Privatsphäre für Kinder?

Mädchen mit Schild: Raus
Brauchen auch Kinder eine Privatsphäre?
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Sollten Kinder eine Privatsphäre haben?

Es entpuppt sich schon als echte Gratwanderung, die elterliche Verantwortung zu übernehmen und dabei die Privatsphäre des Kindes zu respektieren.

Denn einerseits möchten Mütter und Väter ihr Kind vor Negativem schützen, andererseits brauchen auch die Mädchen und Jungen einen geeigneten und sicheren Rückzugsort. Der Konflikt bezüglich der Grenzen der Privatsphäre taucht früher oder später in fast jeder Familie auf.

Kinder fordern Freiraum ein

Wer unter dem Motto "Meine Wohnung - mein Hoheitsgebiet" seinem Kind keine Privatsphäre schenkt, wird schnell an die Grenzen seiner Belastbarkeit geraten. Während Klein- und Vorschulkinder auch gern bei den Eltern im Wohnzimmer spielen oder die Tür ständig offen halten, stecken pubertierende Teenies kaum noch den Kopf aus dem Zimmer. Spätestens ab dem Schulalter ist nach Möglichkeit ein eigener Raum für die Kinder sinnvoll. Dort können sie sich vor den Eltern und vor allem vor nervigen Geschwisterkindern zurückziehen. Ab wann sind getrennte Kinderzimmer sinnvoll?

Auch Eltern müssen Grenzen gesetzt werden

Ab dem Schulbeginn sollten auch Eltern sich angewöhnen, vor dem Betreten des Kinderzimmers anzuklopfen und ein "Ja, bitte!" abzuwarten. Ebenso verhält es sich bei Besuchen von Freunden der Tochter oder des Sohnes. Die Eltern sind dort ungebetene Gäste im eigenen Zimmer. Wichtige Gespräche werden geführt und Erfahrungen ausgetauscht. Stören die Eltern diese wertvollen sozialen Kontakte, wird sich ihr Kind bald außerhalb der Reichweite der Eltern mit Freunden treffen. Ebenso verhält es sich mit der Kontrolle von Briefen, Tagebüchern oder geheimen Verstecken der Kinder. Sie sind auch für Eltern tabu. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn ein begründeter Verdacht der Eltern vorliegt, etwa dass das Kind gestohlen hat oder Drogen verwahrt.
Was können Eltern tun, wenn Kinder klauen?

Regeln + Vertrauen = Frieden im Haus

Spätestens in der Pubertät verlangen die Teenies viel Privatsphäre. Dafür müssen vorher jedoch klare Regeln und Grenzen im Gegenzug für das eigene Reich gesetzt werden. Solange diese von beiden Seiten eingehalten werden, gibt es keine Sanktionen. Das Konfliktpotential über die Privatsphäre des Kindes hält sich zumeist im unteren Level. Schwierig wird es diese Grenzen zu finden. Je nach Alter des Kindes variieren natürlich die Freiheiten. So kann etwa vereinbart werden, dass zu laute Musik nicht toleriert wird, ein Zapfenstreich zum Tragen kommt oder keine Essensreste im Zimmer unliebsame Tiere anlocken dürfen. Die Eltern betreten das Zimmer im Gegenzug nicht, sofern es der Teenie nicht gestattet. Für das Aufräumen des Jugendzimmers sind in erster Linie die Kinder selbst verantwortlich. Zum Beispiel: Wäsche, die nicht im Wäschekorb landet, kommt auch nicht in die Maschine, sondern verweilt weiter auf dem Fußboden. Was tun, wenn Kinder sich nicht an die Regeln halten?

Wie viel Intimsphäre braucht mein Kind mit seinem festen Freund?

Kaum dass der Sohn eine Freundin mit nach Hause bringt oder die Tochter mit ihrem Schwarm im Zimmer verschwindet, schlägt das Herz der Eltern höher und die Phantasie geht mit ihnen durch. In solchen Fällen kommt es auf die Grundeinstellung der erziehenden Erwachsenen und das Vertrauen in ihr Kind an. Eltern fragen sich: Habe ich mein Kind ausreichend aufgeklärt? Soll ich einschreiten? War es richtig, ihr oder ihm den Zimmerschlüssel zu überlassen. Das eigene Zimmer ist für Teenager wichtiger Rückzugsort, auch für erste Erfahrungen im Bereich der Sexualität. Wie tolerant Eltern mit diesem Thema umgehen, ist vom Alter und den bereits erlebten Erfahrungen des Teenagers abhängig und auch individuell sehr verschieden. Allerdings müssen sich besorgte Mütter und Väter immer vor Augen halten: Ihr Kind wird früher oder später sexuelle Erfahrungen machen. Es bleibt nur offen, ob sich ihr Nachwuchs dabei in einem sicheren Umfeld befindet oder an einem den Eltern unbekannten und womöglich ungeeigneten Ort? Mehr zum Thema: Der erste Freund

Fazit: Eltern müssen ihren Kindern ein Recht auf Privatsphäre gewähren und viel Vertrauen schenken, damit sie sich frei entwickeln können. Nichtsdestotrotz haben Eltern eine Verantwortung gegenüber ihren Kindern und werden im Zweifelsfall auch dementsprechend handeln.
Text: C. D. / Stand: 13.06.2018

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