freund und maximal bis 24 Uhr und erst ab der Volljährigkeit mit 18 können die Eltern ihrem Kind rein rechtlich keine Beschränkungen mehr auferlegen. Gehen die Kinder abends aus und kommen mit Freunden im Jugendtreff, in Vereinen oder der Kirche zusammen, so ist dabei eine erfahrene Aufsicht anwesend und die Grenzen sind lockerer. Jugendliche bis 13 Jahre sind daher entsprechend bis 22 Uhr gern gesehene Gäste, bis 15 dürfen sie bis Mitternacht bleiben. Selbst im Kino gibt der Gesetzgeber zeitliche Grenzen der Vorführung vor. Ein Kinobesuch mit Freunden unter 14 Jahren muss bis 20 Uhr zu Ende gegangen sein, unter 16 Jahren bis 22 Uhr und Teenies unter 18 Jahren müssen spätestens Mitternacht das Kino verlassen.

Konflikte sind vorprogrammiert

Dass sich die Ansichten der Generationen beim Thema Ausgehzeiten scheiden, ist kein Geheimnis. Sätze wie: Meine Freundin darf das aber ..." gehören zum Standardrepertoire der Jugendlichen. Selbst Grundschüler, die sich abends zum Tischtennis auf dem Spielplatz treffen, kommen meist mit der Sperrstunde der Eltern nicht klar und fordern mehr.

Gegenseitiges Vertrauen stärken

Wie lange Kinder letztendlich abends ausgehen dürfen, hängt nicht nur vom Alter und den Gesetzmäßigkeiten ab, sondern auch vom gegenseitigen Vertrauen zwischen Eltern und Kind. Können sich die Eltern auf ihren Sohn oder die Tochter verlassen, wissen sie, dass das Kind abgesprochene Zeiten einhält und verlässlich ist? Ruft es an, sollte es den Bus verpasst haben oder aus einem anderen Grund später kommen? (Hier ist ein Handy für Kinder sinnvoll.) Dieses Vertrauen entsteht über einen langen Zeitraum. Im Grundschulalter darf das Kind an den Wochenenden während der Sommermonate bis 8 Uhr länger draußen bleiben, beginnt die weiterführende Schule verlängert sich die Zeit entsprechend. Denn ab ca. 12 - 14 Jahren müssen die Kinder aufgrund der Entfernung der Schule oft eh mit dem Bus oder der Bahn pendeln, haben lange Training, Chor oder Musikschule. Nach und nach werden so die Grenzen auf 9 Uhr und später auf 10 Uhr gelockert. Beweist das Kind, dass es sich an Regeln hält und enttäuscht das Vertrauen der Eltern nicht, ist es Zeit, dieses Vertrauen an das Kind zurückzugeben.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Zwar gibt der Gesetzgeber die Zeiten für öffentliche Einrichtungen vor, doch spätestens bei einer Party bei Freunden fragen sich Eltern, welche Ausgehzeit ist angemessen. Ab 16 Jahren lockern die meisten Eltern die zeitlichen Grenzen und geben den Jugendlichen mehr Eigenverantwortung. Doch auch diese sollte in einem abgesprochenen Rahmen stattfinden: Mehr Freiheiten, gerne, aber nur wenn du dich an unsere Regeln hältst.

Konsequenz und Grenzen

Eltern haben die Aufgabe, ihr Kind zu schützen, denn viele Situationen werden von den Jugendlichen falsch eingeschätzt. Doch hierbei besteht immer die Gefahr, dass Eltern ihr Kind einengen. Zu strenge Grenzen und das "Verbotene" lassen sehr schnell Begehrlichkeiten auflodern. Nur wenn die Teenies lernen, mit ihren Freiheiten umzugehen, können sie sich zu verantwortungsvollen Erwachsenen entwickeln. Für Eltern ist es daher notwendig, die aufgestellten Regeln auch konsequent durchzusetzen und zur Not auch mit dem Familienwagen vor der Diskothek zu stehen und das Kind abzuholen, sollte es sich nicht pünktlich wieder zu Hause einfinden. Diese Sorge um das Wohl dürfen und müssen Eltern auch eindeutig den Jugendlichen widerspiegeln. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel. Natürlich kann auch ein Teenie auf ein Konzert gehen, dass länger als üblich andauert. Vielleicht wird es dann von den Eltern abgeholt. Oder Fahrgemeinschaften anderer Eltern bzw. ein Taxi gibt Kindern und Erziehungsberechtigten mehr Sicherheit. Auch bei engen Grenzen wird von Eltern ab und zu Flexibilität erwartet, und das zu Recht.

Das Gespräch suchen

Ausschließlich enge Regeln aufzustellen, ohne die Gründe dafür mit dem Kind gemeinsam zu besprechen, wird in der Regel zu starkem Konfliktpotential führen. Die Kinder und Jugendlichen müssen ein Gespür dafür entwickeln und verstehen, dass die ihrer Meinung nach zeitige Sperrstunde keine Schikane ist, sondern eine berechtigte Sicherheitsmaßnahme. Gespräche über Alkohol am Steuer, KO-Tropfen in Getränken oder Zeitungsberichte über belästigte Mädchen können die Gefahren realer erscheinen lassen. Eine Möglichkeit die Teenager als Eltern zu unterstützenkönnen ist, ihnen die Teilnahme an einem Selbstverteidigungskurs zu ermöglichen oder diverse Aufklärungsvorträge mit ihnen gemeinsam zu besuchen.

Ganz ohne Streit wird es wohl in keiner Familie beim Thema Ausgehzeiten zugehen. Eltern müssen lernen ihren Kindern zu vertrauen und dennoch wichtige Grenzen abstecken. Dies ist ein Balanceakt und nicht einfach. Besonders Teenager brauchen jedoch die berühmte rote Linie, die sie nicht überschreiten dürfen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil in der Entwicklung der Jugendlichen.
Text: C. D. / Stand: 13.12.2018

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