Ab wann dürfen Kinder von zuhause ausziehen?

Wenn Kinder ausziehen wollen

"Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast...", wie oft hören sich vor allem Teenager diesen altbekannten Spruch an.

Der Wunsch zu Hause auszuziehen, keimt nahezu in jedem heranwachsenden Jugendlichen - ganz besonders wenn es zu Spannungen zwischen Eltern und Kind kommt. Dieser ganz normale Prozess der Abnabelung der Kinder von ihren Eltern ist zwangsläufig mit Konflikten verbunden, die normalerweise innerhalb der Familie geklärt werden. Was geschieht jedoch, wenn minderjährige Kinder den ersthaften Entschluss fassen, das sichere Elternhaus zu verlassen?
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Das Aufenthaltsbestimmungsrecht

Solang das Kind keine 18 Jahre alt ist, haben die Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht inne. Es gewährt ihnen, über den Wohnort des Kindes zu entscheiden. Ein Auszug minderjähriger Kinder ohne Zustimmung der Eltern ist theoretisch nicht möglich. Lediglich dem Familiengericht ist es gestattet, den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu entziehen. Dies geschieht jedoch nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn das Kindeswohl ernsthaft gefährdet ist, so zum Beispiel durch häusliche Gewalt. Die üblichen Konflikte zum Thema mehr Freiheiten, Ausgehzeiten oder Rauchen und Make-up gehören klassisch zum Erwachsenwerden dazu. In diesen Fällen sieht das Gesetz keinen Handlungsbedarf.

Allein wohnen unter 18 Jahren jedoch möglich

Kommen Eltern zu dem Entschluss, dass ihr minderjähriges Kind die Reife besitzt, von zu Hause auszuziehen und stimmen dem zu, dürfen auch Kinder unter 18 Jahren das Elternhaus verlassen. Häufig geschieht dies sogar in gutem Einvernehmen zwischen Eltern und Kind, wenn dies eine Lehrstelle außerhalb des elterlichen Wohnorts annimmt. Jedoch muss es dem Kind dort gut gehen. Stellt das Jugendamt fest, dass dem Minderjährigen Gefahr droht, kann es das Kind wieder im Elternhaus einquartieren oder entsprechend in einer anderen Einrichtung wie einem Jugendheim oder einer betreuten Wohngruppe unterbringen.
Über dieser augenblicklichen Freiheit der Teenies schwebt unvermindert das Schwert des Damokles, denn die Eltern haben nach wie vor das Aufenthaltsbestimmungsrecht und können so dem Teenager vorschreiben, wo und in welcher Form es zukünftig wohnen darf. So wird der Traum von einer eigenen Wohnung in einer anderen Stadt schnell zum Albtraum in einer Wohngemeinschaft nahe dem Elternhaus. Zudem sind minderjährige Kinder laut Gesetz nicht voll geschäftsfähig, dass heißt es wird grundsätzlich die Unterschrift der Eltern oder des gesetzlichen Vertreters unter Mietverträgen oder bei einem Stromversorger benötigt.
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Freiheit nicht ohne finanzielle Sicherheit

Eltern sind für ihre minderjährigen Kinder unterhaltspflichtig. Stimmen Sie dem frühen Verlassen des Elternhauses zu, sollten sie entsprechend die Kinder finanziell unterstützen. Tritt die Volljährigkeit ein und der Sohn oder die Tochter werden 18, steht es ihnen frei, daheim auszuziehen. Die Eltern müssen weiterhin für den Unterhalt sorgen, sind jedoch nicht verpflichtet, ihn in Form von Geldzahlungen zu leisten. Stattdessen gewährt das Gesetz den Eltern das Recht, für ihr Kind auch in der Form aufzukommen, dass sie ihm Wohnraum und Verpflegung etc. frei zur Verfügung stellen. Bei all dem Druck, den Eltern derart auf ihre Kinder ausüben können, müssen sie jedoch nach dem Gesetzgeber die Wünsche und Interessen ihres Kindes berücksichtigen. Geschieht dies nicht, hat der Sohn oder die Tochter die Chance, die Unterhaltsbestimmungen vor ein Familiengericht zu bringen und ändern zu lassen. Dafür müssen jedoch äußerst schwerwiegende Gründe dem Gericht vorgelegt werden.
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Wenn Kinder zuhause ausziehen

Der Wunsch sein Leben selbstständig zu meistern und eigenständig zu werden, wächst zunehmend mit dem Älterwerden der Jugendlichen. Eltern fällt es nicht ohne Grund schwer, ein Kind loszulassen, besonders wenn es noch so jung ist und sich von vielen alltäglichen Problemen kein Bild skizzieren kann. Gründen die Kinder mit Einverständnis der Eltern einen eigenen Hausstand, brauchen sie dennoch viel Unterstützung und Hilfe, denn die Organisation des Alltags und des Haushalts ist eine Herausforderung. Wenn sich bei Konflikten zum Thema "Frühzeitiges Ausziehen" nicht zwischen Eltern und Kind daheim eine Lösung findet, kann das Angebot einer Beratungsstelle in Anspruch genommen werden. In einem fachlich fundierten Gespräch mit einer dritten neutralen Person, wie etwa beim Jugendamt oder der Familienhilfe, finden so viele ungelöste Probleme einen guten Ausgang.
Text: C. D. / Stand: 29.11.2017

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