Ruhestörung durch Kinderlärm in der Wohnung

Frau liegt im Bett und fühlt sich durch Kinderlärm gestört
Ruhestörung durch Kinderlärm kann Nachbarn zur
Verzweiflung bringen - Foto: © 9nong

Was tun bei Ruhestörung durch Kinderlärm in der Wohnung?

Sonntagmorgen halb sechs zieht man sich noch einmal die Decke über den Kopf, um gemütlich auszuschlafen.

Wenn da nicht das Nachbarkind wäre, das ausgerechnet jetzt sein neues Rutsch-Auto in der Wohnung obendrüber testen müsste. Mieter haben es oft nicht leicht gemeinsam mit Familien in einem Haus zu leben. Wo hört die Toleranz für Kinderlärm auf und wann beginnen die Grenzen für gegenseitige Rücksichtnahme auch aus Sicht von Familien auf weitere Mitbewohner des Hauses?

Immer wieder stehen sich das Ruhebedürfnis von Nachbarn und der Bewegungs- und Spieldrang von Kindern gegenseitig im Weg. Der Gesetzgeber stellt sich überwiegend auf die Seite der Kinder und ihrer Eltern. Die Bedürfnisse der Kinder nach Toben und Spielen stehen über denen der Nachbarn nach Ruhe und Erholung. Soweit so gut. Doch mitunter ist die Wohnqualität der Nachbarn dermaßen eingeschränkt, dass ein gesittetes Nebeneinander kaum möglich bleibt und Streit unter Nachbarn vorprogrammiert ist.

Ruhezeiten sind einzuhalten

Der Gesetzgeber besagt, dass zwischen 22 Uhr nachts und 7 Uhr morgens eine Nachtruhe einzuhalten ist. Auch Eltern sind gehalten, ihre Kinder in dieser Zeit möglichst zur Ruhe zu ermahnen. Doch je jünger die Kinder sind, desto mehr Toleranz wird den Nachbarn auch im Ernstfall per Gericht abverlangt. Es ist für Eltern unmöglich ihr Kind nachts um halb drei davon abzuhalten, schreiend aufzuwachen. Manchmal lässt sich ein Baby beim besten Willen nicht mehr beruhigen. Andererseits ist es nicht nötig, dass der 15-jährige Sohn des Nachbarn um Mitternacht seine Anlage mit lauter Musik laufen lässt. Hier dürfen sich andere Hausparteien zu Recht beklagen, wenn ihnen der Geduldsfaden reißt.

Ruhestörung in der Mittagsruhe

Allgemein ist per Gesetz eine Ruhezeit zwischen 13 und 15 Uhr nicht vorgesehen. Doch viele Gemeinden haben eigene Satzungen und Mietverträge wie auch Hausordnungen können in dieser Zeit eine Mittagsruhe vorschreiben. Alle Mieter sollten sich jedoch im Klaren darüber sein, dass "Mittagsruhe" nicht bedeutet, es dürfen keine Geräusche mehr aus Nachbars Wohnung kommen. Normaler Trittschall lässt sich nicht vermeiden, ebenso das Weinen eines Kindes oder das Herabfallen von Spielzeug. Da ist das Nachsehen der Nebenwohner gefragt.

Ruhestörung durch Kinderlärm

Je kleiner die Kinder sind, desto mehr Lärm verursachen sie. Einem zweijährigen Kind zu erklären, dass die Nachbarn sich vom Toben gestört fühlen, ist schwierig. Einem achtjährigen Schulkind jedoch nahezulegen, dass es mittags nicht gegen das Geländer klopfen muss, wenn es nach der Schule nach Hause kommt, ist durchaus drin.

Das Gespräch mit den Nachbarn suchen

Leben viele Menschen in einem Mietshaus unter einem Dach, entstehen schnell Spannungen. Doch möchten die meisten Nachbarn gut miteinander auskommen, da es schließlich in beiderseitigem Interesse ist. Fühlt man sich gestört, hilft es oft schon, das klärende Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen. Dabei wütend mit der Tür ins Haus zu fallen, ist unangebracht. Der Ton macht die Musik: Erklären Sie in Ruhe ihr Problem, bieten Sie Kompromissvorschläge an. So könnte zum Beispiel ein Teppich im Flur der Nachbarfamilie einen Großteil des Lärms mindern, oder der Puppenwagen mit den klapprigen Plastik-Rädern wird durch ein Modell mit Vollgummireifen ersetzt. Fragen Sie, ob die Kinder während der Mittagszeit nicht ein Gesellschaftsspiel spielen könnten oder eine Geschichte vorgelesen bekommen anstatt durch die Wohnung zu toben und mit den Türen zu schlagen. Erklären Sie Ihrer Nachbarsfamilie, dass womöglich die eigenen Kinder nicht mehr schlafen können, weil deren Kinder zu laut sind. Gehen Sie in Schichten arbeiten, so hilft es den Nachbarn womöglich, wenn diese wissen, wann Sie beispielsweise aus der Nachtschicht kommen. Eventuell gehen die Kinder dann vormittags auf einen Spielplatz usw. Vergessen Sie nicht positive Kritik, wenn sich zum Beispiel die Lärmbelästigung an einem Wochenende im Rahmen gehalten hat.

Wenn Rücksichtnahme und Gespräche nicht helfen

Führen mehrmalige vernünftige Gespräche mit den Nachbarn zu keinem Erfolg, so können Sie versuchen, über die Hausverwaltung oder den Vermieter eine Lösung zu finden. Eventuell sind sogar bauliche Mängel, wie etwa eine nicht verlegte Trittschalldämmung oder falsch verlegtes Laminat die Ursache für den übermäßigen Kinderlärm aus Nachbars Wohnung. Kommen Sie auch hier nicht weiter, können Sie sich beim Mieterschutzbund oder einem Anwalt juristischen Rat einholen und gegebenenfalls die Chancen einer Klage abwägen. Dafür müssen jedoch triftige Gründe vorliegen, die über die normale Lärmbelästigung von Kindern hinaus geht und die durch andere Parteien und ein ausgiebiges Lärmprotokoll nachgewiesen sein muss. Ein Anwalt berät dazu ausführlich.

Fazit: Mietern wird sehr viel Toleranz gegenüber Kinderlärm abverlangt. Ein gewisses Maß an Verständnis für die Situation der Eltern und dem Spielbedürfnis der Kinder sollte dennoch jeder Nachbar aufbringen und bei ernsthaften Lärmbelästigungen immer zuerst das freundliche Gespräch samt Lösungsvorschlägen mit den Eltern und den Kindern gemeinsam suchen.
Text: C. D. / Stand: 04.06.2019

Bitte beachten Sie, dass dies nur allgemeine Hinweise sind. Eine Rechtsberatung zu diesem Thema kann nur ein Anwalt durchführen!

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