Die Orale Phase beim Baby

Baby steckt sich den Fuß in den Mund
In der oralen Phase nehmen Babys alles in den
Mund - auch mal den eigenen Zeh - Foto: © dinel

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Wenn Babys sich alles in den Mund stecken

Sicher kennen Sie diese Szene: ein Baby lutscht gedankenverloren an seinen Fingern und erkundet bald darauf mit Hingabe die Babyrassel. Sie wandert in den kleinen Mund, das Baby kaut darauf herum und betastet das Spielzeug mit Zunge und Kieferleisten. Dabei fließt reichlich Speichel und durchnässt nach und nach das Babyshirt.

Die frühe orale Phase

Wenn Babys alles in den Mund nehmen, befinden sie sich in der oralen Phase. Experten unterscheiden eine frühe und eine späte orale Phase. In der frühen oralen Phase nimmt der Säugling seine Umgebung und seine Bezugspersonen noch nicht im vollen Umfang wahr. Das Baby ist auf Teilbereiche fixiert - ein ganz typisches Beispiel dafür ist die Brust der Mutter. Diese steht beim Stillen im Mittelpunkt. Der Mund - das wichtigste Sinnesorgan eines Neugeborenen - macht hierbei seine ersten sinnlichen Erfahrungen.

Die späte orale Phase

Die eigentliche orale Phase (auch als späte orale Phase bezeichnet) beginnt etwa mit dem 5. Lebensmonat des Babys und zieht sich über das gesamte 1. Lebensjahr hinweg. Während dieser Zeit ist nichts, aber auch rein gar nichts, vor dem Entdeckungsdrang der Kleinen sicher. Egal was das Baby in die Hand bekommt - es wandert schnurstracks zu seinem Mund. Warum ist das so? Nun, ein Baby hat zwar neben dem Tastsinn auch noch andere Sinne. Jedoch sind im 1. Lebensjahr weder Hören noch Sehen so weit entwickelt wie eben dieser Tastsinn. Mit der gesamten Mundhöhle einschließlich der Zunge wird jeder erreichbare Gegenstand abgetastet. Wie fühlt er sich an? Ist er hart oder weich? Kühl oder warm? Ist er glatt oder kantig? Über das Abtasten mit Mund und Zunge gewinnt das Baby so eine Menge Informationen und macht wichtige Sinneserfahrungen. Gleichzeitig ist die orale Phase die erste Phase in der Entwicklung der kindlichen Sexualität.

Das sollten Sie beachten

Für Eltern ist es nicht immer leicht, wenn der Nachwuchs sich alle möglichen und unmöglichen Dinge in den Mund steckt. Hier ist Vorsicht geboten, denn nicht jeder Gegenstand ist sauber und hygienisch. Ja, manche Dinge sind sogar giftig und können eine echte Gefahr für das Baby darstellen. Folgende Hinweise sollen Ihnen helfen, Ihre Umgebung in der Zeit der oralen Phase Ihres Babys sicherer zu gestalten:

  • Verschließen Sie Medikamente und Putzmittel sicher. Arzneimittel und Chemikalien können Ihr Kind vergiften und ihm schwere Schäden zukommen lassen!
  • Wie ist es um Ihre Grünpflanzen bestellt? Manche Pflanzen sind giftig und dürfen daher nicht von Kindern in den Mund gesteckt werden.
  • Ihr Baby darf keinesfalls Zigaretten oder Zigarettenkippen in den Mund nehmen! Bereits kleinste Mengen können den Tod zur Folge haben!
  • Vorsicht bei spitzen und kantigen Gegenständen - Verletzungsgefahr!
  • Spielzeug sollte mit ungiftigen Lacken und Farben behandelt sein. Ein sicherer Hinweis dafür ist der Begriff "speichelfest" am Produkt.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Baby keine Dinge in den Mund nimmt, welche es verschlucken kann. Kleinteile sollten generell in der Babyzeit nicht in der Wohnung liegen und stattdessen kindersicher aufbewahrt werden.
  • Vorsicht auch bei einigen Lebensmitteln: Nüsse und Weintrauben können zum ersticken führen!
Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll Ihnen nur dazu dienen, achtsam zu sein und mit offenen Augen die Umgebung Ihres Kindes zu betrachten.

Hygiene während dieser Phase ist wichtig

Noch ein paar Worte zur Sauberkeit und Hygiene. Keine Angst - auch wenn Ihr Nachwuchs mal Dinge in den Mund steckt, welche nicht vorher gereinigt wurden. Während der oralen Phase probiert das Baby eben auch einmal aus, wie der Sand aus der Sandkiste im Garten oder die Erde aus Opas Beet schmeckt. Da wird schon mal ein Grashalm gekaut und der eben erst gekaufte Tetra-Pack Milch wird abgeleckt. Babys sind robuster als wir denken. Forscher haben sogar herausgefunden, dass der Kontakt mit Keimen und Bakterien das Immunsystem stärkt und dass Kinder, welche auch einmal mit Schmutz in Berührung kommen dürfen, später seltener allergische Erkrankungen zeigen. Für uns als Eltern bedeutet dies: Hygiene ja, aber bitte keine sterile Umgebung für unseren Nachwuchs!

Die orale Phase - ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Kindes. Indem wir unser Baby gewähren lassen und ihm die Chance geben, gefahrlos seine Umgebung zu erkunden, schaffen wir ein Umfeld, in dem sich seine geistigen Fähigkeiten optimal entfalten können.
Text: K. L. / Stand: 11.08.2018

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

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