Schreibabys - Wenn Schreiattacken zur Verzweiflung führen

Ein schreiendes Baby
Schreibabys beruhigen ist gar nicht so einfach
Foto: © Michaela Brandl


Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

Alle Babys weinen, dies ist jedem bekannt. Doch weinen manche Babys mehr als andere, sogar viel mehr. Und zwar so sehr, dass ein Beruhigen des Babys schier unmöglich erscheint, die Eltern nahe der Verzweiflung sind. Ab wann ein Baby als Schreikind eingeordnet wird, ist nicht eindeutig geklärt. Als Faustregel können Sie aber davon ausgehen, schreit Ihr Kind mehr als drei Stunden pro Tag an mindestens drei Tagen in der Woche und hält dieser Zustand mehr als drei Wochen an, so können Sie sich durchaus als Eltern eines Schreibabys bezeichnen.

Warum weint das Baby?

Babys weinen, weil es ihre einzige Möglichkeit ist, sich Ihrer Umwelt mitzuteilen. Sie sagen Ihren Eltern damit: Ich habe Hunger, oder: Das maximale Fassungsvermögen meiner Windel ist erreicht. Es kann Ihrem Baby zu hell sein, die Umgebungsgeräusche sind zu laut oder es ist nur müde. Im Ernstfall empfindet Ihr Kind Schmerzen und bittet Sie um Abhilfe. Eltern entwickeln in den ersten Wochen bereits ein Gespür für die Art des Weinens Ihres Kindes und können relativ schnell zwischen einem Hunger - Weinen oder einem Mehr - Aufmerksamkeit - Weinen unterscheiden. Ab der zweiten Lebenswoche bis zum vollendeten dritten Lebensmonat schreien Babys am meisten. Im Regelfall schaffen die Eltern auch schnell Erleichterung und die Kinder lassen sich zügig beruhigen. Bei Schreikindern sieht das ganz anders aus. Nicht selten weinen sie ohne erfindlichen Grund und das Weinen geht rasch in eine Schreiattacke über. Die Kinder werden hochrot, verkrampfen sich und schwitzen vor lauter Anstrengung. Als Elternteil fährt man das gewohnte Programm ab um das Baby zu beruhigen, doch je mehr Anstrengungen unternommen werden, desto schlimmer scheint es zu werden.
Ein wunder Po kann ebenfalls zu einer Schreiattacke führen.

Genervte Eltern

Die Belastung für Eltern von Schreibabys ist enorm. Die permanenten Stresssituationen im Alltag fordern die Geduld der Betreuer und Erschöpfung macht sich breit. Viele Eltern fühlen sich hilflos und suchen die Schuld bei sich selbst. Zu allem Überfluss kommen die zahlreichen gut gemeinten Ratschläge von Eltern und Schwiegereltern oder anderen Außenstehenden hinzu. Besonders die älteren Jahrgänge raten dazu, das Baby schreien zu lassen. Doch davon raten Experten dringend ab.

Wie kann man ein Schreibaby beruhigen?

Was unternehme ich bei einem Schreikind? Zunächst machen Sie sich klar, dass Sie persönlich keine Schuld an der Situation trifft. Versuchen Sie ruhig zu bleiben, auch wenn das leichter klingt als es getan ist. Doch nur so finden Sie die Kraft, um die Situation zu meistern. Der Grund für das übermäßige Schreien Ihres Säuglings kann viele Ursachen haben. Von den Standardsituationen wie Hunger usw. abgesehen, ist es möglich, dass eine organische Ursache vorliegt. Stellen Sie Ihr Kind daher regelmäßig bei den Vorsorgeuntersuchungen durch Ihren Kinderarzt vor. Ärzte können physiologische Ursachen ausschließen. Suchen Sie bei Bedarf einen Osteopathen auf, er erkennt Blockaden, die ein Arzt normalerweise gar nicht findet. Eine beliebte, jedoch nur bedingt zutreffende Erklärung für das häufige Weinen ist die Dreimonatskolik, die - wenn sie tatsächlich vorliegt - bei Ihrem Kind starke Bauchkrämpfe verursacht. Ständiges langanhaltendes Schreien kann auch von dem KISS - Syndrom verursacht werden oder durch Schlafstörungen hervorgerufen werden. Belastende stressige Situationen und Probleme in der Schwangerschaft sind eine weitere mögliche Ursache.

Der häufigste Grund liegt einfach darin, dass die Säuglinge unter Anpassungsproblemen leiden. Das menschliche Gehirn vollbringt nach der Geburt Höchstleistungen. Manche Babys haben schlichtweg Probleme, die Umwelteinflüsse und die neuen Lebensumstände außerhalb des Mutterleibes zu verarbeiten. Neue Geräusche, Ernährungsweisen und vieles mehr überfordern Ihr Kind sehr schnell. Es hat große Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Als schwacher Trost für die Eltern gilt der Umstand, dass Schreikinder im Regelfall intelligente und wissbegierige Kinder sind.

Es gibt einige einfache Methoden, den Kindern und Ihnen zu helfen bzw. zumindest die Situation zu entspannen und dem Baby Linderung zu verschaffen. Sprechen Sie mit einer ruhigen und monotonen Stimme zu Ihrem Kind, auch wenn es weiter schreit, halten Sie es eine Zeit lang durch. Singen Sie ruhige Lieder, abends können Sie das Licht dämpfen, eine angenehme Stimmung schaffen. Eine beliebte Methode ist auch die Babymassage. Viele Kinder lieben den Körperkontakt und die entspannende Massage mit warmem Öl. Körperkontakt erreichen Sie auch, wenn Sie sich in einer ruhigen Minute das nackte Kind auf Ihre nackte Brust legen. Besonders das Nutzen der Nichtschreiphasen gibt Kraft für die Konfliktmomente. Auch das Baby wird schnell begreifen: Meine Eltern geben mir nicht nur Aufmerksamkeit, wenn ich weine. Versuchen Sie das Kind, wenn es eine Schreiattacke hat, jemandem anderen auf den Arm zu geben. Ein gut strukturierter Tag hilft dem Baby, sich besser in seiner neuen Welt zurechtzufinden. Beobachten Sie Ihr Kind, wird es müde legen Sie es gleich zum Schlafen in sein eigenes Kinderbett, hat es einmal den Punkt überschritten, findet es nur schlecht in den Schlaf.

Überforderte Eltern brauchen Hilfe

Kommen Sie trotz all Ihrer Bemühungen nicht klar und fühlen sich überfordert, suchen Sie unbedingt Hilfe außerhalb Ihres Freundes- und Familienkreises. Sogenannte Schreiambulanzen helfen Ihnen in dieser schwierigen Zeit. Sie sind oft Kliniken in Großstädten angeschlossen und beraten auch telefonisch. Aber auch in anderen speziellen Beratungsstellen stehen Ärzte und Hebammen zur Verfügung. In über 90% der Fälle bringen Beratungen Erleichterung. Um den Fachleuten genaueres erläutern zu können, kann ein "Schreitagebuch" von Hilfe sein. Notieren Sie darin die Schrei-, Schlaf- und normalen Wachphasen Ihres Kindes.

Ein Patentrezept für Schreibabys gibt es nicht. Helfen Sie sich und Ihrem Kind über diese erste schwierige Phase im gemeinsamen Leben, indem Sie Hilfe von außen annehmen, wenn Sie diese brauchen.
Text: C. D. / Stand: 25.05.2017

Was tun, wenn sich die Nachbarn über Kinderlärm in der Wohnung beschweren?

[Bitte beachten Sie: Unsere Artikel können nicht den Rat eines Arztes ersetzen. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte immer an einen Arzt Ihres Vertrauens!]

[ Zum Seitenanfang ]

Weitere Themen: