Beziehungskrise nach der Geburt - Was tun?

Paar hat eine Beziehungskrise
Beziehungskrise nach der Geburt - Was tun? - Symbolbild: © vgstudio

Nach der Geburt kann es bei einigen Paaren zur Beziehungskrise kommen. Erfahren Sie hier wie man damit umgehen kann.

So überwinden Sie die Beziehungskrise nach der Geburt

Kinder sind wunderbar. Keine Mutter und kein Vater dieser Welt möchte seine eigenen Sprösslinge jemals wieder missen. Und doch bringt ein Baby zunächst alles durcheinander. Regeln, die bisher galten, verlieren an Gültigkeit, Rhythmen werden auf den Kopf gestellt und Strukturen aufgebrochen. Gerade während der ersten Zeit mit Säugling kann das auch Beziehungen in Schieflage bringen. Was nun hilft - und was nicht.
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"Es muss doch perfekt sein!"

Viele frischgebackenen Eltern gehen mit hohen Erwartungen in ihr neues Leben. Sie sehen sich schon vor der Geburt einträchtig mit Baby auf dem Sofa sitzen, bei langen Spaziergängen mit Kinderwagen lachen und abends zusammen selig auf den schlafenden Erdenbürger in seinem Bettchen blicken. Die Realität aber holt sie unsanft aus dieser Phantasie heraus, denn das Baby schreit, hat Hunger, hält sich nicht an das Ruhebedürfnis seiner Eltern und bereitet ihnen tagtäglich neue Sorgen. Wer nun weiterhin am Idealbild der idyllischen Neu-Familie festhält, findet sich schnell in einem Kreislauf aus Vorwürfen, Frust und Enttäuschung wieder.

Es braucht also ein entspanntes "Mindset", um die erste Zeit zu überstehen. Eltern, die sich flexibel auf veränderliche Gegebenheiten einstellen können und nicht mit Harmonie und Leichtigkeit rechnen, sparen sich herbe Enttäuschungen. Umso schöner ist es dann, die wirklich schönen Momente zusammen genießen zu können. Wer das aber vergisst, wird unter Umständen genau dann streiten, wenn eigentlich gerade Zeit für Ruhe und Entspannung wäre.

Rollen definieren sich neu

In der ersten Zeit mit Baby sind vor allem Mütter gefragt. Insbesondere wenn sie voll stillen, sind sie es, die rund um die Uhr verfügbar sein müssen für das Kleine. Nicht weiter tragisch ist das, wenn sich Paare auf die veränderliche Rollensituation einstellen und gegenseitige Unterstützung im Alltag leben. Klassische Rollenbilder also sollten zügig über Bord geworfen werden, um Vorwürfe und Streit zu vermeiden. Teilen sich Eltern die Haushaltsaufgaben, bleibt für jeden Einzelnen selbst mit Baby mehr Freizeit übrig. So kann Mama noch einmal schlafen, während Papa mit dem kleinen eine Runde spaziert und umgekehrt sorgt Mama dafür, dass Papa nach Feierabend eine Viertelstunde lang ausruhen und zuhause ankommen kann. Gegenseitiges Verständnis ist die Grundlage für eine krisenfreie Zeit und kann sogar aus einer bestehenden Krise nach der Geburt heraushelfen. Hierfür ist es aber unerlässlich, einen großen Schritt auf den Partner zuzugehen und offen zu sprechen.
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Ruhige Gespräche helfen bei der Gewöhnung

Scheint der Haussegen bereits gehörig schief zu hängen, ist das Durchbrechen des Stress-Kreislaufes die einzig richtige Lösung. Eltern sollten sich zusammensetzen und über ihr künftiges Zusammenleben sprechen. Am besten ist es, wenn ein solches Gespräch nicht in Anwesenheit des Babys geführt wird, da es sonst zu Unterbrechungen kommen kann. Besser ist es, Verwandte zu bitten, das Baby für eine Stunde zu nehmen und die so gewonnene Zeit für die Bestandsaufnahme zu nutzen. Hier gilt es, zu definieren, welche Erwartungen in den vergangenen Tagen oder Wochen enttäuscht wurden. Oftmals fehlt jungen Eltern schlicht die gewohnte Zweisamkeit und es fühlt sich an, als haben sie sich unendlich weit voneinander entfernt. In Wirklichkeit aber sind es lediglich die veränderten Lebensumstände, die äußerliche Spannung erzeugen, während die Liebe noch die gleiche geblieben ist. Auch das sollten sich Paare sagen. Ein ehrliches "Ich liebe dich!" kann die Wogen glätten und schafft Platz für konstruktives Planen. Dann ist es möglich, einzelne Punkte zu notieren, die für beide Partner jeweils wichtig sind. Erst wenn der andere diese Bedürfnisse kennt, kann er sie erfüllen. Gelingt das, spielt sich das Leben mit Baby nach wenigen Tagen besser ein und Harmonie kann sich wieder entfalten.
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Professionell begleitet durch eine schwierige Zeit

Ist kein Gespräch mehr möglich, etwa aufgrund zu verhärteter Fronten, Überforderung oder extremer Erschöpfung, können Paare ihre Krise oft nicht aus eigener Kraft überwinden. In diesem Fall ist es nur richtig, sich Hilfe von außen zu holen. Einerseits möglich ist es, Verwandte um Unterstützung bei der Bewältigung des stressigen Alltages zu bitten. So können beide Elternteile neue Kraft schöpfen und sich nach einer Weile wieder aufeinander konzentrieren. Andererseits hilft manchmal auch der Gang zum professionellen Berater. Es muss nicht gleich eine Paartherapie sein, denn oft sind die Herausforderungen der Babyzeit vergänglich und wurzeln nicht tief in der Beziehungsstruktur. Experten für Familiengestaltung, Alltagsplanung und Zeitmanagement aber können erste Hinweise darauf liefern, was in der Familie gerade zu kurz kommt und wie es sich wieder integrieren lässt. Und hängt die Beziehung trotz aller Maßnahmen auch nach Monaten noch am seidenen Faden, kann ein Paartherapeut als Ansprechpartner Eltern dabei unterstützen, sich auch als Liebende wieder neu zu finden.
Text: A. W. / Stand: 15.11.2018

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