Sicherheit im Kinderzimmer ist wichtig

Text: O.K. - Technik Experte und Vater eines 6-jährigen Jungen / Zuletzt aktualisiert: 11.11.2019

Kind im Kinderzimmer
Wie kann man das Kinderzimmer kindersicher gestalten? - Foto: © Oksana Kuzmina - stock.adobe. com

Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:
Ein erfahrener Vater gibt hier umfangreiche Tipps zur sicheren Gestaltung eines Kinderzimmers!

Das Kinderzimmer ist meist kunterbunt, oft ein bisschen chaotisch und für viele Kinder und deren Freunde der tollste Spielplatz, den es gibt. Hier können sie nach Herzenslust spielen, toben, lachen und in Ruhe die Welt entdecken. Umso wichtiger ist es, dass in ihrem Zimmer keine versteckten Gefahren lauern, sondern sie sich sicher darin aufhalten können. Mit den folgenden Tipps machen Sie das Kinderzimmer (aber auch jeden anderen Raum) ganz einfach kindersicher.

So sorgen Sie für ein sicheres Kinderzimmer:

Geeigneter Bodenbelag

Die häufigste Unfallursache bei kleinen Kindern sind Stürze. Diese lassen sich nicht immer vermeiden, aber in den meisten Fällen abmildern - mit einem weichen und federnden Bodenbelag. Kork- und Teppichböden sind hier besonders zu empfehlen.

Wenn Sie sich für Teppichboden entscheiden, achten Sie darauf, dass dieser möglichst frei von Schadstoffen ist. Kleine Kinder nehmen alles in den Mund, auch Teppichfasern. Verzichten Sie möglichst auf Kunststoffe. Aber auch Teppiche aus Naturmaterialien wie Wolle können Tücken haben. Manche von ihnen sind nämlich mit Insektiziden behandelt, die im Kinderzimmer nichts zu suchen haben. Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Teppich schadstofffrei ist, orientieren Sie sich zum Beispiel am Siegel der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden (GUT).

Tipp:
Wenn im Kinderzimmer Laminat verlegt ist und der Vermieter es nicht erlaubt, dieses zu entfernen, legen Sie einfach einen Teppichboden mit einer Anti-Rutsch-Gummimatte darüber.

Schadstoffarme Möbel

Auch bei der Auswahl der Möbel sollten Sie gezielt zu Produkten greifen, die frei von Schadstoffen sind. Möbel mit Schadstoffen lassen sich häufig daran erkennen, dass sie Farbe abgeben, wenn Sie mit dem Finger darüber reiben. Häufig verströmen sie auch einen intensiven, beißenden Geruch. Verbraucherschützer raten dazu, alle neuen Kinderzimmer-Möbel zuerst aufzubauen und dann mindestens eine Woche lang in einem anderen Raum "ausdünsten" zu lassen, bevor sie im Kinderzimmer aufgestellt werden. Dies gilt insbesondere für MDF-Möbel, die Lacke und Leime enthalten, deren Ausdünstungen in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich sind. Am besten für Kinderzimmer geeignet sind Voll- oder Massivholzmöbel.
Lesen Sie auch: Kindermöbel - Stabile und sichere Möbel für das Kinderzimmer

Tipp:
Achten Sie beim Kauf von Massivholzmöbeln auf das FSC-Siegel ("Forest Stewardship Council"). Dieses gibt an, dass das Holz für die Möbel aus nachhaltiger und ökologischer Waldwirtschaft stammt.

Passendes und sicheres Bett

Dem Kinderbett kommt eine besonders große Bedeutung zu, denn es wird täglich genutzt - nicht nur zum Schlafen, sondern auch zum (Vor-)Lesen, Spielen und Rumtoben. Um dabei Unfälle zu vermeiden, sollte einerseits der Lattenrost überaus stabil und andererseits das Bett unbedingt auf die altersspezifischen Bedürfnisse und potenzielle Gefahren für Kinder abgestimmt sein:

Gitterbetten

Die Gitterstäbe beim Kinderbett verhindern, dass Kleinkinder nachts aus dem Bett fallen. Gleichzeitig haben sie eine Funktion wie ein Laufstall und ermöglichen Ihnen, Ihr Kind auch tagsüber kurz darin abzusetzen, um andere Dinge zu erledigen. Doch die Gitterstäbe können auch zur lebensgefährlichen Falle werden, wenn sie zu weit auseinanderstehen und das Kind seinen Kopf dazwischen einklemmen kann oder sich selbst durchzwängen und unbemerkt durch die Wohnung krabbeln/laufen kann.

Verzichten Sie deshalb, sobald das Kind in einem gewissen Alter ist (etwa ab 2 Jahren), auf die Gitter und greifen Sie stattdessen zu einem Fallschutz für die Nacht, den Sie tagsüber entfernen können.

Hochbetten

Betten mit mehreren Etagen sind erst für Kinder ab 6 Jahren geeignet, da jüngere Kinder weder Höhe noch Risiko einschätzen können und auf dem Hochbett oft wild rumtoben würden. Unabhängig vom Alter sollten Hochbetten aus Sicherheitsgründen jedoch immer fest in der Wand verankert sein, um ein Umfallen zu verhindern. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Möbelstücke.
Erfahren Sie hier worauf Sie beim Kauf eines Kinderbetts achten sollten.

Möbel sichern

Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen die Welt erkunden. Dazu gehört auch, dass sie alles Mögliche als Kletterhilfe benutzen - auch die Möbel in ihrem Kinderzimmer. Doch wenn sie sich an Regalen oder Schränken hochziehen oder gar versuchen, an ihnen hochzuklettern, besteht die Gefahr, dass die Möbel umfallen. Im schlimmsten Fall können sie das Kind unter sich begraben. Befestigen Sie solche Möbel deshalb immer mit Metallwinkeln an der Wand. Viele Hersteller liefern das passende Zubehör direkt mit. Um zu verhindern, dass die Kinder die Schubladen komplett herausziehen, sollten Sie sie mit Auszugssicherungen stoppen.

Kleinkind am Fenster - Gefahr!
Im Kinderzimmer lauern viele Gefahren. Fenster, Steckdosen Rollobänder - Foto: © Halfpoint - stock.adobe. com

Steckdosen abdecken

Stromunfälle sind gerade bei Kleinkindern keine Seltenheit. Die Hauptursache neben schlecht isolierten Kabeln sind frei zugängliche Steckdosen. Sie verleiten neugierige Kinder dazu, Gegenstände in die Löcher zu stecken - häufig mit fatalen Folgen! Dabei lässt sich diese Gefahrenquelle mit einfachen Mitteln bannen:

  • Seien Sie von Anfang an konsequent und sagen Sie deutlich "Nein!", sobald sich Ihr Kind einer Steckdose nähert.
  • Decken Sie sämtliche Steckdosen im Kinderzimmer und am besten auch im Rest der Wohnung mit einem Steckdosenschutz ab.
  • In der Regel reichen Abdeckungen zum Aufkleben aus. Sie verdecken beide Löcher der Steckdose zuverlässig und lassen sie trotzdem funktionsfähig.

Wichtig:
Sichern Sie auch eventuell vorhandene Steckerleisten, lassen Sie kleine Kinder aber trotzdem niemals unbeaufsichtigt in ihrer Nähe. Durch die langen Kabel besteht akute Strangulationsgefahr!

Fenster sichern

Ein geöffnetes Fenster stellt gleich aus mehreren Gründen eine Gefahrenquelle für Kinder dar. Nicht nur, dass sie durch komplett geöffnete Fenster ungehindert nach draußen gelangen und herabstürzen können. Zum Teil geöffnete (gekippte) Fenster können darüber hinaus durch einen Windstoß oder ein anderes Kind zuschlagen und Körperteile wie die kleinen Finger einquetschen. Installieren Sie zur Sicherheit einen abschließbaren Fenstergriff. Diese in vielen Varianten erhältlichen Sicherungen lassen sich auch in Mietwohnungen ohne große Umbauarbeiten und ohne viel handwerkliches Know-how nachrüsten und geben Ihnen ein beruhigtes Gefühl.

Tipp: Auch ungesicherte Treppen stellen ein hohes Unfallrisiko dar. Spätestens wenn sich das Kind frei im Zimmer bewegt, sollten sämtliche Treppen durch verriegelbare Türgitter abgesichert werden.

Achtung: Zugschnüre von Jalousien und Rollos!

Herabhängende Zugschnüre von Jalousien und Rollos haben in der Vergangenheit gehäuft zu dramatischen Unfällen in den Kinderzimmern geführt. In der Folge ist am 1. September 2014 eine neue EU-Norm (EN 13120) in Kraft getreten, die das Risiko für Strangulationen senken soll. Konkret sieht sie vor, dass die Bedienschnüre von Jalousien und Rollos mindestens in einer Höhe von 1,50 Metern über dem Boden hängen müssen. So sind sie für kleine Kinder unerreichbar. Zusätzliche Maßnahmen wie Schnurwickler mit Wandbefestigung sollen dafür sorgen, dass Kinder gar nicht erst auf die Idee kommen, mit einem frei schwingenden Bedienelement zu spielen.

Wichtig:
Achten Sie beim Kauf eines Rollos darauf, dass dieses die EU-Norm 13120 erfüllt und die Bedienschnur auf der besagten Höhe hängt. Greifen Sie alternativ zu schnurlosen Jalousien, die zum Beispiel mit Schienen geführt sind. Lassen Sie sich dazu auch vom Fachverkäufer beraten. Informationen finden Sie auch auf den Webseiten der Hersteller und Verkäufer.

Sicheres Spielzeug

Spielzeug kann aus ganz unterschiedlichen Gründen eine Gefahr für Ihr Kind darstellen. Es kann Schadstoffe enthalten, die langfristig zu Gesundheitsschäden führen, spitze Stellen aufweisen, die Verletzungen hervorrufen können oder laute Geräusche machen, die im schlimmsten Fall bleibende Hörschäden zur Folge haben. Nachfolgend haben wir für Sie Tipps zusammengestellt, mit denen Sie sicheres von potenziell gefährlichem Spielzeug unterscheiden können:

  • Achten Sie darauf, dass das Spielzeug keine für Sie lauten oder hohen Geräusche von sich gibt. Die Ohren Ihres Kindes sind noch empfindlicher.
  • Kaufen Sie nur elektrische Spielzeuge mit Batteriebetrieb. Ein Stromanschluss mit Kabel birgt das Risiko von Stromschlägen und Strangulation.
  • Kaufen Sie keine Spielzeuge mit spitzen oder scharfen Ecken oder Kanten.
  • Achten Sie darauf, dass das Spielzeug keine Mechanismen besitzt, mit denen sich Ihr Kind seine Finger oder andere Körperteile einquetschen kann.
  • Sicheres Spielzeug sollte keine Bänder oder Schnüre enthalten, die so lang sind, dass sich Ihr Kind diese um den Hals legen könnte.
  • Kaufen Sie ausgestopfte Kuscheltiere nur mit weicher Wattefüllung und nicht mit Bohnen, etc. da diese beim Verschlucken ein Erstickungsrisiko bergen.
  • Meiden Sie bei kleinen Kindern Puppen und Kuscheltiere mit Kleinteilen aus Plastik oder Metall, die sich ablösen könnten.

Eine Orientierung beim Kauf von Spielzeug bieten Ihnen auch Prüfsiegel. Allen voran das GS-Zeichen, das für "Geprüfte Sicherheit" steht. Empfehlenswert sind darüber hinaus das "TÜV/LGA"-Prüfzeichen und das "Spiel gut"-Prüfzeichen. Bei elektrischem Spielzeug sollten Sie zudem auf das "VDE"-Zeichen achten, das anzeigt, dass das jeweilige Produkt bei sachgemäßem Gebrauch unbedenklich ist. Wenn Sie sich für Holzspielzeug entscheiden, sollten Sie auf den "Blauen Engel" achten. Dieser zeichnet Spielzeuge aus, die auf bedenkliche Schadstoffe verzichten. So erkennen Sie gutes Kinderspielzeug.

Rauchmelder im Kinderzimmer

Bundesweit ist die Installation von Rauchmeldern in Kinderzimmern (und anderen Räumen wie Schlafzimmern und Fluren) gesetzlich vorgeschrieben. Bringen Sie den Melder - am besten mittig - an der Zimmerdecke an und sorgen Sie dafür, dass er immer mit vollen Batterien ausgestattet ist. Sollte eine Batterie leer oder defekt sein, ertönt in immer kürzer werdenden Abständen ein lautes akustisches Signal. Schieben Sie den anstehenden Wechsel der Batterie nicht auf, sondern nehmen Sie zur Sicherheit Ihres Kindes den Austausch so schnell wie möglich vor.

Für mehr Sicherheit im Kinderzimmer: Wechseln Sie die Perspektive

Sie sind sich sicher, dass Sie alle Gefahrenquellen und Unfallstellen aus dem Weg geräumt haben? Dann betrachten Sie die Einrichtung und Gestaltung des Kinderzimmers einmal bewusst aus der Perspektive des Kindes. Machen Sie sich klein, versetzen Sie sich in die Lage des Kindes und betrachten Sie das Zimmer auf allen Vieren. So fallen Ihnen ganz sicher potenzielle Gefahren ins Auge, die Sie in der Erwachsenen-Position schlicht übersehen haben.

Quellenangabe bzw. weiterführende Informationen für Eltern:

Ein abschießender Hinweis:
Achten Sie nicht nur im Kinderzimmer auf Sicherheit. Die ganze Wohnung sollte kindersicher sein. Aber auch die Wohnung von den Großeltern oder anderen Verwandten oder Freunden wo sich Ihr Kind oft aufhält!
Lesen Sie dazu unsere Tipps zum Thema "Kindersicherer Haushalt"

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