Getrennte Kinderzimmer - Ab wann sinnvoll?

Ein aufgeräumtes Kinderzimmer mit Doppelstockbett
Sind getrennte Kinderzimmer besser? - Foto: © poligonchik


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Jedem Kind ein Zimmer?

Vermutlich gibt es sie nicht, die "goldene Geschwisterregel", die zweifelsfrei besagt, welchen Altersabstand Kinder idealerweise haben sollten und wie sie am besten miteinander und nicht nur nebeneinander aufwachsen.

Dennoch gibt es Situationen, in denen Eltern vermutlich gerne eine solche Universalregel bei der Hand hätten, zum Beispiel wenn es darum geht, ab wann die Kinder spätestens voneinander getrennte Kinderzimmer haben sollten.

In vielen Fällen ist es zunächst vor allem eine ganz praktische Sache, beide Kinder zusammen in einem Zimmer unterzubringen, speziell wenn nicht so viel Platz in der Wohnung vorhanden ist. Geschwister mit einem verhältnismäßig geringen Altersabstand orientieren sich ohnehin oft besonders stark aneinander und haben aufgrund der altersmäßigen Nähe auch ähnliche Interessen und Spielideen. Da ist es häufig gar nicht so wichtig, ob es sich dabei um Jungen oder Mädchen handelt. Sind bereits von Anfang an zwei Räume vorhanden und das kleinere Geschwisterkind dem Babyalter entwachsen, kann man für die Kinder auch einen gemeinsamen Schlafraum und einen Spielraum einrichten.

Das hat mehrere Vorteile. Schlaf- und Spielbereich sind klar getrennt und die leidige Diskussion ums Aufräumen vor dem Schlafengehen entfällt an den meisten Tagen. Großartige Bausteinkonstruktionen, Autorennstrecken, Legobaustellen und Puppenkaffeekränze können stehen gelassen und am nächsten Tag weiter bespielt werden. Auch Eltern, die sich darum sorgen, dass sich die Kinder gegenseitig beim Schlafen stören könnten, werden erstaunt sein, wie problemlos das Ganze funktionieren wird - immer vorausgesetzt, dass die Erwachsenen mit der nötigen Konsequenz hinter dieser Lösung stehen.

Gemeinsame Räume für Kinder

Gemeinsame Räume und Spielsachen bedeuten nicht notwendigerweise, dass man den individuellen Ansprüchen der Kinder nicht gerecht werden kann. Im Gegenteil: Lerneffekte und Synergien sind auf diese Weise umso größer. Besonders in den ersten Lebensjahren ist es für Kinder enorm wichtig, untereinander zu kommunizieren, sich mit anderen zu messen, zu arrangieren und zu vergleichen. Das eigene Geschwisterkind ist dabei nicht selten der wichtigste Gradmesser und Maßstab, einfach weil es immer da und weil es so vertraut ist.

Kinder brauchen einen Raum zum Zurückziehen

Nichtsdestotrotz müssen auch Geschwisterkinder, die eng miteinander aufwachsen, eine Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen und Aktivitäten unabhängig vom anderen nachgehen zu können. Eltern werden merken, wenn Kinder Zeit für sich benötigen; Freiräume sucht sich der Nachwuchs in der Regel ganz alleine, und wenn es zunächst am Küchentisch oder in der Garage ist. Mit dem Ende der Grundschulzeit, spätestens jedoch mit Beginn der Pubertät brauchen Kinder dann einen Raum, in den sie sich zurückziehen können, wann immer sie wollen. In vielen Familien ist das ein beliebter Zeitpunkt zur Neugestaltung und Renovierung der Kinderräume. Möbel- und Farbwünsche sind jetzt unter Umständen ganz anders, und der Nachwuchs sollte beim Aussuchen der Einrichtungsgegenstände und auch beim Renovieren selbst unbedingt mit einbezogen werden.

Auf diese Weise begeben sich die Kinder aktiv in einen neuen Lebensabschnitt, ab diesem Zeitpunkt mit größerem eigenen Entscheidungsraum und mehr Individualität, aber noch immer mit der Möglichkeit, die Zimmertür für den Rest der Familie und das Geschwisterkind zu öffnen, wenn es denn gewünscht ist.
Text: St. H. / Stand: 13.12.2018

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