Altersweitsichtigkeit - Was ist das?

Text: A. M. (Optikerin) / Letzte Aktualisierung: 13.01.2023

Mann mit Altersweitsichtigkeit
Spätestens ab dem 50. Lebensjahr brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille - Foto: © Prostock-studio - stock.adobe. com

Das Leben ist geprägt von permanenter Veränderung. Auch unsere Augen verändern sich im Laufe des Lebens. Die Altersweitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit, die der Fachmann als Presbyopie bezeichnet, gehört dazu. Denn im Rahmen des normalen Alterungsprozesses lässt die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unserer Augen nach.

Altersweitsichtigkeit - ein völlig normaler Prozess

Wenn es darum geht, Veränderungen am Körper zu akzeptieren, tun wir uns oftmals schwer. Niemand möchte älter werden. Jugendliches Aussehen, Gelassenheit und Agilität werden viel eher akzeptiert als die Tatsache, dass sich der Körper mit den Jahren verändert. Zu den Veränderungen gehört auch das Sehen. Doch die Altersweitsichtigkeit hat einen großen Vorteil: sie betrifft uns alle. Niemand kann sich davor verstecken. Wann sie eintritt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, die wir gleich noch etwas näher betrachten. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr jeder eine schleichende Veränderung beim Sehen in der Nähe feststellen wird.
Entscheidend ist dabei nicht, ob ein Buch gelesen werden soll oder kleine Handarbeiten durchgeführt werden. Fakt ist, dass ohne Unterstützung durch optische Hilfsmittel ein deutliches Sehen in der Nähe immer schwieriger wird.
[ Lesen Sie auch: So finden Sie die richtige Brille für Kinder ]

Warum entsteht Altersweitsichtigkeit?

Unsere Augen sind ein sehr komplexes Sinnesorgan. Sie können sich mit Hilfe des Gehirns an unterschiedliche Entfernungen anpassen. Und zwar innerhalb von Millisekunden. Wollen wir in der Ferne etwas deutlich sehen, wird das Gehirn diese Informationen an das Auge weitergeben und es fokussiert sich auf den Punkt in der Ferne, den wir betrachten wollen. Gleiches gilt für die Zwischenbereiche und die Nähe. Mit zunehmendem Alter fällt es den Augen immer schwerer, sich auf die unterschiedlichen Entfernungen anzupassen. Die Flexibilität der Augenlinse geht verloren. Die Presbyopie - also die Alterssichtigkeit - beruht deshalb auf einer Veränderung der Augenlinse. Sie wird im Laufe der Zeit dicker und dadurch auch stabiler. Das schnelle Umschalten von der Ferne zur Nähe funktioniert nicht mehr. Sie stellt deshalb in der Nähe unscharf und animiert uns dazu, dass zu Sehende etwas weiter wegzuhalten oder ein optisches Hilfsmittel für das genaue Erkennen der Gegenstände zu nutzen.

Unser Hinweis: Die Altersweitsichtigkeit ist keine Krankheit. Wie zum Beispiel der "Graue Star". Es ist ein völlig normaler Vorgang, den wir alle in unserem Leben durchlaufen.

Ab wann tritt die Alterssichtigkeit auf?

Es gibt keinen festen Stichtag, den wir Ihnen für das Eintreten der Altersweitsichtigkeit nennen können. Allerdings gibt es eine kleine Regel, die berücksichtigt werden kann. Gibt es eine Vorgeschichte zum Thema Fehlsichtigkeit, sind die ersten Erscheinungen anders gelagert als bei Personen, die bis dahin ohne Brille, Kontaktlinsen oder operative Eingriffe ausgekommen sind. Wenn Sie zum Beispiel kurzsichtig sind und für die Ferne eine Brille benötigen, werden Sie ohne die Fernbrille in der Nähe deutlich länger gut sehen können als jemand, der weitsichtig ist. Bei einer Kurzsichtigkeit ist das Auge zu lang. Die Lichtstrahlen treffen als Bündel vor der Netzhaut auf, sodass kein klares Bild wiedergegeben wird. Mit der Brille (Minusgläser) wird das korrigiert. Gelten Sie als weitsichtig, dann ist Ihr Auge zu kurz. Die gebündelten Lichtstrahlen treffen hinter der Netzhaut zusammen, sodass mit einer Korrektur gegengesteuert wird. Sogenannte Plusgläser kommen dabei zum Einsatz. Kurzsichtige benötigen deshalb später eine Lesebrille als Weitsichtige, die im Vorfeld schon Probleme in der Nähe haben. Zu den bereits vorhandenen Werten der Kurzsichtigkeit oder der Weitsichtigkeit kommen mit der Alterssichtigkeit zusätzliche Korrekturwerte. Sie werden zu den bereits bekannten Werten addiert. Auf Ihrem Brillenpass ist das als "ADD" (Addition) gekennzeichnet.

Übrigens: Rund die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland trägt eine Brille. Manche von ihnen permanent, andere nur hin und wieder. Sie sind also nicht alleine.

Mann sucht Lesebrille beim Optiker
Ein Optiker hilft Ihnen die richtige Lesebrille oder Bifokalbrille zu finden! - Foto: © eric - stock.adobe. com

Die Diagnose rund um die Altersweitsichtigkeit

Sie werden zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr automatisch feststellen, dass das Sehen in der Nähe immer schwieriger wird. Es ist ein schleichender Prozess, den Sie in den ersten Jahren noch gut ausgleichen können. Halten Sie die Dinge, die Sie in der Nähe betrachten wollen, einfach etwas weiter weg. Achten Sie auf gute Lichtverhältnisse, die Ihnen ebenfalls zu Beginn der Alterssichtigkeit das Tragen einer Brille ersparen.
Doch irgendwann werden Sie von allein den Wunsch verspüren, ein optisches Hilfsmittel zu nutzen. Und dann sollten Sie einen Optiker oder Augenarzt aufsuchen, um eine Diagnose stellen zu lassen. Kaufen Sie nicht einfach in der Drogerie oder im Supermarkt eine Fertiglesebrille. Jedes Auge ist anders. Eine korrekte Anpassung der Sehhilfe ist wichtig.

So wird die Altersweitsichtigkeit korrigiert

Für die Korrektur von Altersweitsichtigkei stehen Ihnen folgende Hilfsmittel / Behandlungen zur Verfügung:

  • Lesebrille
  • Bifokalbrille
  • Gleitsichtbrille
  • Gleitsichtkontaktlinsen
  • operative Korrektur

Lesebrillen und die Alternativen:

Die Lesebrille ist der Klassiker bei der Altersweitsichtigkeit. Sie enthält lediglich eine Korrektur für die Nähe, erlaubt es aber nicht, in der Ferne deutlich zu sehen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie gegebenenfalls ein schmales Brillenmodell (schmale Fassung oder spezielle Halbbrille) nutzen, um über den oberen Rand schauen zu können.

Die Bifokalbrille ist eine Korrektur für die Ferne und die Nähe. Sie bietet zwei verschiedene Stärken, unterstützt aber nicht den Zwischenbereich. Der fließende und stufenlose Übergang ist hingegen mit einer Gleitsichtbrille gewährt. Sie stellt die beliebteste Variante dar, wenn eine vollständige Korrektur der Ferne und der Nähe erfolgt.

Unser Hinweis: Es gibt spezielle Arbeitsplatzbrillen, die sich bezüglich des Sehbereiches auf die Anforderungen am Arbeitsplatz konzentrieren. Gegebenenfalls übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für die Arbeitsplatzbrille teilweise oder vollständig.

Kontaktlinsen sind für viele Verbraucher ebenfalls eine Option im Umgang mit der Alterssichtigkeit. Bedenken Sie hierbei bitte, dass Sie multifokale Kontaktlinsen benötigen. Die sogenannten Gleitsichtlinsen gibt es in unterschiedlichen Aufführungen mit ebenfalls unterschiedlichen Trageeigenschaften.

Eine operative Korrektur wird hingegen nur selten angestrebt. Es ist ein kosmetischer Eingriff, der keine Garantie auf vollständige Beseitigung und langanhaltenden Erfolg liefert. Es muss deshalb genau überlegt werden, ob dieser Weg gegangen werden soll. Lassen Sie sich von Ihrem Augenarzt beraten und holen Sie ggf. eine zweite Meinung ein.

Keine Angst vor dem Alter

Die Altersweitsichtigkeit ist nicht das Ende vom aktiven Leben. Sie ist lediglich ein Zeichen dafür, dass sich Ihr Körper verändert und Sie nun etwas mehr Obacht auf ihn geben sollten. Ernähren Sie sich gesund, machen Sie ein wenig Sport und pflegen Sie sich. Schauen Sie nicht ausschließlich auf flackernde Bildschirme, sondern gönnen Sie den Augen hin und wieder etwas Ruhe und Erholung an der frischen Luft. Zum Beispiel bei einem Waldspziergang mit den Kindern oder Enkelkindern. Das dient der Augengesundheit und lässt Sie deutlich entspannter mit der Alterssichtigkeit umgehen.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Bitte beachten Sie: Wir geben hier nur allgemeine Hinweise! Bei Fragen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt / Augenarzt Ihres Vertrauens!

Seniorengesundheit

Senioren Ratgeber